Rafzerfeld: Kürbisernte läuft auf vollen Touren

Rund 1400 Tonnen Kürbisse werden dieser Tage im Rafzerfeld verarbeitet. Auf dem Florhof sorgen 30 Angestellte dafür, dass das heikle Saisongemüse rasch zu den Kunden gelangt.

Walter Pfister (oben) hat die Kürbisverarbeitung auf dem Rafzer Florhof in zehn Jahren perfektioniert: Dazu gehören die Ernte von Hand ebenso wie das schonende Reinigen im Wasserbad und die speditive Bereitstellung in der Halle.

Daniel Kellenberger

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Sie heissen Babyboo, Bigmax, Langernizza, Oranger Knirps oder Türkenbund. Und sie liegen in einer riesigen Holzhalle bei Rafz zu Tausenden zum Abtransport bereit. Kürbisse, in grossen und kleinen Ausführungen, in oranger, gelber oder grüner Farbe und in Holzkisten oder Kartons verpackt, sind auf dem Florhof allgegenwärtig. Im Landwirtschaftsbetrieb zwischen Rafz und Rüdlingen läuft der Betrieb momentan auf Hochtouren – und mittendrin sorgt Betriebsleiter Walter Pfister dafür, dass auf dem Florhof alles unter Kontrolle bleibt.

Durch Zufall zum Kürbis-Imperium

Der 35-jährige gelernte Landwirt ist seit 10 Jahren im Kürbisgeschäft tätig und hat massgeblichen Anteil daran, dass das Rafzerfeld heute das grösste Kürbisanbaugebiet der Schweiz ist. Den Anstoss dazu gaben die Gebrüder Beat und Martin Jucker, welche den Florhof bei Rafz von ihrer Mutter Elsbeth erbten und dort 1999 die ersten Kürbisse ernteten.

Das reife Gemüse lagerten sie auf dem zweiten Jucker-Hof in Seegräben im Zürcher Oberland. Es ging nicht lange, und die Besucher des idyllisch gelegenen Bauernhofes glaubten sich in einer eigens hergerichteten Kürbisausstellung. Die Idee fanden die Jucker-Brüder und ihr Freund Walter Pfister so bestechend, dass sie alles auf die Karte Kürbis setzten. In der Folge gründeten sie die Jucker Farmart AG, welche den Florhof heute als ihre Produktionszentrale betreibt.

Kürbisernte ist harte Handarbeit

«Zusammen mit weiteren zwölf Landwirtschaftsbetrieben bauen wir im Rafzerfeld auf rund 33 Hektaren nur Kürbisse an», erklärt Walter Pfister die Dimension des Unternehmens. Die riesige Anbaufläche wird grösstenteils von verschiedenen Rafzer Bauern im Auftrag der Jucker Farmart bepflanzt und gehegt. «Ende April werden die Saat oder die Setzlinge in die Erde gebracht, und nach drei Monaten sind die Kürbisse reif zur Ernte», erklärt Pfister. Insgesamt würden im Rafzerfeld rund 50 verschiedene Sorten angebaut. Zwei Drittel davon seien Speise-, ein Drittel Zierkürbisse, sagt Pfister.

Die Anfang September beginnende Ernte nehmen aber nicht die einzelnen Landwirte vor, sondern Pfister und seine darauf spezialisierten 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Portugal und Polen. Der Kürbis sei ein empfindliches Produkt und brauche deshalb eine besonders sorgfältige Verarbeitung, sagt Pfister. Wie diese aussieht, zeigt er auf einem Rundgang durch die Felder und die 1300 Quadratmeter grossen Verarbeitungshalle des Florhofs.

Zuerst muss die reife Frucht von dem krautigen Kürbisranken geschnitten und auf einen Anhänger gewuchtet werden. «Das ist ganz schön anstrengend», sagt Pfister, «ein ausgewachsener Speisekürbis kann bis zu 30 Kilogramm wiegen.» Die geernteten Früchte werden anschliessend auf den Florhof transportiert und dort vom gleichen Team einzeln im Wasserbad und von Hand gebürstet.

Sauber geschrubbt gelangen die Kürbisse dann in Holzbehältern und auf Paletten in die Verarbeitungshalle. Hier werden sie mit Preisetiketten versehen und in Kartons, Holzkistchen, Kartons oder kleine Netze für den Verkauf abgepackt. Bei sämtlichen Arbeitsstationen ist auffällig, wie sorgfältig die Kürbisse gehandhabt werden. Das sei absolut notwendig, sagt Pfister. Jede Verletzung der Kürbishaut habe zur Folge, dass die Frucht nicht mehr schön aussehe oder das Fleisch darunter gar faulen könnte.

Frost gefährdet die Produktion

Rund 60 Prozent der Kürbisse aus dem Rafzerfeld werden laut Pfister an den Grossverteiler Coop geliefert. 20 Prozent gehen auf den Jucker-Hof in Seegräben, der Rest wird an weitere Händler vertrieben. «Bis heute haben wir mit rund 700 Tonnen die Hälfte unserer Produktion für dieses Jahr ausgeliefert», sagt Pfister. Es sei Saisonhalbzeit, und noch mal so viele Kürbisse liegen zur Verarbeitung auf den Feldern rund um Rafz bereit. Dass diese Menge auch noch ohne Schaden geerntet werden kann, bereitet ihm derzeit manch schlaflose Stunde. «In den vergangenen Nächten habe ich ein paar Mal gezittert», sagt Pfister. Aber nicht vor Kälte, wie er gleich präzisiert, sondern aus Angst vor einem frühen Frosteinbruch. Denn fallen die Temperaturen auf ein Grad unter null, würden die Kürbisse «glasig» und für den Verkauf unbrauchbar, so Pfister.

Noch läuft die Produktion im Florhof aber auf Hochtouren. Und bleibt der Frost aus, wird sie erst Mitte November beendet sein. Dann geht die Kürbissaison in der Regel zu Ende. Der Genuss der Früchte kann aber noch länger dauern. Manche Kürbissorten bleiben bis zu 14 Monate frisch. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.09.2008, 20:32 Uhr

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