Küsnachts Schwebende ist abgestürzt

Die Statue von Hermann Haller am Küsnachter Horn ist einmal mehr vom Sockel gefallen. Nun wird diskutiert, den Standort des schwebenden Mädchens aus Bronze zu verlegen.

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Am Küsnachter Horn bietet sich seit den Sommerferien ein brutales Bild. Auf dem etwa einen Meter hohen Sockel der «Schwebenden» steht nur noch ein einzelner Fuss, mit einer Bruchstelle am Gelenk. Vom Mädchen aus Bronze fehlt jede Spur.

Die Statue von Hermann Haller ist bereits zum dritten Mal beschädigt worden. Strassenmeister Daniel Nanz fand sie eines Morgens abgebrochen neben ihrem Sockel liegend. Die Täter sind nicht bekannt, wahrscheinlich waren es aber wieder Jugendliche. «Das letzte Mal sind zwei Jugendliche in angetrunkenem Zustand auf die Statue geklettert», sagt Arnold Reithaar, der Sicherheitsvorstand der Gemeinde Küsnacht. Sie sind wohl darauf herumgeturnt und haben sich auf die Schultern des Mädchen gesetzt.

Geschenk an die Gemeinde

Das Mädchen aus Bronze steht mit einem Fuss auf dem Sockel, das andere Bein hat sie nach hinten ausgestreckt, die Arme ausgebreitet. «Die filigrane Figur hat das Gewicht der Jugendlichen nicht ausgehalten», sagt Reithaar. Die Statue brach oberhalb des Fusses und fiel mitsamt den Ignoranten zu Boden. Die beiden damaligen Täter mussten gemeinnützige Arbeit für die Gemeinde Küsnacht leisten und den Park säubern.

Die Statue der «Schwebenden» wird zurzeit im Werkhof zwischengelagert, wie Konrad Gall, stellvertretender Strassenmeister, auf Anfrage bestätigt. Noch ist nicht klar, ob das Mädchen aus Bronze je wieder vom Küsnachter Horn auf den See blicken wird.

Weil sie bereits das dritte Mal von ihrem Sockel abgebrochen wurde und die Reparatur erneut einige Tausend Franken kosten dürfte, wird die Statue möglicherweise an einem anderen Ort wieder aufgestellt. Als Standort im Gespräch ist der Rosengarten des C.-G.-Jung-Instituts in Küsnacht. Die Entscheidung darüber liegt bei der Kulturkommission.

Die «Schwebende» wurde der Gemeinde Küsnacht 1967 von Emil Spoerri-Moos geschenkt. Vom Bildhauer und Künstler Hermann Haller (1880–1950) stehen im Bezirk Meilen und vor allem in der Stadt der Stadt Zürich viele weitere Plastiken. So stammen beispielsweise die Reiterfigur Hans Waldmann bei der Zürcher Rathausbrücke oder das «Mädchen mit erhobenen Armen» auf der Landiwiese von ihm.

Kein Vandalismus, sondern Blödsinn

Man geht nicht davon aus, dass sich das Verhalten der Jugendlichen gegen die Statue oder den Künstler gerichtet hat, sondern vermutet, dass sie schlicht aus Blödsinn gehandelt haben. So ist denn auch in der Gemeinde Meilen, wo in der Seeanlage die Statue eines sitzenden Mädchens von Hermann Haller aufgestellt ist, nichts von Vandalismus bekannt. «Wir haben kaum Probleme mit Beschädigungen an Kunst im öffentlichen Raum», sagt Gemeindeschreiber Didier Mayenzet.

Eines der grossen Eier aus Marmor von Sibylle Pasche, welche diese vom 5. Juli bis am 17. August in der Meilemer Seeanlage ausgestellt hatte, wollten nächtliche Besucher im See versenken. Sie scheiterten. «Wir sind nun gespannt, wie es bei der Fotoausstellung von Thomas Flück herauskommt», sagt Mayenzet. Flück hat 1968 Meilemer porträtiert und stellt sein Werk bis zum 20. September ebenfalls in der Meilemer Seeanlage aus. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.08.2008, 07:55 Uhr

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