Santé, Prost

Philipp J. Baur weiss, wie man Räume inszeniert: Im Kreis 3 hat er aus einer Kaschemme kurzerhand ein atmosphärisches französisches Trinklokal gezimmert.

Laissez-faire erwünscht: Philipp J. Baur in seinem Reich.

Laissez-faire erwünscht: Philipp J. Baur in seinem Reich.

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Der französische Begriff «Buvette» lässt sich am treffendsten mit Trinklokal übersetzen. Und so handelt es sich auch bei der neu eröffneten Buvette Philipp’ an der Weststrasse um ein Gasthaus, in dem in erster Linie das Flüssige zelebriert wird. Gastgeber Philipp J. Baur setzt auf ein ähnliches Konzept wie zuvor in seinem gleichnamigen Lokal bei der Schmiede Wiedikon – vor ziemlich genau zwei Jahren musste er den alten Standort verlassen, weil die Hausbesitzer dort kein Restaurant mehr dulden wollten. Seither war der frankophile Baur auf der Suche nach einer neuen und zugleich auch grösseren Bleibe, die er nun also im gleichen Quartier gefunden hat.

Ab fünf Uhr abends kann man sich an eines der Marmortischchen setzen. Mit einem Pastis Henri Bardouin (6.50 Fr. / 2 cl) stösst man an auf den alten Parkettboden, der beim Umbau unter sieben Schichten Linoleum hervorgeholt wurde. Gut zu sehen: die vielen kleinen Löcher im Holz. Sie stammen von den vielen Nägeln, mit denen die Vorgänger einst die Kunststoffbeläge fixiert hatten.

Mit einem Glas Crémant d’Alsace von der Domaine Gruss (8.50 Fr. / dl) bringt man einen Toast aus auf die Szenerie. Man merkt es dem schmucken Lokal an, dass Betreiber Baur – unterstützt wird er von den Eichhörnli-Chefs Nadine und Pascal Erb – früher mal Ausstattungsleiter für Film- und Fernsehproduktionen war: Sei es die neue Eisensäule in der Mitte des Raums, seien es die Art-déco-Kronleuchter oder der Bärenkopf neben dem Bartresen – die Buvette wirkt, als wäre die Einrichtung über Jahre organisch gewachsen. Zum Interieur passt, dass nur Chansons und Jazzmusik aus den Boxen perlen. In den ersten Wochen seien, so der Gastgeber, von diesem Ambiente sowohl frühere Stammgäste als auch jüngere Besucher, die sich im Kreis 3 offensichtlich wohlfühlen, angezogen worden.

Mit einem fruchtigen Calvados von der Domaine L. Dupont (8.50 Fr. / 2 cl) prostet man dem Bild Hemingways an der Wand zu. Und mit dem Kronenbourg-Bier 1664 (4.50 Fr. / 2,5 dl), das danach zum Spülen bestellt wird, lässt sich auf die Tatsache picheln, dass hier bereits seit 1896 ein Wirtshaus besteht – deshalb auch die ominöse Jahreszahl im Logo des Lokals. Und irgendwann im Laufe des Abends bestellt man ein ordentliches Plättli mit Speck, Schinken und Käse (9.50 Fr.). Etwas feste Nahrung kann, je länger der Abend dauert, auch in einer Buvette nicht schaden. (Zueritipp)

Erstellt: 04.09.2013, 16:36 Uhr

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