Richterswil hat noch einen Trumpf im Ärmel

Die Richterswiler jassen gut und haben trotzdem verloren gegen Wiedlisbach. Noch besteht aber eine Chance, den «Donnstig-Jass» an den See zu holen.

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Die Wiedlisbacher feiern ihren Sieg und die Richterswiler stehen im Regen – zwar nur im Confettiregen – aber sie machen trotzdem lange Gesichter. Die Berner haben soeben dank ihrem Telefonjasser das Duell der beiden Gemeinden beim Donnstig-Jass gewonnen und feiern ihren Sieg.

Dabei haben die Richterswiler fest an ihren Triumph geglaubt. Vor der Abfahrt mit dem Bus an den Donnstig-Jass sagt Reto Studer, Präsident des Organisationskomitees: «Klar gewinnen wir.» OK-Mitglied Roland Zysset scherzt: «Die anderen jassen, wir holen den Sieg.» Die Richterswiler Jasser selber sind angespannt: «Nervös? Langsam schon», sagt Telefonjasserin Karin Padlina, welche die Jasser und die Fans am Bahnhof verabschiedete. In Wiedlisbach angekommen, prägen die rund 75 Richterswiler mit ihren gelben T-Shirts das Dorfbild und machen auch akustisch auf sich aufmerksam. Das Treichlergeläut der Haaggeri und die Peitschenknaller schallen über Plätze und durch die Gassen, sodass der Regisseur des Schweizer Fernsehens um Ruhe bitten musste – es finden soeben Proben statt.

Der Nachmittag verläuft gemütlich. Die Richterwiler verteilen sich im Dorf, jassen, essen, trinken und plaudern. Als die Generalprobe naht, steigt die Spannung, vor allem bei den an der Sendung aktiv Beteiligten. «Jetzt bin schon etwas nervös», sagt Patrick Ardielli, der als jugendlicher Jasser für Richterswil antritt, kurz vor seinem Probeauftritt. Die Richterswiler schäkern derweil mit dem Komikerduo Sutter & Pfändler und lassen sich die T-Shirts signieren.

Starke Frauen

Dass Richterswil bei der Generalprobe verliert, bringt die Richterswiler nicht aus dem Konzept. «Die Wiedlisbacher wissen so noch gar nicht, wie gut wir wirklich sind», sagt Studer und schmunzelt. Dies beweisen als erstes die Richterswiler Sager. In der Generalprobe haben das Bauernpaar Priska und Jörg Hottinger das Duell gegen Wiedlisbach noch knapp verloren. Als es ernst gilt, bringen die beiden Richterswil gleich in Führung.

Die gute Ausgangslage können Karin und Gaby Padlina in den ersten zwei Runden sogar ausbauen. Mutter und Tochter spielen souverän. Auf den Bänken wird mitgefiebert. Es wird heftig diskutiert, welche Karte die Telefonjasserin Karin Padlina als nächste legen sollte – ihr Blatt ist das einzige, welches die Zuschauenden einsehen können. In der Halbzeit sind sich alle einig, dass sie es nicht besser als Karin Padlina gemacht hätten. Die Richterswiler jubeln und läuten die Treicheln. Sie sind überzeugt, den Vorsprung halten zu können.

Das Blatt wendet sich jedoch zu Gunsten der Berner. Der Telefonjasser der Wiedlisbacher bringt mit einer angesagten und gemachten Nullrunde dem Gastgeber die knappe Führung. Das erste Mal macht sich nun Nervosität auf den Festbänken bemerkbar. Als Richterswil die letzte Runde verliert, ist die Enttäuschung riesig. «Die ganze Arbeit war für die Katz, und hat uns viel Geld gekostet», hält Studer im ersten Frust fest. Gemeinderat und OK-Mitglied Hans-Jörg Huber (FDP) sagt: «Ich bin Optimist und werde manchmal von der Realität eingeholt.» Auch Jasskönig Edi Rothlin sagt: «Ich bin enttäuscht.»

Eine kleine Hoffnung bleibt

Die Chance, den «Donnstig-Jass» trotz der Niederlage nach Richterswil zu holen, besteht noch. Eine Ortschaft darf das Spiel nämlich nur dreimal austragen. Gewinnt eine Gemeinde drei Mal zu Hause, erhält der beste Verlierer den Zuschlag für die folgende Sendung. Wiedlisbach hat bereits zwei Mal den Sieg geholt. Richterswil würde Gastgeber des «Donnstig-Jass», falls Samedan in einer Woche mit mehr als 60 Differenzpunkten gegen Wiedlisbach verlieren sollte. Mit so vielen Punkten unterlag Richterswil dem Gastgeber. Oftmals reicht dieses vergleichsweise gute Resultat für einen Sieg beim «Donnstig-Jass». Trotz Niederlage und Enttäuschung: Zwischen den Richterswiler Organisatoren und ihren Berner Kollegen hat sich eine Freundschaft angebahnt. So werden die Richterswiler in einer Woche wieder an den «Donnstig-Jass» nach Wiedlisbach fahren. Im Gegenzug besuchen die Berner die Räbechilbi in November. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.08.2008, 07:25 Uhr

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