Lesefutter für Fleischverächter

Die vegane Szene erobert auch den Kiosk – mit Heften ohne Knochenleim.

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Vegetarisch, besser noch: vegan kochen, grillen und essen ist heute nicht mehr die Religion von ein paar Spassbremsen, sondern fast schon mehrheitsfähiger ­Lifestyle. Guten Gewissens den Tofuquark geniessen und nebenbei die Welt retten: Das ist ethisch und ökologisch unbedenklich, laktose- und glutenfrei und zahlt sich auch in Supermärkten und Buchläden aus. Die Kochbücher des deutschen Szenegurus Attila Hildmann («Vegan for Fit», «Vegan for Fun») gehen weg wie geschnitten Vollkornbrot.

Und auch auf dem Zeitschriftenmarkt herrscht Goldgräberstimmung. In den letzten Monaten erschien mit «Mutti» ­gerade mal ein neues Foodmagazin tierischer Richtung, in der gleichen Zeitspanne aber gleich ein halbes Dutzend neuer Vegetarier-Magazine: «Veggie Journal», «Ab heute vegan», «Vegan & Bio», «Slowly Veggie. Vegetarisch kochen für die Seele». Und jetzt kommen noch einmal zwei Zeitschriften für den stilvollen Fleischverächter dazu: Das «Vegan-Magazin» (Auflage 65'000) des einschlägig bekannten Autors Christian Vagedes («Veg up. Die Veganisierung der Welt») sowie «Happy Veggie – Genuss für Seele und Sinne» (Auflage 60'000).

Am Tisch der Spass- und Genussgesellschaft

Den Heften gemeinsam ist das Bemühen, Veganer und Vegetarier aus ihren Schmollwinkeln herauszuholen und am Tisch der Spass- und Genussgesellschaft zu platzieren. «Happy Veggie» zeigt auf dem Cover die glücklich lachende Allesköchin Sarah Wiener, im «Vegan Magazin» erzählt der neuerdings vegane Schauspieler Rolf Zacher von seinem Damaskuserlebnis. Pflanzliche Nahrung muss keinen Leistungs- und Kreativitätsverlust mehr bedeuten, im Gegenteil: Fotostrecken rücken lederfreie Schuhmode, High-Fa­shion aus natürlichen Materialien und Bambusvelos ins ganzheitliche Hochglanzlicht. Designer, Stylisten, Extremsportler, Bestsellerautoren und B-Promis berichten von Glücks- und Erfolgserlebnissen bei Selbstoptimierung, Körperkontrolle und Karriere durch «sexy raw food».

«Wir lieben das Leben und achten es zugleich», schwört das «Vegan-Magazin», «beides gehört zusammen, und das zeigen wir mit Begeisterung von der Schokoladenseite aus.» Milchschokolade ist zwar tabu, aber es gibt ja auch leckere Süssigkeiten aus cremiger Sojamilch, Biokakao und Agavendicksaft. Und im Notfall kann man das ganze Heft aufessen: Es ist garantiert «knochenleimfrei klebegebunden». (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.07.2014, 11:48 Uhr

«Happy Veggie» zeigt auf dem Cover die glücklich lachende Allesköchin Sarah Wiener, ...

... im «Vegan Magazin» erzählt der neuerdings vegane Schauspieler Rolf Zacher von seinem Damaskuserlebnis.

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