Neues Wehr muss erneuert werden

Das Wehr unterhalb des Ustermer Stadtparks ist nicht hochwassersicher. Unklar ist, wer die Kosten für den Umbau der privaten Anlage übernimmt.

Bei Niedrigwasser ist der Aabach ein Rinnsal. Doch bei Hochwasser drohen beim Wehr Im Lot Überschwemmungen.

Bei Niedrigwasser ist der Aabach ein Rinnsal. Doch bei Hochwasser drohen beim Wehr Im Lot Überschwemmungen. Bild: Nathalie Guinand

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Im Frühling beginnt das kantonale Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) damit, den Aabach entlang des Stadtparks hochwassersicher zu machen. 1,7 Millionen Franken lässt sich der Kanton das Bauvorhaben kosten, das rund ein Jahr dauern soll. Noch unklar ist allerdings, wie das Stauwehr unterhalb des Stadtparks in das Projekt einbezogen wird. Für das Awel ist klar: Um den Hochwasserschutz zu gewährleisten, muss das Wehr umgebaut werden. «Die maximale Durchflussmenge ist zu gering, es besteht die Gefahr eines Rückstaus», sagt Matthias Oplatka, Sektionsleiter der Abteilung Wasserbau beim Awel. Das Problem liegt im Aufbau der Anlage, die laut Oplatka aus zu wenigen beweglichen Elementen besteht, um adäquat auf ein Hochwasser reagieren zu können. «Die Firma, der die Anlage gehört, rechnet mit Kosten von mehr als 600'000 Franken – und ist darüber natürlich nicht glücklich», weiss Oplatka. Gleichzeitig macht er deutlich, dass der Umbau des Wehrs laut der Konzession zwingend sei.

Kraftwerk bringt Verlust

Eigentümerin der Anlage ist die Baumwollspinnerei Uster AG (Buag). Die Immobiliengesellschaft hat vor zehn Jahren die Wohnsiedlung Im Lot erstellt. Gleichzeitig wurde das Wehr neu gebaut und das stillgelegte Wasserkraftwerk wieder in Betrieb genommen. «Die Anlage produziert im Jahr zwar 200'000 Kilowattstunden Ökostrom, erbringt aber einen Verlust von 30'000 Franken», sagt Buag-Geschäftsführer Marco Brunner. Eine Investition von 600'000 Franken für etwas, das man als Hobby betreibe, mache keinen Sinn, hält er fest. «Wenn wir die Kosten allein tragen müssen, geben wir die Anlage auf.» Dass sich Brunner über die Vorgaben ärgert, hat vor allem einen Grund. Schon bei der Projektierung des Wehrs und des Kraftwerks habe die Buag die Anlage hochwassersicher bauen wollen. «Das Awel war damals nicht in der Lage, verbindliche Angaben zu machen, und liess uns im Stich. Aber wir konnten nicht einfach mit dem ganzen Bauprojekt Im Lot zehn Jahre warten, wir waren im Zugzwang.» Also habe man mit Bauen angefangen und gehofft, lange nichts mehr vom Awel zu hören. «Dass wir die Anlage jetzt nach lediglich zehn Jahren neu bauen sollen, überrascht mich aber schon», sagt Brunner.

Auf rechtlichem Weg kaum Chance

Beim Awel lässt man den Vorwurf nicht gelten. Man habe damals erst eine Studie erarbeiten müssen, sagt Matthias Oplatka. «Die konnten wir nicht einfach aus dem Ärmel schütteln.» Gegenüber der Buag sei stets klar kommuniziert worden, dass diese entweder auf die Resultate warten oder auf eigenes Risiko bauen müsse. Buag-Geschäftsführer Brunner ist sich denn auch bewusst, dass er auf rechtlichem Weg wenig Chancen hat. Er hofft nun, dass sich aus den laufenden Verhandlungen mit dem Kanton und der Stadt Uster eine substanzielle finanzielle Beteiligung durch Dritte ergibt.

Besitzer nicht im Regen stehen lassen

Bei der Stadt Uster bestätigt man entsprechende Gespräche. «Der Wert der Kanallandschaft entlang des Aabachs ist unbestritten», sagt Stadtplaner Walter Ulmann. Nun gehe es darum, eine Auslegeordnung mit möglichen Problemen und einer Auswahl schützenswerter Anlagen zu erstellen. Für das Wehr Im Lot müsse zuerst ein konkretes Projekt ausgearbeitet werden, erst dann könne man über weitere Schritte und eine allfällige finanzielle Beteiligung reden, betont Ulmann.

Neben dem Awel ist die Denkmalpflege als zweite kantonale Stelle in die Gespräche involviert. «Wir setzen uns grundsätzlich ein für den Erhalt von Wehren, Kanälen und Wasserkraftwerken als Industrie-Kulturgüter, und zwar auf der ganzen Länge des Aabachs von Pfäffikon bis nach Uster», sagt Peter Baumgartner, stellvertretender Leiter der Zürcher Denkmalpflege. Beim Kanton sei man sich bewusst, dass man die Eigentümer der Anlagen nicht einfach im Regen stehen lassen könne. Die Denkmalpflege habe in der Vergangenheit im Oberland entlang des Aabachs schon verschiedene Industriekulturgüter unterstützt. Im konkreten Fall des Wehrs Im Lot glaubt Baumgartner, dass eine «optimale Lösung» möglich sei. Die Beteiligten seien auf einem guten Weg. Ob und in welchem Umfang sich die Denkmalpflege an dem Projekt beteiligen werde, stehe noch nicht fest. Baumgartner: «Aber wenn sich der Kanton zu einer finanziellen Unterstützung entschliessen sollte, dann wohl mit einem namhaften Beitrag.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.09.2008, 20:07 Uhr

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