Kein Aufguss

Die «Intouchables»-Regisseure schufen ein Melodram über zwei schüchterne Menschen.

Er (Omar Sy) ist papierlos, sie (Charlotte Gainsbourg) orientierungslos.

Er (Omar Sy) ist papierlos, sie (Charlotte Gainsbourg) orientierungslos.

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Nur ja keine Wiederholung als Variante des Erfolgreichen. Hofft man. Denn die ersten Informationen über «Samba», den neuen Film von Olivier Nakache und Eric Toledano, weisen in eine ähnliche Richtung wie bei «Intouchables», der grossartigen Komödie, die auch in der Schweiz monatelang im Kino lief. Wieder wurde Omar Sy, der kastengrosse Schauspieler aus der Pariser Vorstadt, für die Hauptrolle aufgeboten, ­wieder geht es um eine Begegnung Unterschiedlicher, die sich von der Indifferenz über die Irritation zur ­Zunei­gung steigert.

Dennoch wird keine Kopie geboten. Statt einer Komödie gibt es ein Melodram, statt des reichen Interieurs ein kahles Auffangzentrum am Flughafen, später die windkalten Strassen von Paris. Es geht um Schwarz­arbeit, Kontrolle, Angst vor der Abschiebung. Seit Jahren arbeitet Samba (Omar Sy) schwarz als Hilfskoch und wohnt bei seinem Onkel. Er hofft, wie so viele Afrikaner in Paris, auf eine definitive Aufnahme mit Arbeitserlaubnis. Die Managerin Alice (Charlotte Gainsbourg) leidet an einem Burn-out, das sie unter anderem mit Freiwilligenarbeit in einem Auffangzentrum kurieren soll. Beide Menschen sind schüchtern, beide von schlechten Erfahrungen gezeichnet, beide voneinander zunächst abrupt enttäuscht und auf die Dauer natürlich trotzdem angetan.

Aus dem Spiel seiner Hauptfiguren bezieht «Samba» seine Stärke, hier treffen zwei Schauspieler aufeinander, aus deren Gesichtern und Gesten Hoffnung und Enttäuschung bis ins Feinste spürbar werden. Der Film zeigt das Leben der Sans-Papiers im harten Alltag der Grossstadt glaubhaft und direkt. Das Problem des Films ist seine Länge: Zwei Stunden sind entschieden zu viel. (Zueritipp)

Erstellt: 25.02.2015, 13:57 Uhr

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