Leuenberger besucht Piccard in Dübendorf

Bertrand Piccards Solarflugzeug erhielt gestern hohen Besuch: Bundesrat Moritz Leuenberger. Ein offizielles Patronat hat der Bund damit nicht übernommen.

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Moritz Leuenberger fand sich gestern auf dem Flugplatz in Dübendorf ein. Grund des bundesrätlichen Besuches war nicht die Zukunft des Areals, sondern das Solarflugzeug, mit welchem Bertrand Piccard und sein Partner André Borschberg um die Welt fliegen wollen (siehe Kasten). «Auf dem Papier kenne ich das Projekt Solar Impulse schon lange», so der Vorsteher des Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation. Die direkte Begegnung mit dem, was vom Solarflugzeug bereits zu sehen ist, lasse das Projekt aber eine andere Dimension annehmen. «Das visionäre Vorhaben hat für die Energiepolitik eine grosse symbolische Kraft.» Es zeige, wie wichtig es sei, sich von der Abhängigkeit vom Erdöl zu lösen. «Dieses Abenteuer wird zur Sensibilisierung für alternative Energien beitragen.» Die Mobilität der Bevölkerung nehme zu, fügte Leuenberger an. «Es ist eine sehr konservative Haltung, sie bremsen zu wollen.» Dies führe dazu, dass der Urtrieb des Menschen, sich fortzubewegen, verkomme. «Mit Symbolen wie Solar Impulse entwickeln wir diese Mobilität – ohne sie einzuschränken.» Zudem sei das Vorhaben ein Sinnbild für ein politisches Verhalten. «Hier wird nicht nur geträumt, sondern auch Hand angelegt», lobte der Bundesrat.

Leuenberger betonte, er sei nicht nur als Vorsteher des Departementes für Umwelt und Verkehr in den Dübendorfer Hangars, sondern ebenfalls als Kommunikationsminister. «Auch in diesem Bereich können wir von diesem Projekt nur profitieren.» Denn es trage das Bild einer zukunftsorientierten und innovationsfreudigen Schweiz in die Welt hinaus. «Und es stellt die Leistungsfähigkeit der schweizerischen Forschung unter Beweis.»

Politik des Paten muss stimmen

Im April verlieh das Europäische Parlament Solar Impulse seine Sterne und übernahm eine Patenschaft. Finanzielle Unterstützung aus Brüssel sei mit der Übernahme der Schirmherrschaft allerdings nicht verbunden, sagte damals Kommissionssprecher Michele Cercone. Solar Impulse werde aber gegenüber der Öffentlichkeit und bei der Suche nach Sponsoren die EU-Flagge mit den goldenen Sternen auf blauem Hintergrund verwenden können. Die EU-Kommission wolle die Industrie motivieren, in klimafreundliche Technologien zu investieren.

Diesen Schritt hat die Schweiz bisher nicht getan. Der Bund begleite das Projekt Solar Impulse seit seinem Start im Jahr 2003, sagte Leuenberger. «Wir bieten Hand, beispielsweise mit der Unterstützung durch die École Polytechnique Fédérale de Lausanne, die dem Projekt als wissenschaftliche Beraterin zur Seite steht. Oder mit dem Hangar des Büros für Flugunfalluntersuchung auf dem Militärflugplatz Payerne.» Bei der Planung der Hangars habe man auf die grosse Spannweite des Solarflugzeugs Rücksicht genommen. Diesen Hangar stelle der Bund Piccard und seinem Team für die ersten Testflüge ab 2009 zur Verfügung.

Piccard knüpft Bedingungen an eine Patenschaft. Er fordert eine ehrgeizige Energiepolitik. «Das Parlament muss zuerst einige bedeutende Entscheidungen treffen.» Der Luftfahrtpionier verlangt 30 Prozent weniger Energieverbrauch, 30 Prozent weniger CO2-Emissionen und einen 30-Prozent-Anteil von erneuerbaren Energien am Gesamtenergieverbrauch bis 2020. «Und dabei geht es nicht darum den Grünen einen Gefallen zu tun.» Davon könnte auch die Wirtschaft profitieren, ist er überzeugt. «Dies sind die grundlegenden Punkte unserer Diskussionen mit Bundesrat Leuenberger», führte André Borschberg aus. Piccard doppelte nach: «Natürlich wird ein Schweizer Kreuz den Rumpf des Flugzeugs zieren. Aber über eine Patenschaft können wir erst diskutieren, wenn sich die Schweiz diese dreimal 30Prozent offiziell zum Ziel gesetzt hat.»

BILD CHRISTOPH KAMINSKI

Bundesrat Moritz Leuenberger und der Luftfahrtpionier Bertrand Piccard. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.11.2008, 20:32 Uhr

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