Landwirt versteigert Hab und Gut

In Dällikon kamen Traktoren, Antiquitäten und Kuriositäten von Bauer Peter Rüegg unter den Hammer, weil seine Töchter den Betrieb nicht übernehmen wollen.

Etwa alle zehn Jahre gibt es im Furttal eine solche Landwirtschaftsgant: Die Auktion fand am Dorfrand von Dällikon statt und zog viele Interessierte an.

Etwa alle zehn Jahre gibt es im Furttal eine solche Landwirtschaftsgant: Die Auktion fand am Dorfrand von Dällikon statt und zog viele Interessierte an. Bild: Daniel Zannantonio

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Landwirt Peter Rüegg muss seinen Hof im Furttal aufgeben. Die knapp 30 Hektaren Land und die Halle wird er an einen Gemüseproduzenten vermieten.

«10 Franken, 10 Franken, 15 Franken – zum Dritten, verkauft, danke.» Der Wind trägt die Stimme von Gantner Bruno Furrer durch ganz Dällikon. «Fingere ufe, Fingere ufe!», schreit der Luzerner, der das Hab und Gut des Landwirtschaftsbetriebs von Rüegg versteigert. Ursula Herren steht an vorderster Front, vor dem mit Antiquitäten voll beladenen Anhänger. Sie bietet eifrig mit, um ihr Sortiment am Flohmarkt in Otelfingen zu vervollständigen. «Ich habe knapp 300 Franken im Sack», sagt Herren. Bargeld ist nötig, weil an einer Gant immer sofort bezahlt wird. Es wechseln aber nicht nur alte Zeitungen, Backbleche und Bügeleisen, sondern auch teure Landwirtschaftsmaschinen den Besitzer.An der Versteigerung der Traktoren und «grossen Geräte» trägt Mann John Deere, Fendt oder Deutz Käppchen, raucht Pfeife oder Stumpen.

Frau trägt grosse Sonnenbrillen und ist darum besorgt, dass Mann nicht gleich alles aufkauft, was unter den Hammer kommt. Jemand kaufte aus Versehen fast ein Traktor: Ein Rotmilan kreist über der Wiese, auf der die Maschinen stehen. Einer hebt die Hand, zeigt auf das Tier – und hätte beinahe einen Traktor gekauft. Denn Gantner Furrer scheint auch am Hinterkopf Augen zu haben und jede Handbewegung Richtung Himmel zu bemerken. Peter Derrer hat den Traktor dann ganz absichtlich ersteigert. «Die Schmerzgrenze ist mit 45'000 Franken erreicht», so der Landwirt aus Oberhasli. Das ganz grosse Portemonnaie hat er zu Hause gelassen und mit Rüegg eine Anzahlung vereinbart.

Über 130'000 Franken Erlös

Köbel Baumgartner sitzt in der Führerkabine eines Traktors und wartet wie viele andere darauf, dass die grossen Geräte unter den Hammer kommen. «Ich hab den Plausch an alten Traktoren», grummelt er durch den weissen Vollbart am Stumpen vorbei. Er wartet auf die Versteigerung vom Oldtimer, dem Hürlimann D-100, der mit Blumen geschmückt in der Reihe steht. Kaufen möchte er ihn nicht, aber will wissen, wie hoch der Preis geht. Das interessiert vor allem Rüegg: «Ich habe mit dem Gantner abgesprochen, was ich mir für welche Maschine erhoffe.» Er steht jeweils in Furrers Sichtweite, um zu signalisieren, ob ein Gerät für den gebotenen Preis verkauft wird. Bis vor kurzem wollte er sich nicht von seinen Liebhaberstücken trennen. Nun verkaufe er aber doch alles.

Etwa alle zehn Jahre gebe es im Furttal eine solche Landwirtschaftsgant, sagt Ruedi Graf vom Betreibungsamt Furttal. Entsprechend gross war der Besucheraufmarsch. Rund 1000 Besucher zog es an die Auktion. Am Ende des Ganttages hatte Rüegg rund 130'000 Franken eingenommen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.04.2011, 22:48 Uhr

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