Plötzlich alt

So sehen junge Zürcherinnen und Zürcher in rund 50 Jahren aus – glaubt man einer App.

Die Jungs waren zuerst höchst interessiert: Das Ergebnis entgeisterte sie schliesslich. Bilder: Salome Müller

Die Jungs waren zuerst höchst interessiert: Das Ergebnis entgeisterte sie schliesslich. Bilder: Salome Müller

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Es gibt diese wundersame Handy-Applikation, sie heisst Face-App und funktioniert wie eine Zeitmaschine. Macht man mit ihr ein Foto von sich und legt einen Filter darüber, etwa «Jung» oder «Alt», verändert sich das Selbstporträt entsprechend. Man reist in die Vergangenheit oder in die Zukunft, die Zeit hinterlässt ihre Spuren: das Gesicht wird jünger oder älter. Plötzlich hat man wieder volle Wangen und eine Stupsnase, oder man hat Falten, schlaffe Lider und einen gelebten Ausdruck.

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Das Alter ist gnadenlos, und auch die Face-App ist es. Menschen, welche die 50 überschritten haben, lassen sich mit ihr kaum älter machen. Das Aussehen verändert sich nur minimal, bei manchen Personen gar nicht. Das muss nicht nur negativ sein, das könnte theoretisch auch heissen, dass man mit 90 immer noch aussieht wie mit 56.

Für junge Menschen hingegen ist die App ein lustiges Spiel, ein Blick in den Spiegel, der vierzig, fünfzig Jahre entfernt ist. Was denkt man da? Wenn man sich sieht, aber als eine Person, die schon viel Leben hinter sich hat? Blicken einem die Eltern aus den eigenen Gesichtszügen entgegen? Oder empfindet man dieses Überspringen der unmittelbaren Zukunft als absurd?

Einige Jugendliche haben sich beim Mittagessen auf dem Sechseläutenplatz dazu hinreissen lassen, bei diesem Experiment mitzumachen. Niemand von den Teenagern zwischen 14 und 16 kannte die Face-App, und alle waren neugierig darauf, wie sie dereinst aussehen würden.

Die jungen Frauen liessen das Fotografieren schweigend über sich ergehen und zuckten mit den Schultern, als sie sich in alt sahen – niemand von ihnen glaubte daran, wirklich so zu altern.

Die jungen Männer waren erst höchst interessiert. Nach der ersten Runde waren sie so entgeistert, dass einer nach dem anderen einen Rückzieher machen wollte. Bis der Erste nochmals um einen Versuch bat – dieses Mal ohne zu lächeln. Die anderen zogen nach. Mit dem Ergebnis konnten sie leben. Die alte Version ihrerselbst interessierte sie weniger als die junge.


Mit diesem Artikel endet der Sommertraum von der Jugend. Zu Beginn haben wir Sie gebeten uns drei Stichworte zum Thema Jugend zukommen zu lassen, die wir Ihnen an dieser Stelle gerne präsentieren.

Vielen Dank für alle Zuschriften. Nächste Woche träumt das Bellevue vom Ruhm. Bitte senden Sie uns drei Stichworte an bellevue@tages-anzeiger.ch oder schreiben Sie sie in unsere Kommentarspalte.


(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.07.2017, 15:41 Uhr

Sommertraum von der Jugend (6/6)

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Tauchen Sie ein in unsere Traumwelt. Schöne Ferien, schöne Träume!

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