Ist der Zimmerbergtunnel nun auf der richtigen Schiene?

Die SVP wollte im Nationalrat 1,1 Milliarden Franken für den Zimmerbergtunnel in den Neat-Kredit einschiessen. Das ist falsch, sagen Mario Fehr (SP) und Thomas Weibel (GLP).

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Was die SVP-Nationalräte in Bern ausgeheckt hatten, tönte verlockend. Den Neat-Kredit um 1,1 Milliarden Franken – so viel ungefähr soll der Zimmerbergbasistunnel zwischen Thalwil und Litti bei Baar kosten – aufstocken, und das lang ersehnte Bahnbauwerk könnte schnell realisiert werden. Die Mehrheit der Grossen Kammer sahs jedoch anders und lehnte das SVP-Begehren mit 130 zu 51 Stimmen wuchtig ab.

Unter den Nein-Sagern befanden sich auch die beiden Nationalräte aus dem Bezirk Horgen, Mario Fehr (SP, Adliswil) und Thomas Weibel (GLP, Horgen). Sie seien nicht etwa gegen eine möglichst schnelle Realisierung des Tunnels, betonen die beiden unisono. Doch der von der SVP vorgeschlagene Weg sei der falsche. «Der Zimmerbergtunnel wird schneller realisiert, wenn er in der ZEB-2-Vorlage und nicht im Neat-Beschluss integriert ist», sagt Mario Fehr. Und dort, im Projekt zukünftige Entwicklung der Bahninfrastruktur (ZEB), soll der Zimmerbergtunnel vertieft geprüft werden. Fehrs Fraktionskollegin Jacqueline Fehr, Mitglied der nationalrätlichen Verkehrskommission, argumentierte im Rat so: «Bei der Neat steht statt dem Personen- der Güterverkehr im Vordergrund. Für den Güterverkehr aber ist der Zimmerbergtunnel nicht so wichtig und droht daher ganz nach hinten zu rutschen.»

Thomas Weibel siehts genau gleich. «Befindet sich der Zimmerbergtunnel in der ZEB-2-Vorlage, sind seine Realisierungschancen höher.» Für Mario Fehr wiederum hat sich nicht das Ziel – ein möglichst schneller Bau –, sondern der Weg dazu geändert. «Der Zimmerbergtunnel befindet sich nun auf der richtigen Schiene.» Dass der Eisenbahntunnel aus finanziellen Gründen wohl nicht vor 2030 gebaut sein wird, bedauert Fehr. Und er meint: «In der Politik braucht man manchmal einen langen Atem. Ich werde mich weiter dafür einsetzen, dass der Tunnel früher realisiert wird.»

Hatt will nicht klein beigeben

Ruedi Hatt (FDP), neuer Präsident der Zürcher Planungsgruppe Zimmerberg (ZPZ), gehört zu denjenigen Politikern, die über einen langen Atem verfügen. Schliesslich bewegt sich der Richterswiler Noch-Gemeindepräsident und ex-Kantonsrat seit 24 Jahren auf dem politischen Parkett. Zum Zeithorizont des für den Bezirk als Jahrhundertprojekt geltenden Werks sagt er: «2030 ist für mich als 58-Jähriger keine Perspektive.» Er habe den Eindruck, dass sich Zimmerberg- und Hirzeleisenbahntunnel ständig in einer Planungs- statt in einer Realisierungsphase befänden. Ein Rezept, wie die Tunnel vorgezogen werden könnten, hat er nicht. Klein beizugeben komme für ihn aber «nicht infrage».

Schneider bedauert «zutiefst»

Ebenfalls enttäuscht ist mit Peter Schneider ein anderer Verkehrsexperte – vom Nationalrat genauso wie vom Zürcher Kantonsrat. Der Oberriedner Raumplaner und frühere VCS-Präsident regte im Kantonsrat via Einzelinitiative an, eine zweite einspurige Tunnelröhre neben dem bestehenden Tunnel von Sihlbrugg nach Litti/Baar (3,4 Kilometer) sowie einen neuen Doppelspurtunnel zwischen Horgen-Oberdorf und Sihlbrugg (2 Kilometer) zu bauen. Der Kantonsrat hätte dafür 200 Millionen Franken oder höchstens 80 Prozent der effektiven Kosten bewilligen sollen. Das Parlament lehnte Schneiders Begehren jedoch ab; statt der nötigen 60 erreichte er bloss 51 Stimmen). «Ich bedaure das zutiefst», sagt Schneider. Seine Variante sei «viel besser als ein über eine Milliarde teurer Zimmerbergtunnel». Politiker würden «eben von der Hand in den Mund leben, nach dem Motto «was kümmert uns das, was in 30 Jahren ist?».

Eine der letzten Hoffnungen, den Zimmerbergtunnel doch noch schneller als bis 2030 zu realisieren, gründet in einer privaten Vorfinanzierung, wie sie der Zuger FDP-Ständerat Rolf Schweiger ins Spiel gebracht hatte. «Der Vorschlag ist nicht abwegig. Er muss ernsthaft geprüft werden», kommentiert Schweigers Parteikollege Ruedi Hatt. GLP-Nationalrat Thomas Weibel urteilt anders. «Wir müssen aufpassen mit privaten Vorfinanzierungen. Entweder handelt es sich um eine Aufgabe des Staats oder nicht. Und der Bau des Zimmerbergtunnels ist klar eine Sache des Staats.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.09.2008, 08:19 Uhr

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