Kampfkunst und Rap auf dem Stundenplan

Die Schüler des Schulhauses Mettmenriet haben diese Woche einen etwas ungewohnten Lehrplan: In Workshops und Infoveranstaltungen bearbeiten sie das Reizthema Gewalt.

Kampfsport-Instruktor René Maier demonstriert, wie man einen Angriff effizient und ungefährlich abwehren kann.

Kampfsport-Instruktor René Maier demonstriert, wie man einen Angriff effizient und ungefährlich abwehren kann. Bild: MICHAEL PELZER

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«Gandhi und seine Lehren», «Konstruktiv mit Konflikten umgehen» oder «Rappen gegen Gewalt»: eine kleine Auswahl von Workshops, die im Rahmen der Projektwoche über Gewaltprävention von der Schule angeboten werden. Die Sekundarschüler konnten sich nach eigenem Ermessen für zwei solche Kurse eintragen, die sie in der zweiten Wochenhälfte absolvieren werden. Noch bis heute Nachmittag besuchen die Jugendlichen obligatorische Informationsblöcke mit Vertretern der Kantonspolizei oder der Jugendanwaltschaft und üben sich in Disziplinen wie Judo oder dem Kampftanz Cappoeira.

Gewaltiges Interesse

Kantonspolizist Thomas Basler referiert in einem abgedunkelten Raum über den Rechtsbegriff, über Repression und Prävention. Der Mann vom Jugenddienst, einer Spezialabteilung der Kriminalpolizei, erklärt den interessierten Zuhörenden, weshalb wir Regeln und Gesetze für ein friedliches Zusammenleben brauchen. Dabei lässt er auch die Jugendlichen zu Wort kommen. Auf die Frage, was denn in der Schweiz alles verboten sei, schnellen sofort mehrere Hände in die Höhe. «Erpressung!», «Schlegi!», tönt es aus den abgestuften Bankreihen. Dieser im Vergleich mit dem Rest der Woche sehr theoretisch anmutende Teil soll die Schüler dazu animieren, ihr eigenes Rechtsverständnis zu reflektieren und gültige Regeln des Zusammenlebens zu respektieren.

«Wir empfinden dieses Vermitteln von Grundsätzen als Verantwortung gegenüber der Gesellschaft», ist sich Schulleiter Peter Gerber sicher. «Unsere Schule ist nichts anderes als ein Spiegel der Gesellschaft, mit all ihren schönen Seiten aber eben auch Missständen.» Deshalb müsse man schon jungen Leuten beibringen, dass Gewalt keine konstruktive Form der Konfliktlösung sei.

Handgreiflich in der Turnhalle

Artan Zendeli und Sascha Müri, beide 16 Jahre alt, sind mit ihren Klassenkameraden in der Turnhalle und schwitzen. Die beiden Burschen der Klasse C3B lernen von Selbstverteidigungs-Experte René Maier, wie man einen allfälligen tätlichen Angriff abwehren kann, ohne sein Gegenüber zu verletzen. «Wir wollen Gewalt nicht mit Gewalt beantworten», mahnt Maier die aufmerksamen Zuschauer, «sondern die Angriffe ins Leere laufen lassen.» Eine Sekunde und einen gekonnten Handgriff später, und sein Gehilfe liegt auf dem Boden. Die Schüler sind beeindruckt und beginnen zu kichern, bevor sie das Gezeigte mit einem Partner wiederholen.

Die spielerische Auseinandersetzung mit einem sonst sehr ernsten Thema scheint den jungen Leuten zu gefallen. Obwohl auch Artan Zendeli Gefallen am Selbstverteidigungskurs findet, denkt er nicht, dass sich durch die Projektwoche der Schulalltag radikal verändern wird: «Am Mettmi hat es gar nicht so viel Gewalt, wie man wegen so einer Woche denken würde. Die letztjährige Abschlussklasse hat viel mehr Probleme gemacht.»

Die Projektwoche endet diesen Freitag mit Präsentationen, welche die Schüler selbstständig in den von ihnen gewählten Workshops vorbereiten werden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.09.2008, 21:47 Uhr

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