Seltene Bachmuscheln umgesiedelt

Eine der letzten Populationen von Bachmuscheln war durch eine Baustelle in Regensdorf gefährdet. Die Tiere wurden deshalb umgesiedelt.

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Rund 200 Bachmuscheln leben heute noch im Furtbach bei Regens­dorf. Sie stellen eines von lediglich fünf Vorkommen in der Schweiz dar. Wie gross die anderen vier Bestände sind, ist nicht in allen Fällen klar. Neben dem Furtbach kommen die Bachmuscheln in einem wei­tern Gewässer auf Kantonsgebiet vor, weshalb dem Kanton Zürich «eine beson­dere Verantwortung für die vom Ausster­ben bedrohte Art» zukomme, sagt André Hofmann vom Arten- und Bio­topschutz der Fachstelle Naturschutz.

Zementwasser bedroht die Bachmuschel

Die Muscheln leb­ten im Furtbach nahe bei Watt. Mit der Sanierung der Dorfstrasse, in deren Verlauf die Bachunter­führung verbreitert wird, hätten die Muscheln laut Hofmann bei­spielsweise durch Zementabwasser be­droht werden können. «Die Bauarbeiten wurden so geplant, dass der Bach mög­lichst wenig beeinträchtigt wird, doch um das Restrisiko auszuschliessen, haben wir uns für eine Umsiedelung entschlossen.» Ein von der Fachstelle damit beauftragter Biologe nahm die Umsiedelung der Mu­schelpopulation vor.

Um die Bachmuschel vor dem endgülti­gen Verschwinden aus heimischen Ge­wässern zu bewahren, wird laut Hofmann auf die Aufwertung und Pflege der beste­henden sowie möglicher neuer Lebens­räume gesetzt. «Die Bachmuschel benötigt in erster Linie ausgesprochen saubere, na­turbelassene Gewässer.» Wichtig ist, dass die Bachsohle unversehrt bleibt. Bewach­sene Ufer schützen den Lebensraum der Bachmuschel.

Bestände innert 50 Jahren stark dezimiert

Mit einem Aktionsplan wurden 2004 die Bestände erfasst und Massnahmen zu de­ren Schutz und Erhaltung definiert. Ohne sie wäre die Bachmuschel in den nächsten Jahren vom Aussterben bedroht. Um die Bestände zu halten und allenfalls sogar vergrössern zu können, werden vor allem Anstrengungen unternommen, die Was­serqualität und die Beschaffenheit des Le­bensraums zu verbessern. Weiter wird versucht, in geeigneten Gewässern neue Populationen wieder anzusiedeln. Damit wird auch der genetischen Isolation entge­gengewirkt. Da die Muschel zu ihrer Ver­breitung auf Wirtsfische angewiesen ist, kommt diesen ebenfalls grosse Bedeutung zu. So muss den Fischen die Wanderung in den Gewässern möglich sein, was aber Kunstbauten oft verhindern.

Anfang des letzten Jahrhunderts war die Bachmuschel in fast allen Ge­wässern des Mittellands heimisch. Ab dann und besonders ab den 50er­ Jahren nahmen die Be­stände rasch ab. Haupt­verantwortlich dafür ist die Intensivierung der Landwirtschaft und der Besiedelung, welche die Gewässer durch Dünger und Siedlungsab­wässer übermässig belastete. Der Aktions­plan der Fachstelle Naturschutz hält dazu fest, dass die stärksten Verschmutzungen zwar behoben seien, für die Muscheln al­lerdings noch keine «deutliche Trend­wende zum Besseren» erkennbar sei. Im Kanton Zürich laufen daher seit über zehn Jahren Förderprogramme für die Bachmu­schel.

Eine Art bereits ausgestorben

Die Bachmuschel gehört zur Familie der Teich- und Flussmuscheln, von denen in der Schweiz sechs Arten vertreten sind – eine weitere ist bereits ausgestorben. Die Bachmuschel kann bis zu sechs Zentime­ter lang und gegen 20 Jahre alt werden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.08.2008, 19:19 Uhr

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