Künstliches Zahnfleisch entwickelt

Gemeinsam mit der Industrie hat eine Forschergruppe der Hochschule in Wädenswil ein Produkt entwickelt, das vielen Menschen Zahnschmerzen ersparen wird.

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Blutig und äusserst schmerzhaft wirds in der Regel, wenn Zahnärzte künstliche Zähne implantieren. Das liegt unter anderem daran, dass in 60 bis 80 Prozent der Fälle vor dem Implantieren Zahnfleisch im Mund aufgebaut werden muss. Fehlt ein Zahn, bildet sich das Zahnfleisch zurück. Die Implantation ist erst möglich, wenn das nötige Bindegewebe vorhanden ist.

Nach dem Stand der Technik entnehmen Chirurgen aus dem Gaumen des Patienten ein Stück Gewebe und unterfüttern damit die betroffene Stelle. Dieser Eingriff ist schmerzhaft und unangenehm. Und Dank Zellbiologin Ursula Graf und ihrem Team der Zürcher Fachhochschule für angewandte Wissenschaften in Wädenswil (ZHAW) vielleicht schon bald überflüssig. Gemeinsam mit der Firma Geistlich im luzernischen Wolhusen, die unter anderem auf die Herstellung von Knochenersatzprodukten spezialisiert ist, haben die Forscher der Hochschule in Wädenswil ein Produkt entwickelt. Das schwammartige Biomaterial soll das Gewebestück ersetzen, das man bis anhin chirurgisch aus dem Gaumen entfernt.

Den Wädenswiler Forschern fiel die Aufgabe zu, verschiedene Produkte zu testen, die von der Firma Geistlich geliefert wurden. «Das Material muss bestimmte Voraussetzungen erfüllen», sagte Ursula Graf. Wichtig sei, dass es elastisch ist, weil es seine Form behalten muss. Porös muss das Material sein, weil Zellen des Patienten einwachsen müssen. Mit der Zeit löse sich das Material im Mund gänzlich auf und werde durch körpereigenes Gewebe des Patienten ersetzt. Ausserdem müsse das Material mechanisch stabil sein, weil es beim Kauen grossen Kräften ausgesetzt sei.

Tierversuch an fünf Hunden

Der Forschergruppe um Ursula Graf fiel die Aufgabe zu, die Muster der Firma Geistlich zu testen. An der ZHAW wurde deshalb eigens ein sogenannter Bioreaktor entwickelt. «Das war eine echte Innovation», sagt Graf. Bei Körpertemperatur werden die Schwämmchen mit Zellen besiedelt und dann über drei Wochen hinweg in einem Zylinder immer wieder «durchgeknetet». Die Bedingungen im Mund sollen im Bioreaktor möglichst genau simuliert werden.

Die Forscher waren erfolgreich und haben ein Muster gefunden, das die Anforderungen erfüllt. Momentan läuft in den USA ein Tierversuch mit fünf Hunden. Für diese wird das Abenteuer tödlich enden. «Dank dem Einsatz unseres Bioreaktors kann die Zahl der Tierversuche tief gehalten werden», betonte Ursula Graf gestern an der Präsentation der Forschungsergebnisse in der Hochschule in Wädenswil. Das spare neben Versuchstieren auch Zeit und Geld. Läuft alles nach den Vorstellungen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, wird das Produkt bereits 2010 auf den Markt kommen. Und dieser scheint gewaltig. 2007 wurden allein im europäischen Markt für dentale Biomaterialien 140 Millionen Franken umgesetzt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.09.2008, 22:28 Uhr

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