Kraftwerk Unteraathal soll Wasserstrom liefern

Die alte Wasserkraftanlage beim Sauriermuseum könnte 130 Haushalte mit Strom versorgen. Doch noch sind sich der Kanton und die neue Besitzerin des stillgelegten Kraftwerks nicht einig.

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Der zehn Kilometer lange Aabach zwischen Pfäffiker- und Greifensee erlebt eine Renaissance als Energielieferant. Trieb er zur Blütezeit der Textilindustrie über 30 Fabriken an, was ihn im Volksmund zum «Millionenbach» machte, wird er nun zunehmend für die Stromproduktion interessant. Neun Kleinwasserkraftwerke liefern derzeit Elektrizität – 2009 soll das zehnte ans Netz gehen.

Dazu hat die St. Galler Firma Entegra Wasserkraft die Kraftwerkanlage der ehemaligen Spinnerei in Unteraathal erworben. Das Kraftwerk aus dem Jahr 1915 im mächtigen, von Spinnerkönig Heinrich Kunz 1851 erbauten Fabrikgebäude beim heutigen Sauriermuseum, wurde Ende des 20. Jahrhunderts stillgelegt. Zu laut waren die alten Maschinen für die Mieter in der inzwischen umgenutzten fünfstöckigen Fabrik. «Wir planen ausserhalb des Gebäudes ein neues unterirdisches Maschinenhaus», erklärt Peter Eichenberger, der bei Entegra für Planung und Bau von Kleinwasserkraftwerken verantwortlich ist.

Das neue Kraftwerk mit einer Leistung von 160 Kilowatt soll knapp 600'000 Kilowattstunden (kWh) pro Jahr liefern, genug für rund 130 Haushalte. Zum Vergleich: Das Kleinkraftwerk Schönau, das seit 2003 Aabach-Strom für die Stadtwerke Wetzikon liefert, produziert 240'000 kWh. Und das Werk der Energie Uster im Trümpler-Areal liefert seit der Jahrtausendwende bis zu 1,5 Millionen kWh.

Zusätzlich zum neuen Maschinenhaus plant Eichenberger beim Wehr, das den klassischen Auslaufkanal vom Aabach trennt, eine Fischaufstiegshilfe, eine Hochwasserentlastung und – kanalabwärts – ein neues Aquädukt. «Die alte Brücke, die das Kanalwasser über den Aabach führt, ist verrostet», sagt Eichenberger. Sie werde durch eine neue Trogbrücke aus Stahl ersetzt, die aus denkmalpflegerischen Gründen aussehen müsse wie ihre Vorgängerin.

Insgesamt will Entegra «1 bis 2 Millionen Franken» aus eigenen Mitteln investieren. Das lohnt sich, weil der Bund ab 2009 kostendeckende Tarife für erneuerbare Energie garantiert. Dank der sogenannten Einspeisevergütung rechnet Eichenberger mit einem Tarif von 27 Rappen pro Kilowattstunde. Das ist deutlich mehr als die 15 Rappen, die Entegra derzeit für ihren in Kleinkraftwerken produzierten Strom erhält. Die Firma hat bei der nationalen Netzgesellschaft Swissgrid ein Vergütungsgesuch eingereicht. Die Zusicherung steht noch aus.

Wirtschaftlichkeit fraglich

Ob das neue Kraftwerk in Unteraathal wie geplant 2009 ans Netz geht, ist aber aus einem anderen Grund ungewiss. Für die Wiederinbetriebnahme der Kraftwerkanlage sind eine gültige Wasserrechtskonzession und eine Baubewilligung nötig. Die alte, unbefristete Konzession ist praktisch verfallen. Das Bundesgericht hat festgehalten, dass nur noch befristete Konzessionen möglich sind. Das kantonale Amt für Abwasser, Wasser, Energie und Luft (Awel) habe zwar eine Konzession in Aussicht gestellt, sagt Eichenberger, «doch wir wissen nicht, für wie lange». Zudem sei die Konzession mit Auflagen verbunden, die das Projekt unwirtschaftlich machten. So verlange das Awel, dass Entegra den Aabach im Bereich der Restwasserstrecke renaturiere, ohne anzugeben, welcher «ursprüngliche» Zustand geschaffen werden müsse. Auch die Restwasservorschriften seien «nach oben offen formuliert». Das erlaube zurzeit keine klare Kosten- und Wirtschaftlichkeitsrechnung.

Entegra hat bei der kantonalen Baudirektion gegen die Verfügung des Awel rekurriert – «vorsorglich», wie Eichenberger betont. «Wir haben den Eindruck, dass unser Projekt nicht richtig verstanden wurde. Wir versuchen nun, in Gesprächen eine Lösung zu finden.» Ziel müsse sein, die verschiedenen Interessen unter einen Hut zu bringen; den Erhalt der denkmalgeschützten Bauten und Kraftwerksteile, die Ökologie und die Wirtschaftlichkeit. Für Eichenberger von der Entegra ist klar: «Wenn die Auflagen nicht ganz klar definiert werden, können wir das Kraftwerk nicht reaktivieren»: zu gross sei das Risiko, dass «die Projektkosten ins Unendliche wachsen». (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.09.2008, 15:12 Uhr

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