Mit Stacheldraht gegen spielende Kinder

In Stäfa hält eine Hauseigentümerin mit Stacheldraht Kinder von ihrem Grundstück fern. Doch die Gemeinde interessiert sich nicht dafür.

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Im Stäfner Ortsteil Ürikon hat eine Hauseigentümerin ihr Heim mit Stacheldraht eingezäunt, um die spielende Kinder davon fernzuhalten. Als ob das nicht schon pikant genug wäre: Die Drahtstacheln sind in die Oberkante eines gleichfarbigen Zauns eingeflochten, dadurch schlecht sichtbar – und sie befinden sich ungefähr auf Augenhöhe eines Kindes.

Die Hauseigentümerin wohnt selbst nicht im Haus, aber im Quartier. Sie bestätigt gegenüber Tagesanzeiger.ch zwar einen Bericht der «Zürichsee-Zeitung», wonach sie den Zaun aufgerichtet hat. Weiter dazu äussern will sie sich aber nicht: «Ich habe schon genug Sorgen.»

Steinwerfende Jugendbanden

Gegenüber der «Zürichsee-Zeitung» sagte die Hausbesitzerin, dass sie nicht die Kinder der umliegenden Blocks für die Eskalation des Konfliktes verantwortlich macht, sondern «eine Bande ausländischer Jugendlicher aus einem anderen Teil Ürikons». Diesen Jugendlichen wirft sie vor, bis 22 Uhr Fussbälle gegen das Garagentor gekickt zu haben, Steine geworfen und ihren Rasen zerstört zu haben. Wegen ihnen habe sogar einmal die Polizei kommen lassen.

Auch die Nachbarn halten sich bedeckt: Einige wollen zwar gerne über die drastische Massnahme der Hauseigentümerin reden, aber nur unter der Bedingung, dass nichts davon Eingang in einen Medienbericht findet. Doch eines zeigt sich schnell, wenn man das Gespräch mit den Quartierbewohnern sucht: Die Situation ist äusserst angespannt.

Unmittelbar neben den neuen Stacheldrahtzaun ist die Jugendberatung Mojuga domiziliert. Der Jugendarbeiter Romi Widmer betreut begleitet und unterstützt Jugendliche aus Stäfa und ist vom neuen Zaun gar nicht begeistert. «Ich habe Verständnis dafür, dass manche Leute ihre Ruhe haben möchten, aber mit einem Stacheldraht ist das Problem doch nicht gelöst», sagt Widmer. Als Ursache für den Konflikt sieht er die beengten Platzverhältnisse im Quartier. «Hier leben sehr viele Leute auf engstem Raum. Und für Kinder hat es praktisch keine Freiräume oder Spielplätze.»

Kein Kommentar von der Gemeinde

Es liegt also nahe, dass sich die Kinder die wenigen vorhandenen Grünflächen zu Eigen machen und damit nicht auf Gegenliebe der älteren Quartierbewohner stossen. «Doch die angebliche Jugendbande habe ich noch nie gesehen. Und wir sind jetzt seit zwei Jahren hier und pflegen einen engen Kontakt mit den Jugendlichen», sagt Widmer.

Nicht nur Quartierbewohner, sondern auch die Gemeinde hüllt sich in Schweigen. Obwohl der der Zaun das Ergebnis eines lange schwelenden Konfliktes ist, obwohl es auch an der Gemeinde wäre, Freiräume für Kinder bereit zu stellen, und obwohl sich Kinder am Stacheldraht verletzen könnten – der Substitut des Gemeindeschreibers Dieter Suter sagt nur: «Kein Kommentar. Die Geschichte interessiert uns weniger.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.09.2008, 17:06 Uhr

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