Jugendliche nachts auf Baumas Strassen unerwünscht

Eltern sind empört. Leute eines Sicherheitsdienstes schickten Halbwüchsige nach 21 Uhr nach Hause. Die Behörden reden von einem Missverständnis.

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Es geschah am ersten Septembersamstag. Eine Gruppe Jugendlicher stand beim Einnachten in der Nähe des reformierten Kirchgemeindehauses beisammen und plauderte. Kurz nach 22 Uhr traten Mitarbeiter der privaten Sicherheitsfirma Alpha Protect auf den Plan.

Sie kontrollierten die jungen Leute und schickten sie anschliessend nach Hause. Gruppen von mehr als drei Jugendlichen hätten nach 21 Uhr auf öffentlichem Grund nichts mehr zu suchen, liessen sie die verdatterten Burschen und Mädchen wissen. Zudem hätten sie sich viel zu laut unterhalten. Im Wiederholungsfall würden sie die Polizei einschalten.

Heimlich Weisung erlassen?

Für einige Eltern der betroffenen Jugendlichen ist das ein unhaltbares Vorgehen. «Gegen eine Ausweiskontrolle habe ich nichts», sagt Urs Fankhauser, Vater einer nach Hause gescheuchten Tochter. «Schliesslich gilt in unserem Land eine Ausweispflicht. Aber die Wegweisung gleicht einem Versammlungsverbot, wie wir das von Diktaturen kennen.»

Auch andere Eltern ärgern sich. So Peter Strub, dessen bald 16-jähriger Sohn am letzten Wochenende Ähnliches erlebte und ebenfalls nach Hause geschickt wurde. Er hatte laut Angaben seines Vaters beim Schulhaus mit Kollegen Tischtennis gespielt. «Für die Kontrollen habe ich Verständnis, denn es gab in der Vergangenheit Probleme mit liegen gelassenem Abfall und Vandalismus», sagt Peter Strub. «Aber dass die Gemeinde nun ein faktisches Ausgehverbot erliess und dieses nicht einmal offiziell verkündete, finde ich unerhört.»

Den Auftrag missverstanden

Sicherheitsvorstand Josef Wellenzohn (SVP) bestätigt, dass Leute von Alpha Protect Jugendliche an den vergangenen beiden Wochenenden kontrolliert und nach Hause geschickt haben. «Diesen Sommer verzichteten wir zunächst auf den Einsatz des Sicherheitsdiensts», erklärt er. Aufgrund von Reklamationen wegen Nachtruhestörung habe sich der Gemeinderat aber entschlossen, Anfang September Kontrollen durchführen zu lassen.

«Der Auftrag lautete, Kontrollen durchzuführen», so Wellenzohn. «Die Leute des Sicherheitsdiensts haben ihren Auftrag aber offenbar etwas zu ernst genommen.» Es handle sich da um ein Missverständnis, das die Gemeinde korrigiert habe. Der Sicherheitsdienst sei nochmals instruiert worden. Von einem Ausgehverbot könne keine Rede sein, sagt Wellenzohn.

Ein Ratschlag, kein Befehl

Auch Gemeindepräsidentin Marianne Heimgartner (EVP) wehrt sich gegen die Elternvorwürfe. «Es gibt bei uns weder ein Ausgehverbot noch ein Versammlungsverbot für Jugendliche. Die Vorfälle beruhen auf einem Missverständnis.» Der Gemeinderat habe nie eine entsprechende Weisung erlassen. «Wer sich korrekt verhält, darf sich auf öffentlichem Grund aufhalten, wo und wann er will.»

Allerdings würden Patrouillen Jugendliche auf die Nachtruhe und die fortgeschrittene Uhrzeit hinweisen. In den vorliegenden Fällen hätten Sicherheitsleute dies den Jugendlichen im Sinne eines väterlichen Rats vermitteln wollen, was aber offensichtlich nicht geglückt sei.

Untätige Gemeinde kritisiert

Peter Strub, der Mitglied im Trägerverein des Jugendhauses ist, kritisiert den Gemeinderat aber nicht nur wegen der jüngsten Vorfälle. Er wirft dem Gemeinderat eine generelle Passivität in Jugendfragen vor. «In Bauma gibt es ausserhalb der Vereine kaum einen Ort, an dem sich Jugendliche treffen können. Und wie die Gemeinde nur auf das Projekt Midnight-Basketball zu setzen, ist blauäugig.»

Es gebe Jugendliche, die hätten keinen Draht zum Sport und wollten auch einmal einfach zusammen sein, ohne unter der Kontrolle Erwachsener zu stehen. Das Jugendhaus sei da nicht immer die Lösung. Zudem leiste die Gemeinde abgesehen von der Raummiete des Jugendhauses keine finanzielle Unterstützung an den Betrieb. «Ein eigentliches Freizeitproblem für Jugendliche sehe ich in unserer Gemeinde nicht», erwidert Marianne Heimgartner. «Es gibt in Bauma sehr viele tolle Jugendliche, die in Vereinen bestens aufgehoben sind und sich engagieren.» Mühe habe sie aber mit der Bring-Mentalität gewisser Eltern, kontert die Gemeindepräsidentin. «Dabei sollte inzwischen bekannt sein, dass es Jugendlichen nichts bringt, wenn man ihnen einfach alles hinstellt.»

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Erstellt: 14.09.2010, 20:44 Uhr

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