Scheuer Mörder

Ein Häftling hat als einzigen Freund einen Aal. Dafür gabs 1997 in Cannes die Goldene Palme.

Takuro (Koji Yakusho, r.) findet bei anderen Menschen wenig Verständnis.

Takuro (Koji Yakusho, r.) findet bei anderen Menschen wenig Verständnis.

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Aufgerüttelt durch einen anonymen Brief, überrascht Takuro seine Frau mit einem anderen im Bett. Er greift sich ein Fleischermesser und sticht auf die beiden ein, das Blut spritzt wie in einem Samuraifilm. Über und über besudelt, stellt sich Takuro der Polizei.

Koji Yakusho spielt den Büroangestellten als zurückhaltenden, ruhigen Mann, dessen unterdrückte Gefühle sich gewaltsam Bahn brechen. Seine intensive Darstellung bescherte ihm international viel Aufmerksamkeit. 1997 gewann der Film die Goldene Palme in Cannes.

Takuro wird zu zehn Jahren verurteilt, aber auf Bewährung entlassen. Auf dem Weg in die Freiheit trägt er einen Plastikbeutel bei sich, in dem ein Aal schwimmt. Der Fisch war sein einziger Freund im Gefängnis. «Aber wieso ein Aal?», fragt ihn ein Wärter. Takuros Antwort: «Weil er sich anhört, was ich zu sagen habe.»

Bei aller Tragik ist Shohei Imamuras Film auch voller Humor. Yakusho beweist komisches Talent, wenn sein Takuro nach der Entlassung dem Bewährungshelfer wie ein Roboter hinterherläuft: Das hat er sich beim Hofgang im Gefängnis so angewöhnt.

Unter der Aufsicht des Bewährungshelfers eröffnet Takuro einen Coiffeursalon. Eines Tages stösst er auf den leblosen Körper einer jungen Frau (Misa Shimizu). Sie hat versucht, sich mit Schlaftabletten das Leben zu nehmen. Dank seines Einsatzes kommt sie davon. Um sich für die Umstände zu entschuldigen, hilft sie ihm im Salon aus. Doch er hat Angst, dass jemand seiner Vergangenheit auf die Schliche kommen könnte. Und dann setzt ihn auch noch ein ehemaliger Mithäftling unter Druck – eine erneute Eskalation scheint unausweichlich. (Zueritipp)

Erstellt: 25.02.2015, 15:41 Uhr

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