Quer durch den JetSet

Da mache sich einer einen Reim auf diese Mainstream-Musik: The 1975 orientieren sich an den 80er-Jahren. Und bevorzugen sperrige Plattentitel.

Junge Wirrköpfe oder ausgebuffte Marketingexperten? The 1975.

Junge Wirrköpfe oder ausgebuffte Marketingexperten? The 1975.

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Eines muss man The 1975 zugutehalten: Das nordenglische Quartett weiss, wie es das Musikpublikum mit Rätseln neugierig macht. Schon sein Name hat etwas Mysteriöses: Warum eine Jahreszahl? Warum 1975? Schliesslich sind die Bandmitglieder allesamt zu jung, um sich an die bleierne Zeit vor Punk und New Wave zu erinnern: Als Kurt Cobain 1994 verstarb, besuchten The 1975 noch die Primarschule.

Nächstes Rätsel: Warum ist der Titel ihres neuen, zweiten Albums so lang geraten? «I Like It When You Sleep, For You Are So Beautiful Yet So Unaware of It» heisst das Werk; sein blässliches Cover ist komplett nichtssagend. Da muss die Musik ja fast überraschend wirken. «I Like It When You Sleep?…» klingt, als sei es Mitte der 80er-Jahre entstanden. The 1975 bedienen sich unverschämt am Sound von Peter Gabriel, INXS und Madonna: «Sledgehammer» trifft auf «Need You Tonight» und «Holiday». Das sind Songs, die einst nach Zukunftsmusik klangen, aber eher schlecht gealtert sind. Zum Glück frischen The 1975 diesen Pop so gekonnt auf, dass ihre Musik eine perverse Faszination entwickelt.

«I Like It When You Sleep…» durchzuhören, heisst, an eine Jugend erinnert zu werden, an der die Popmusik noch das Beste war: Zumindest die Musiker hatten es lustig. Und wie man richtig Party feiert, wissen The 1975 inzwischen auch. Sänger Matthew Healy hat sich in den letzten Jahren durch den Jetset gearbeitet, hat mit grossen Namen geschäkert, unlautere Angebote angenommen und dabei allerlei illegale Substanzen konsumiert. «I Like It When You Sleep…» handelt vom Leben zwischen Konzertbühne, Awardshow und Tourbus: Noch weiss Healy nicht so recht, ob ihm die Reise wirklich gefällt; aber wenigstens gibt sie viel Stoff für seine Songtexte her.

Die letzte grosse Frage ist die: Wie wollen The 1975 die mit Studiotricks aufgebauschte Musik live reproduzieren? Zu ihren Indie-Wurzeln kann die Band nicht zurückkehren, für ein Eighties-Spektakel fehlt ihr wohl das Budget und im X-tra auch der Platz. Wenn für sie alles gut läuft, spielen The 1975 das nächste Mal im Hallenstadion. Dort passt ihr irritierend einnehmender Sound jedenfalls bestens hin.

(Zueritipp)

Erstellt: 23.03.2016, 14:57 Uhr

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