Schöner Hacken

Das britische Kult-Electronica-Duo Autechre entfesselt fraktale Soundwelten.

Für einmal ohne ihre Maschinen: Rob Brown und Sean Booth.

Für einmal ohne ihre Maschinen: Rob Brown und Sean Booth.

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Vor nicht allzu langer Zeit, da betrieben Autechre ihre Selbstdemontage. Rob Brown und Sean Booth kopierten ihre Discogs-Site – ein ­Online-Nachschlagewerk – und schickten sie in eine Cyberdimension, die den Weltentwürfen eines M.C. Escher glich. Buchstaben purzelten und formierten sich neu, Plattencover lösten sich in fraktalen Wirbeln auf. Je länger man sich den Hoax reinzog, umso bizarrer wurde es. Dazu erklang, logisch: Musik von Autechre. Ein Dickicht aus Gekraschel und Geplocker. Gewachsen dank Algorithmen und Studiofleiss.

Die Aktion – quasi ein Hack in eigener Sache – ist nur eine Fussnote im fünfundzwanzigjährigen Werk des Manchester-Duos: Autechre haben einen der raffiniertesten und rätselhaftesten Kataloge der elektronischen Musik erschaffen. Aber der Kommentar passte, weil Autechre sich von jeher selbst dekonstruieren. An einer Stelle ihres neuen Albums «Elseq» taucht ein Hardcore-Signal auf, das sie genüsslich zerfleddern. Ein Echo aus ihrer Rave-Vergangenheit circa 1991, als sie selbst noch Techno machten.

So lang schon sind Autechre Aushängeschilder des stilbildenden Sheffielder Labels Warp. Brown und Booth verhandeln ihre Alben auf so etwas wie einer Zugänglichkeitsskala: Manchmal klingen sie populärer, dann wieder abstrakter. Gerade hier steckt die Tiefgründigkeit dieses Sounds: Was einmal unschuldig klingt, wird garantiert wieder vom Krach brutalisiert. Auf «Elseq» sind es lange Schluchten, durch die man als Zuhörer wandelt oder – besser – traumwandelt. Während über, hinter und vor einem Soundgeröll darniederbricht. Total vier Stunden Material haben sie aufgenommen. «Long-as-fuck-tracks», wie Autechre selbst meinen. Ein Soundtrack für die Bingee-Generation, die es gewohnt ist, sich fünf Folgen einer TV-Serie am Stück reinzuziehen.

Autechres Maschinenmagie wirkt. Und jedes Liveset ist anders, dafür sorgen die programmierten Patches, die Autechre immer neu bespielen. Sie verklickern einem dies: ein schönes Geheimnis.

Erstellt: 02.11.2016, 14:59 Uhr

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