Landi bietet Lieferservice für ehemalige Spar-Kunden

Die Landi wirbt in Obermeilen für einen Heimlieferservice. Sie will damit die Kunden über die vorzeitige Schliessung des Spar hinwegtrösten.

Dieser frühere Spar-Kunde könnte sich von der Landi beliefern lassen.

Dieser frühere Spar-Kunde könnte sich von der Landi beliefern lassen. Bild: Sabine Rock

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Es ist kurz nach Mittag. Die Spar-Filiale an der Obermeilemer Seidengasse sollte um diese Zeit geöffnet haben. Vor einigen Tagen wurden die Kunden informiert, es gälten nur noch beschränkte Öffnungszeiten am Nachmittag – wegen bevorstehender Schliessung des Geschäfts. Doch im Laden ist es dunkel, durch die Schaufenster sind leere Regale und Auslagen zu sehen. Kunden finden sich weit und breit keine. An der Schiebetür beim Eingang hängt seit gestern ein neuer Zettel: «Ab sofort geschlossen».

Die unerwartete Schliessung des Quartierladens zieht eine Reaktion der Nachmieterin nach sich. Die Landi mittlerer Zürisee will die Räumlichkeiten übernehmen und eine neue Filiale einrichten – aber erst im Februar 2009. Um die Zeit bis dahin zu überbrücken, springt nun der Verteiler für Spar in die Bresche: Die Landi liess allen umliegenden Haushalten ein Flugblatt zukommen, auf dem sie einen «Lieferservice für Obermeilemer» ankündigt.

Volg kommt nicht früher

«Wir haben verschiedene Lösungen durchgedacht, sind aber nicht in der Lage, unseren Laden früher als geplant einzurichten», erklärt der Geschäftsführer der Landi mittlerer Zürisee, Kurt Müntener. Er sei zwar frustriert über die unklare Information der Spar-Filialleitung. Diese habe ihm aber triftige Gründe für ihr Vorgehen angegeben, die er nachvollziehen, jedoch nicht weiter ausführen könne. Müntener befürchtet nun, dass sich die Kundschaft bis zur Neueröffnung seiner eigenen Filiale neu orientiert – respektive anderswo einkaufen geht. Um die Kundschaft nicht zu verlieren, will die Landi den Obermeilemern die Einkäufe nun direkt an die Haustür liefern.

Das Angebot: Telefonisch, per Fax oder per E-Mail können die Obermeilemer Waren aus der kompletten Produktepalette der Landi bestellen. Wer seine Order bis 16.00 Uhr aufgibt, hat die Tüten noch am nächsten Tag bei sich zu Hause. Jede Lieferung kostet pauschal 10 Franken – im Vergleich zu den Heimlieferservices von Migros und Coop, die 16 beziehungsweise 18 Franken ab einer Mindestbestellung von 100 Franken verlangen, ein Schnäppchen.

Eine Flasche Bier bestellen geht auch

«Eine Mindestbestellmenge gibt es bei uns nicht», erklärt Müntener. Man dürfe auch nur zwei Flaschen Bier bestellen. Dass sich das für die Landi finanziell nicht lohnt, ist offensichtlich. Müntener sagt auch: «Das Angebot ist für uns natürlich defizitär.» Die Landi sehe es aber als einen sozialen Dienst an, den sie den Obermeilemern als Ersatz für die Schliessung der Spar-Filiale offeriere. «Wir haben vor allem an ältere Leute und Familien mit Kindern gedacht», sagt Müntener. Doch wünschen die ehemaligen Spar-Kunden den Heimlieferservice überhaupt?

Es ist 14.30 Uhr. Von Zeit zu Zeit steuert ein Fussgänger die geschlossene Filiale an. So steht zum Beispiel ein Hundebesitzer mit seinem Liebling vor dem Schaufenster des Spar. Obwohl der Herr «no öppe» hier einkaufen kommt, hat er von der sofortigen Schliessung nichts gewusst und ist überrascht. Den Heimlieferservice der Landi will er nicht in Anspruch nehmen. «Bestellen will ich nichts, ich möchte die Ware im Laden sehen, wenn ich sie kaufe.»

Leute wollen Ware im Laden kaufen

Eine Seniorin stösst hinzu. Auch sie will nichts vom Lieferdienst wissen. Sie argumentiert gleich wie der Hündeler. «Für die grossen Einkäufe gehen wir ins Zentrum nach Meilen. Ab jetzt werden wir dort halt alles besorgen», fügt sie an. Ähnlich verhält es sich mit zwei weiteren Passanten. Sie alle wollen die Ware beim Kaufen anfassen und begutachten. Bis der neue Volg einzieht, werden sie ihre Besorgungen wohl einfach anderswo machen.

Derweil versichert Spar-Filialleiter Samuel Spörri auf Anfrage des TA, dass alle seine Mitarbeiter trotz der vorzeitigen Ladenschliessung nicht auf der Strasse landen würden. Details will er aber keine bekannt geben. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.09.2008, 20:41 Uhr

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