Kein Kompost mehr – Volketswiler können aufatmen

Die Hegnauer Firma Kompos will ihre Produktion von Biogas massiv ausbauen. Was heute als Kompost den Nachbarn stinkt, würde dann geruchsneutral vergärt.

Heute werden auf dem Areal der Firma Kompos jährlich 5000 Tonnen Grüngut vergärt. In Zukunft soll es die vierfache Menge sein

Heute werden auf dem Areal der Firma Kompos jährlich 5000 Tonnen Grüngut vergärt. In Zukunft soll es die vierfache Menge sein Bild: CHRISTOPH KAMINSKI

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Gilberte Bauer ist nicht gut auf die Kompostier- und Biogasanlage der Firma Kompos in Hegnau zu sprechen. «Die stinkt gottsjämmerlich. Es ist höchste Zeit, dass da mal was unternommen wird», sagt die Frau, die seit 30 Jahren im Sunnebüel-Quartier wohnt. Schlimm sei es vor allem gegen Ende Woche, und dann könne man das ganze Wochenende nicht draussen sitzen. Anders ein Rentner, der in der gleichen Überbauung wohnt und lieber anonym bleiben möchte. Er habe sich wohl daran gewöhnt und rieche überhaupt nichts, sagt er. Doch seine Frau beschwere sich regelmässig. Auch Ingrid Bäggli, die in unmittelbarer Nähe zur Anlage wohnt, ist der Geruch unangenehm. Je nach Windrichtung sei es so im Sommer kein Vergnügen, draussen zu sitzen.

Kapazität reicht nicht aus

Andere Personen in der Nachbarschaft fühlen sich kaum oder überhaupt nicht gestört vom Geruch, wie eine telefonische Umfrage des TA ergab. Regula Herter zum Beispiel hatte an ihrem früheren Wohnort in Gutenswil mehr mit Geruchsimmissionen zu kämpfen. Dennoch begrüsst sie das Vorhaben der Kompos, die eine Tochterfirma der Kompogas ist. Das Unternehmen hat vor, die Offenkompostierung komplett aufzuheben und das angelieferte Grüngut in einem geschlossenen System zu vergären – wegen der Geruchsbelastung, wie die Kommunikationsstelle von Kompogas auf Anfrage mitteilt.

Die Vergärung und damit die Gasgewinnung ist schon heute geruchsneutral. Angeliefert wird das Material in eine spezielle Halle mit Unterdruck und Biofilter. Doch die Kapazität der Anlage reicht nicht aus, weshalb ein Teil des angelieferten Materials auf dem Areal kompostiert wird – was den Nachbarn zuweilen unangenehm um die Nase weht. Mit einem Ausbau der Anlage will man dem ein Ende bereiten. Heute werden in Hegnau jährlich rund 5000 Tonnen Grüngut vergärt. Mit dem gewonnenen Biogas lassen sich 650’000 Kilowattstunden Strom und 750’000 Kilowattstunden Wärmeenergie produzieren. Künftig wollen die Betreiber pro Jahr 20’000 Tonnen Grüngut vergären, womit Hegnau zum regionalen Kompogas-Zentrum würde. Die Firma bezieht schon heute Grüngut von verschiedenen Gemeinden. Diese Zusammenarbeit soll künftig ausgebaut werden. Damit die Kompogas ihre Pläne verwirklichen kann, muss der entsprechende private Gestaltungsplan geändert werden. Über die Revision befindet die Gemeindeversammlung vom 5. Dezember.

«Das sind wieder die beim Bereuter»

Die Standortgemeinde Volketswil hat keinen Druck auf die Firma aufgesetzt, die bestehende Produktionsanlage zu optimieren. «Wir haben schon seit längerer Zeit keine Reklamationen aus der Bevölkerung mehr erhalten», sagt Gemeindeschreiber Beat Grob. Früher war das anders. Als die Firma Bereuter mit ihrer Tochterfirma Kompos vor 20 Jahren mit der Kompostverwertung begann, wurde das Grüngut grossflächig in langen Wällen kompostiert. Bei Westwind gab es jeweils zahlreiche Beschwerden der Anwohner, vor allem aus dem Sunnebüel-Quartier.

Die Situation verbesserte sich, als im Jahr 1999 die Biogasanlage erstellt wurde. «Heute riecht es kaum noch, weil wir nur noch wenig Material auf der Anlage haben», sagt Hans Wiederkehr, technischer Leiter der Firma Bereuter. Aber auch früher sei die Kompostieranlage nicht immer schuld daran gewesen, wenn es in Volketswil gestunken habe. «Unangenehm roch es auch, wenn die Bauern verbotenerweise Klärschlamm auf ihren Feldern ausbrachten oder wenn Futtersilos geöffnet wurden», hält Wiederkehr fest. Doch bei jedem Gestank habe es immer geheissen: «Das sind wieder die beim Bereuter.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.09.2008, 20:49 Uhr

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