Militär-Defilee bringt Sympathiegewinn

Schweren Zeiten für das VBS, doch in Winterthur wird das Panzergrenadierbataillon bestaunt und bejubelt.

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Perfekter hätte das Timing kaum sein können: Das VBS steht unter Dauerbeschuss, der Armeechef musste den Hut nehmen, und Unfälle nagten am Ruf des Militärs. Und nun fährt das verstärkte Panzergrenadierbataillon 29 mit rund 1000 Mann in 300 Fahrzeugen auf der Frauenfelderstrasse in Winterthur auf, wird von 4000 Zuschauern bestaunt und bejubelt.

Alte Männer haben Tränen in den Augen, einer winkt mit Schweizer Fähnchen. Kinder bestaunen die Metallmonster, Mütter lächeln den strammen Mannen zu, die aus den Luken lugen. Derart viele Handycams waren wohl noch nie auf sie gerichtet. In der Mitte der rund einen Kilometer langen Parade-Strecke ist eine Tribüne aufgebaut, auf der neben Brigadier Hans-Peter Kellerhals der Winterthurer Polizeivorsteher Michael Künzle (CVP) und weitere VIPs stehen. Sie klatschen oder salutieren den Vorbeifahrenden. Anderthalb Stunden lang.

Und was es da alles zu sehen gibt: Minenwerfer, Schützenpanzer, Kampfpanzer, Versorgungfahrzeuge und eine rollende Tankstelle. Einige Fahrzeuge tragen Spitznamen: «Was da so liebevoll und lustig dreinschaut, ist unser Mun-Schnägg», erklärte der Kommentator. Das Fahrzeug versorge die Einheiten mit Munition. Der «Büffel» werde leider nicht aufkreuzen – der Entpannungspanzer ist immer noch mit dem Panzer beschäftigt, der tags zuvor in der Thur stecken geblieben war. Eindrücklich sind die beiden Brückenpanzer, die nebeneinander die Allee hinauffahren. Die Zuschauer müssen die Köpfe einziehen, um nicht von einem Brückenelement getroffen zu werden. Die Panzer rollen 30 Zentimeter vor den Zehenspitzen durch. Abschrankungen gibt es keine.

Das Defilee bildet den Abschluss eines dreitägigen Manövers, bei dem die Panzergrenadiere gegen die fiktiven Trivanier kämpfen mussten, die im Norden in die Schweiz eingedrungen waren. Es war das erste grosse Manöver mit Gefechtssimulation seit der Armeereform 21. Laut Kellerhals dauerte die Vorbereitung mehr als eineinhalb Jahre. Der Vorbeimarsch war als Teil der Übung geplant und liegt auf der Rückzugsstrecke nach Hinwil. Also keine kurzfristige PR-Aktion zur Politur des angekratzten Images? Kellerhals verneint im Militärjargon: «Es wäre unanständig, eine solch grosse Übung durchzuführen, bloss um einen kleinen Geländegewinn zu erzielen.» Für Zivilisten: Gelände bedeutet in diesem Zusammenhang Sympathie. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.08.2008, 22:55 Uhr

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