Kinderbetreuung fordert die finanzschwachen Dörfer heraus

Das Volk hat entschieden, dass die Gemeinden im Kanton Zürich Krippenplätze nach Bedarf anbieten müssen. Für Oetwil ist dies eine schwierige Aufgabe.

Bereiten den Oetwiler Behörden Probleme: Krippenplätze für Kinder.

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Der kantonalen Abstimmung vom 13. Juni schauten die finanzschwächeren Gemeinden des Bezirks skeptisch entgegen. Sowohl bei einem Ja zur Kinderbetreuungs-Initiative als auch bei einer Zustimmung zum Gegenvorschlag würden Kosten auf sie zukommen. Nachdem nun der Gegenvorschlag angenommen worden ist, sind die Gemeinden verpflichtet, den Bedarf an Krippenplätzen abzuklären und ein entsprechendes Angebot zu schaffen.

Für Oetwil bedeutet das erst einmal, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Die Gemeinde hatte nämlich schon vor der Abstimmung geplant, die Tagesbetreuung MoMiNa (Morgen-Mittag-Nachmittag) für Kindergarten- und Primarschüler auszubauen, Tagesfamilien zu aktivieren und schliesslich eine Krippe zu eröffnen. Oetwil ist die einzige Gemeinde im Bezirk, die noch kein Angebot für Kinder im Vorschulalter hat.

Hoffnung auf baldige Umsetzung

Sozialvorsteherin Annik Maag-Tschannen (parteilos) hofft nun, dass die Umsetzung der Pläne durch das Abstimmungsresultat beschleunigt wird. Das hängt davon ab, wie lange der Kanton den Gemeinden Zeit gibt, den neuen Verpflichtungen nachzukommen. Diese Frist ist noch nicht festgelegt. Die Sozialvorsteherin stellt sich vor, mit zehn Betreuungsplätzen zu beginnen und die Krippe dann nach Bedarf auszubauen. Wie hoch dieser heute ist, lasse sich nicht abschätzen, sagt Maag.

Zwar führte die Gemeinde bereits 2007 eine Bedürfnisabklärung durch. Diese habe einerseits ergeben, dass ein Bedarf vorhanden sei. Andererseits habe sich aber gezeigt, dass die Zahlungsbereitschaft der Eltern eher gering sei. Um aktuelle Zahlen zu erhalten, ist eine erneute Abklärung nötig. Mitte Juli startet Oetwil ein entsprechendes Projekt. Dabei wird die Gemeinde vom Jugendsekretariat fachlich unterstützt. Annik Maag geht davon aus, dass die Ergebnisse nach sechs bis neun Monaten vorliegen werden.

Mit der Finanzierung der Krippe wird eine weitere grosse Herausforderung auf die Gemeinde zukommen. Das neue Gesetz sagt zwar explizit, dass die Gemeinden Krippenplätze finanzieren können, aber nicht dazu gezwungen sind. Allerdings ist es gerade in finanzschwachen Gemeinden unwahrscheinlich, dass eine nicht subventionierte Krippe überlebensfähig wäre. «Dazu bräuchte es zahlungskräftige Eltern, die den vollen Betrag bezahlen können», erklärt die Oetwiler Sozialvorsteherin. Dieser betrüge gemäss ihrer Schätzung etwa 110 Franken pro Tag. «Wenn wir die durchschnittliche Steuerkraft von Oetwil anschauen, ist nicht zu erwarten, dass genug Eltern einen Platz zu diesen Konditionen beanspruchen würden», sagt Maag.

Neues Modell aus Luzern

Einen Weg, Nachfrage und Angebot in eine vernünftige Balance zu bringen, hat die Stadt Luzern gefunden. Statt wie früher fünf Krippen zu subventionieren, bezahlt die Stadt heute die Beiträge direkt an die Eltern. Sobald diese einen Platz haben, bekommen sie Zuschüsse, die sich nach Arbeitspensum und Einkommen richten.

Dieses Modell hatte in Luzern zwei Entwicklungen ausgelöst. Einerseits ist die Zahl der Plätze um 45 Prozent gewachsen. Andererseits hat sich die Qualität erhöht, da die Eltern nicht mehr auf die subventionierten Einrichtungen angewiesen sind. Da das Luzerner Modell einfach einzuführen ist und der Markt Angebot und Nachfrage regelt, wäre es auch für kleinere Gemeinden eine gute Alternative. Für Oetwil sei dies ein denkbarer Weg, sagt Maag. Bereits einen ähnlichen Ansatz haben Küsnacht und Meilen. Beide Gemeinden bezahlen die Beiträge direkt an die Eltern. Gegenüber dem Luzerner Modell gibt es allerdings die Einschränkung, dass diese Subventionen nur fliessen, wenn die Eltern Plätze in den gemeindeeigenen Krippen oder Krippen mit einer Leistungsvereinbarung finden. In Küsnacht können sie aus zweien wählen, in Meilen gar nicht.

Küsnacht prüft Ausdehnung

Deshalb überlegt man jetzt in Küsnacht, dieses Angebot auf alle Krippen auszudehnen, wie Gemeindeschreiber Peter Wettstein erklärt. Der Vorteil dieses Modells sei, dass allfällige Defizite nicht der Krippe anfallen. Wenn die Gemeinde die Einrichtungen mit einem festen Beitrag subventioniert und diese dann viele Kinder aus einkommensschwachen Familien betreut, können die Krippen in Schwierigkeiten geraten. Zahlt die Gemeinde direkt an die Eltern, besteht dieses Risiko nicht.

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Erstellt: 25.06.2010, 10:08 Uhr

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