Mit dem Abfalltourismus ist jetzt Schluss

Seit einer Woche zahlt auch in Hombrechtikon, wer Sperrmüll entsorgen will. An der Altstoffsammelstelle Holflüe sind seit da deutlich weniger Auswärtige anzutreffen.

Die neue Anlage, die seit Anfang Oktober in Betrieb ist, wägt den Abfall und befördert ihn in den Sperrmüllcontainer.

Sabine Rock

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Es ist ruhig am Dienstagmorgen in der Holflüe. Kein Vergleich zum Andrang, der hier vor dem 1. Oktober noch herrschte. Bis da war die Entsorgung von Sperrmüll in Hombrechtikon gratis. Seit Anfang Oktober muss bezahlt werden. Die Gemeinde hat sich dazu eigens eine vollautomatische Anlage angeschafft, in der der mitgebrachte Sperrmüll gewogen wird. Mit einem Brief («Sperrgut-Entsorgung leicht gemacht») hat die Gemeinde ihre Einwohner informiert, wie die Abfallentsorgung in Zukunft funktioniert.

Der TA hat es ausprobiert. Zuerst holt man sich bei einem Mitarbeiter einen Sperrgutbehälter. Diesen Plastikcontainer rollt man zum Auto und füllt ihn mit dem zu entsorgenden Sperrmüll. Der mitgebrachte Sonnenschirm samt Fuss passt bestens hinein. Doch der Mitarbeiter vor Ort hat schon einen Blick auf die Ware geworfen und kommt eilenden Schrittes daher. Der Grund: Der Stiel des Sonnenschirmes ist aus Metall und kann gratis in die Metallsammlung gegeben werden. Fachmännisch rupft der Mitarbeiter Stoff, Gestänge und Stiel auseinander. «Wir möchten die Leute sensibilisieren, damit sie den Abfall noch besser trennen», sagt Peter Lorenz, Strassenmeister der Gemeinde Hombrechtikon. Schliesslich verdiene die Gemeinde Geld mit den Waren, die zurückgegeben werden können, wie Metall oder Elektroschrott.

Der Kunde wiederum spart Geld, weil sein Sperrgutcontainer leichter ist. Diesen fährt man nach dem Beladen zur neuen automatischen Anlage. Zuvor hat man bereits die Karte, die man von der Gemeinde per Post erhalten hat, mit Geld aufgeladen. Piepst es und blinkt es erst mal, weil man mit der Ladestation noch nicht vertraut ist, hilft auch da sofort ein Mitarbeiter weiter. Mit 10er-, 20er-, 50er- und 100er-Noten kann man bis zu 300 Franken auf die Karte laden. Diese drückt man bei der Sperrgutanlage dem Mitarbeiter einfach in die Hand. Der gefüllte Container wird nun gewogen, automatisch hochgehoben, in die Anlage gekippt und wieder hinuntergelassen. Am Ende erhält man eine Quittung mit dem Gewicht der entsorgten Ware und dem Restsaldo auf der Karte.

Holen lassen ist billiger als bringen

Peter Lorenz ist zufrieden mit der neuen Anlage. Natürlich brauche es in der Anfangsphase noch Unterstützung durch die Mitarbeiter, aber es laufe gut. «Vor allem kommen nun deutlich weniger Auswärtige ihren Abfall in Hombrechtikon entsorgen.» Man habe nun eine Abfallentsorgungsstelle für die Gemeinde und nicht mehr für die ganze Region. Grund für die Einführung des Verursacherprinzips war die viel zu grosse Abfallmenge gewesen. «Die Gemeinde Freienbach zum Beispiel hatte bei 15'000 Einwohnern 200 Tonnen Abfall pro Jahr, während wir in Hombrechtikon mit 8000 Einwohnern 530  Tonnen hatten», sagt Lorenz. Der Grund dafür: Abfalltourismus. Zwar schützt das neue Kärtchen-System nicht generell davor, dass Auswärtige ihren Müll in Hombrechtikon entsorgen, es fehlt jetzt aber jeder Anreiz, weil man bezahlen muss.

Überhaupt könne man die Abfallentsorgung am besten übers Portemonnaie regulieren, sagt Lorenz. Aus diesem Grund sei es auch billiger (40 Rappen pro Kilo), wenn man Sperrgut an die Strasse stelle, als wenn man es in der Sammelstelle entsorge (50 Rappen pro Kilo). Die Entsorgung wird also sogar teurer, wenn man die Ware selbst bringt. «Der Kehrichtwagen fährt sowieso jede Woche seine Tour. Wenn der halbleer herumfährt, rentiert das nicht», erklärt Lorenz. Sofas, Betten und Tische sollte man also besser an die Strasse stellen und mit Gebührenmarken bekleben. Zumal man sich damit den umständlichen Transport ersparen kann – und die Frage: Wie bringe ich ein Sofa in einen Plastikcontainer? Darauf hat auch Peter Lorenz keine klare Antwort. «Das müssten wir dann auseinander nehmen.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.10.2008, 20:26 Uhr

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