Meilen beisst in den sauren Botellón-Apfel

In Meilen ist ein Botellón nach Zürcher Vorbild geplant. Den Behörden sind die Hände gebunden. Die Organisatoren wollen ein Massenbesäufnis mit vereinten Kräften verhindern.

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Bereits wenige Tage nach dem so genannten Zürcher Massenbesäufnis von Jugendlichen auf der Blatterwiese regt sich auch am See ein ähnliches Bedürfnis. Die Meilemer Facebook-Userin Dama Zindel ruft auf der Internet-Plattform zu einem «Meilemer Botellón » auf. Innert weniger Stunden seit dem Aufruf haben bereits dutzende von Jugendlichen ihr Interesse an einer Teilnahme angemeldet. Der Event soll voraussichtlich am 20. September beim Meilemer Horn stattfinden.

Ein Botellón ist eine Versammlung von Jugendlichen der besonderen Art: Man trifft sich, um sich gemeinsam in einen Rausch zu trinken. Es ist einer jener aktuellen Trends in der Jugendszene, deren Existenz sich direkt auf die intensive Nutzung des Internets zurückführen lässt. Auf interaktiven Plattformen wie Facebook.com wird zu kollektivem Trinken aufgerufen, danach verbreitet sich die Kunde davon wie ein Lauffeuer. Nachdem in grossen europäischen Städten solche Botellóns bereits «erfolgreich» über die Bühne gegangen waren, fand vergangenen Samstag auch in Zürich ein solcher statt. Der etwas abschätzige Begriff «Massenbesäufnis» machte im Vorfeld des Zürcher Events vor allem in den Massenmedien die Runde. Die Jugendlichen selbst nehmen klar Abstand von einem solchen Etikett und geben in Bloggs und Internet-Foren den Medien den schwarzen Peter zurück.

Trotzdem ist es in Zürich ausgeartet. 2000 Jugendliche trafen sich auf der Blatterwiese, tranken zusammen literweise Alkohol und hatten ihren Spass. Doch eigentlich verursachten sie nur Ungemach: Über 50 Sanitätseinsätze, mehrere Verhaftungen, einen sechs Tonnen schweren Abfallberg und eine öffentliche Wiese voller Scherben sind die traurige Bilanz.

Den Trend zu Botellóns ausnützen

Die Meilemerin Dama Zindel legt die Motivation für ihren Aufruf offen zu Tage. Es gebe in Meilen nur die Chilbi, die einmal im Jahr Gelegenheit böte, alte Bekannte und ehemalige Schulkameraden zu treffen. «Warum nicht den Trend zu Botellóns für die eigenen Zwecke Nutzen?» fragte sich die 21-jährige Promoterin und Musikerin. Es sei ohnehin nur ein lockeres Treffen von Freunden, Bekannten und Interessierten geplant. Von Massenbesäufnissen hält Zindel gar nichts. «Es wird sicher auch getrunken, doch soll dies nicht der Aufhänger sein.» Sie ist sich ihrer Verantwortung bewusst und hat entsprechende Vorkehrungen getroffen. «Wir werden den Besammlungsort in einwandfreiem Zustand wieder verlassen», ist sie überzeugt. Auch werde sie schauen, dass sich die ganz jungen Kids nicht ins Koma trinken. Zindel weiss, wovon sie spricht. Denn neben ihren anderen beruflichen Aktivitäten arbeitet sie für verschiedene Sicherheitsfirmen. Ebenso einige ihrer Kollegen, die sich angemeldet haben. Zusammen würden sie schon dafür sorgen, dass es zu keinen Zwischenfällen komme.

Zindel rechnet mit höchstens 100 Leuten. «Melden sich plötzlich Hunderte, werde ich alles absagen.» Sie möchte nicht einen Haufen unbekannter Leuten aus Zürich. «Dieser Anlass soll für die Region sein», sagt sie. Dabei scheint sie sich nicht bewusst zu sein, welche Eigendynamik ihr Aufruf unter Umständen bewirken kann. «Wir schauen mal, wie sich das Ganze entwickelt», gibt sie sich optimistisch.

Auch der Meilemer Gemeindepräsident Hans Isler (SVP) fürchtet die Unberechenbarkeit des Aufrufs. «Das Internet erscheint mir in diesem Zusammenhang wie ein unfassbares Phantom».

Mit Verboten ist nichts auszurichten

Nach den Zürcher Vorkommnissen fühlt sich Isler in seiner Ansicht bestärkt, dass mit Verboten nichts auszurichten ist. An der Jungbürgerfeier hätten sie das Thema auch diskutiert. Er ist überzeugt, dass man durch Repression und neue Gesetze die Jugendlichen nur provoziere. «Wir müssen hier in den sauren Apfel beissen», sagt Isler. Falls es Ärger gebe, werde man nachträglich versuchen, jemanden dafür verantwortlich zu machen.

Ein eigentliches Sicherheitsdispositiv sei noch nicht beschlossen worden, sagt der Meilemer Gemeindeschreiber Didier Mayenzet. Als nächster Schritt werde aber ein reduziertes Bereitsschaftskonzept erstellt. Feuerwehr, Seerettung, Gemeinde- und Kantonspolizei seien bereits informiert worden, ebenso der Kanton als Eigner der Parzelle. «Gegen fröhliches Festen haben wir sicher nichts einzuwenden», ergänzt Mayenzet. Er sehe vorläufig keinen Anlass, mit den Verantwortlichen direkt in Kontakt zu treten. «Das kann sich aber noch ändern.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.09.2008, 20:10 Uhr

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