Nichtsnutz in Not

Ein Gelegenheitszuhälter steht im Zentrum des ersten Films von Pier Paolo Pasolini.

Hier ist es mit dem guten Leben schon vorbei für Accattone (Franco Citti).

Hier ist es mit dem guten Leben schon vorbei für Accattone (Franco Citti).

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Junge, coole Römer sitzen in der Sonne vor einem Café und übertrumpfen einander mit halsbrecherischen Wetten: Wer schafft es, mit vollgefressenem Bauch in den Tiber zu springen und von Ufer zu Ufer zu schwimmen? Accattone – sein Übername bedeutet «Bettler, Schmarotzer» – ist der Verwegenste von allen. Für ihn und seine Freunde ist es Ehrensache, keiner Arbeit nachzugehen. Sie wollen das Leben in seiner reinen Intensität geniessen. Nicht, dass sie gross darüber reden würden. Auch der Film erklärt uns nichts; wirft aber einen irritierend zärtlichen Blick auf den Nichtsnutz Accattone. Pier Paolo Pasolini – in seinem schwarzweissen Film­erstling von 1961 noch stark vom Neorealismus beeinflusst – lässt die Bilder für sich sprechen.

Das gute Leben ist für Accattone (Franco Citti) aber bald vorbei: Weil er nicht von Luft und Liebe leben kann, schickt er seine Freundin Maddalena (Silvana Corsini) auf den Strich. Als sie wegen einer Falschaussage ins Gefängnis muss, stirbt er fast den Hungertod. Und es wird noch melodramatischer: Accattone verliebt sich in die unschuldige Gelegenheitsarbeiterin Stella (Franca Pasut). Und sie will er nicht auch zur Prostitution zwingen. Also versucht er alles Mögliche, um an Geld zu kommen; doch diese Versuche gehen schief.

Die tiefsinnige Poesie des Films entsteht aus dem Zusammenspiel zwischen den Bildern und dem ­Soundtrack: Immer, wenn Accattone allein durch die Strassen seiner ärmlichen römischen Vorstadt streicht, kommt eine Not über ihn, eine Schwermut, die uns dank der Musik von Johann Sebastian Bach mit existenzieller Wucht trifft. (Zueritipp)

Erstellt: 28.10.2015, 14:10 Uhr

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