Parteiübergreifender Protest gegen Schliessungspläne der SBB

Die Rafzerfelder Bevölkerung wehrt sich gegen die drohende Schliessung des bedienten SBB-Bahnschalters in Rafz.

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Mit der geplanten Umstellung auf einen Selbstbedienungsbahnhof ignorierten die SBB die Bedürfnisse der Kunden, heisst es nicht nur seitens der politischen Parteien. Grosse Überredungskünste waren denn auch nicht nötig bei der Unterschriftensammlung am Samstagvormittag: Wer zunächst nichts wissen wollte, horchte bei «Schliessung des bedienten SBB-Schalters in Rafz» auf und setzte seinen Namen auf die Petitionsliste. Die Unterschriften von 200 Personen konnten so vor dem Volg in Rafz gesammelt werden. 800 weitere Einsprachen liegen bereits bei der Gemeindeverwaltung. Die Petition wird von der in Rafz wählerstärksten SVP gemeinsam mit der Grünliberalen Partei (GLP) Rafzerfeld und der SP Rafz geführt.

Endgültig entschieden ist es zwar noch nicht, aber die Schliessung des bedienten SBB-Schalters am Bahnhof Rafz soll per September 2009 erfolgen. Spätestens neun Monate vor den definitiven Veränderungen würden sie mit der Gemeinde Rafz Kontakt aufnehmen, um das weitere Vorgehen abzusprechen, teilten die SBB in einem Schreiben an die SP Rafz.

Ökologisch unsinnig

Gemäss Beat Hauser, Präsident der Grünliberalen Partei Rafzerfeld, wäre man mit jeder Lösung zufrieden, solange die Dienstleistung im Dorf behalten werden könne. Aber die von den SBB vorgesehenen neun Monate würden nicht ausreichen, und man will mit einer Petition die Sache vorantreiben.

Bereits geschlossen sind die SBB-Verkaufsschalter an den Bahnhöfen Glattfelden und Hüntwangen-Wil. Noch in diesem Jahr wird auch Eglisau seinen bedienten Bahnschalter verlieren. Im Moment kann noch nach Rafz ausgewichen werden. Was aber, wenn auch in Rafz nur noch Billettautomaten zur Verfügung stehen? Umständlich sei es halt und ökonomisch oder auch ökologisch unsinnig, wenn man zuerst nach Bülach oder Schaffhausen reisen müsse, um sich dort über die Routen- und Billettmöglichkeiten erkundigen und die entsprechenden Tickets kaufen zu können, unterstreichen einige Rafzerfelder ihren Unmut.

Mehr Vandalenakte befürchtet

Befürchtet wird in Rafz auch eine Verwahrlosung des Bahnhofgeländes durch vermehrt herumlungernde Jugendliche und zunehmende Vandalenakte. «Ein Stück Lebensqualität würde verloren gehen», beklagt eine besorgte Rafzerin.

Am kommenden Mittwoch wird am Bahnhof Rafz ab 6 Uhr um weitere Petitionsunterstützung geworben. Unterschriften werden auch in Wil und den benachbarten Schaffhauser Gemeinden Rüdlingen und Buchberg gesammelt. In Wil kann man sich am Vormittag des 30. August in die Petitionsliste eintragen.

Gemäss André Fröhlicher, Vizepräsident der SP Rafz, werden die gesammelten Einsprachen bis Anfang Oktober den SBB-Verantwortlichen für die Region Nordostschweiz in Winterthur übergeben. Ob die SBB auf die Anliegen ihrer Kunden eingehen werden, bleibt abzuwarten. «Aber wenigstens haben wir mit unserer Petition ein Zeichen gesetzt», meint Fröhlicher.

«Es ist kein Rafzer Problem, es ist ein Rafzerfelder Problem!», fasst Beatrix Wicki aus Wil die Situation zusammen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.08.2008, 07:21 Uhr

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