Jubelnde Juden

Red Axes machen irrwitzigen Postpunk für den Club. Das passt zu ihrer schräg-grellen Heimatstadt Tel Aviv.

Spleenige Samples und konfuse Kuhglocken sind Teil ihrer Musik.

Spleenige Samples und konfuse Kuhglocken sind Teil ihrer Musik.

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Tel Aviv. Die israelische Stadt gilt als weltoffen, als Hochburg des Hedonismus. Längst zieht es nicht nur die Gay-Community ans Mittelmeer. Ob der knisternden Nächte staunen partyerprobte Gäste aus Berlin oder London. Und hier begegnet man auf offener Strasse auch chassidischen Juden, die selig zu Goa-Trance abtanzen. An der karnevalesken Purim-Feier wurde schon ein Spassvogel gesichtet, der sich so verkleidet hatte: halb SS-Scherge, halb Lack-und-Leder-Zögling.

Eine kunstgerechte Portion Tel Aviver – sprich: ­jüdischen – Irrwitzes meint man auch in den Nummern von Red Axes zu entdecken. Niv Arzi und Dori Sadovnik hausen mit ihrem Dance im Winkel des Leftfield. Da wird ein Punk-Disco-Fluidum zelebriert, in dem sich spleenige Samples und konfuse Kuhglocken um wuchtige Bässe herumschlängeln. Typisch für Red Axes: die Spannungsbögen, wohl austariert.

Dramatisch brummt ihr Track «Barbarism Rework». Die Koproduktion mit dem Schweizer Labelchef Robi Insinna aka Headman ist nicht die erste Zusammenarbeit. Vor zwei Jahren remixten Red Axes für Relish bereits den Klassiker «No G.D.M.» des deutschen Synthpop-Ensembles Gina X. Eine clevere Wahl. Singt deren ­Vokalistin in der 1979er-Nummer doch von sündigen Verfehlungen in Israels Hauptstadt. Ausgerechnet. Man vermutet zwar, dass die Band gar nie im Mittleren Osten war. Aber Tel Aviv reimt sich da sehr schön auf die Zeile: C’est la vie, chérie. (Zueritipp)

Erstellt: 28.10.2015, 14:32 Uhr

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