Komiker und Herzensbrecher

Von den 30ern bis weit in die 60er-Jahre war Cary Grant Hollywoods glamourösester Leading Man. Das Filmpodium zeigt eine Auswahl seiner Filme.

Für Hitchcocks «North by Northwest» musste Cary Grant seine Fitness unter Beweis stellen.

Für Hitchcocks «North by Northwest» musste Cary Grant seine Fitness unter Beweis stellen.

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Ein Mann steigt auf der Flucht vor seinen Häschern ins Schlafzimmer einer Frau ein; die schreit erschrocken «Stopp!», setzt ihre Brille auf, wirft einen Blick auf den Richtung Tür Eilenden und wiederholt, jetzt flehend: «Stopp...» Wahrscheinlich hätten schon im Jahr 1959, als «North by Northwest» ins Kino kam, nur wenige männliche Stars diesen Gag spielen können, ohne peinlich zu wirken. Doch mit Cary Grant ging das. Der war da bereits Mitte 50 und seit gut drei Jahrzehnten Hollywoods gla­mourösester Leading Man: umwerfend gut aussehend, mit immer perfekt sitzendem Anzug und der Körperbeherrschung des Akrobaten, der er einst war, nachdem er mit knapp 14 Jahren dem Arbeitermilieu von Bristol entflohen war, um sich einer Vaudeville-Truppe anzuschliessen. Mit ­dieser kam er nach Amerika, wo er schliesslich die Bühne und den Namen Archie Leach (der in seinen Filmen immer wieder als Insider-Gag ­herhalten muss) hinter sich liess und zum Filmstar Cary Grant wurde.

Als Schönling im Schatten einer Marlene Dietrich («Blonde Venus», 1932) oder Mae West («She Done Him Wrong», «I’m No Angel», beide 1933) fiel er erst mal nicht gross auf. Doch als die Leinwände von den geistreichen Schnellfeuerdialogen und platschenden Bauchlandungen der Screwball-Komödien widerzuhallen begannen, war seine Stunde gekommen. Niemand kann Komik, Eleganz und Sexyness so scheinbar mühelos zusammenbringen wie Grant, wenn er etwa mitten im Gespräch einen Salto rückwärts macht («Holiday», 1938) oder einem Dinosaurier­knochen hinterherstrauchelt («Bringing Up Baby», auch 1938).

Mit einem Mann, der so zu (ge)fallen weiss, sympathisiert man auch, wenn er als zynischer Manipulator die Heirat seiner Spitzenreporterin mit fiesen Tricks zu hintertreiben sucht («His Girl Friday», 1940). Doch erst Alfred Hitchcock sollte die beunruhigenden Seiten des Beaus tiefer ausloten. Nie wird einem Grants Charme ?unheimlicher als in «Suspicion» (1941), wo der Verdacht, Grants Protagonist wolle seine reiche Frau vergiften, selbst nach dem Happy End nicht wirklich weichen will.

Nachdem sein ehrgeiziges Herzensprojekt «None But the Lonely Heart» (1944) gefloppt war, blieb Grant weitgehend den Rollen treu, die seinem Image entsprachen: dem des Gentleman, der kein Wässerchen trüben kann, ob ihm Grace Kelly suggestiv «Brust oder Bein» anbietet oder ein Flugzeug auf offenem Feld vergeblich versucht, seinen Anzug (samt Besitzer) zu ruinieren. «Cary Grant gibt einen wunderbaren Cary Grant», schildert der Autor Tom Wolfe eine ­Begegnung mit dem Star. Vermutlich wäre er zu einem Mount-Rushmore-grossen Monument einer Kinogottheit erstarrt, hätte er nicht diese feine Selbstironie gehabt, welche folgender Telegrammwechsel mit einem recherchierenden Journalisten belegt: «How old Cary Grant?» – «Old Cary Grant fine. How you?»

Do 16.2. bis Fr 31.3., Filmpodium. (Zueritipp)

Erstellt: 15.02.2017, 15:49 Uhr

Die drei besten Cary-Grant-Filme

BRINGING UP BABY
Brillantes Tohuwabohu mit Grant ?und Kathrine Hepburn als ungleichem, also idealem Screwball-Comedy-Paar.
Fr 20.45 Uhr

NORTH BY NORTHWEST
Die Summe aller hitchcockschen Verfolgungsthriller und derjenige, der auch beim x-ten Wiedersehen am meisten Spass macht.
Di 20 Uhr

ONLY ANGELS HAVE WINGS
Howard Hawks' Ode ans Arbeitsethos todesmutiger Piloten wandelt Macho-Mumpitz in ein existenzialistisches Drama
Ab Sa 4.3.

www.filmpodium.ch

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