Seung-Yeun Huh tritt im Flügelsaal in Bülach auf

Die Pianistin aus Südkorea lebt mit ihrer Familie in Bassersdorf. Ende September eröffnet sie die Klassik@bülach-Konzertreihe.

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Wenn Seung-Yeun Huh im Flügelsaal in Bülach die ersten Takte von «Au bord d'une source» anschlagen wird, werden zwei Herren aus- und das Publikum tief einatmen. Hofft jedenfalls die Pianistin aus Bassersdorf. Dieses Stück aus der Schweizer Zeit der «Années de Pèlerinage» – der Wanderjahre – von Franz Liszt gehört zum Programm der Pianistin, das sie zum Auftakt der neuen Konzertsaison von klassik@bülach spielen wird.

Die Verantwortlichen dieser Konzertreihe, Thomas Zaugg von der Lesegesellschaft Bülach und Daniel Rimensberger von Musik Hug, der Künstlerische Leiter von klassik@bülach, werden wahrscheinlich aufatmen. Ihre Anstrengung, bis April 2009 fünf klassische Konzerte mit dem Klavier als Mittelpunkt zu organisieren, wird bereits mit Seung-Yeun Huh als Pianistin mit einem Höhepunkt beginnen.

Die Pianistin, die normalerweise in Konzertsälen wie der Carnegie-Hall in New York oder der Tonhalle in Zürich auftritt, wird neben Liszt auch zwei Klaviersonaten von Joseph Hayden spielen. Klassik und Romantik – für die Pianistin eine wunderbare musikalische wie intellektuelle Ergänzung. «Ich muss mich mit einem Werk und seiner Geschichte erst richtig auseinandersetzen», sagt Seung-Yeun Huh. So könne sie Gefühle für ein Werk entwickeln, die sie in ihrer Art zu spielen, auszudrücken versuche. «Am Anfang habe ich mit dem Namen Franz Liszt vor allem Virtuosität verbunden», sagt sie. Aber jetzt wisse sie um sein turbulentes Leben und seine legendäre Rastlosigkeit.

Bassersdorf als Ruhepol

Diese Rastlosigkeit – Seung-Yeun Huh schüttelt unmerklich den Kopf. Sie selber habe zwar mit 16 Jahren ihr Elternhaus in Seoul, Südkorea, verlassen, um in Deutschland Klavier zu studieren, aber seit gut 14 Jahren ist Bassersdorf für sie und ihre Familie der Ruhepol in ihrem hektischen Leben geworden. Ein Leben zwischen Tourneen, Musikeinspielungen und ihrer Tätigkeit als Vizedirektorin des Zürcher Konservatoriums für Klassik und Jazz. Auch wenn sie und ihr Mann, der Pianist und Klavierprofessor Eckart Heiligers, Bassersdorf eigentlich wegen seiner idealen Lage zum Flughafen ausgewählt hatten. «Wir haben oft so früh eingecheckt, dass wir vor dem Abflug noch zu Hause üben konnten», sagt die Pianistin. Doch jetzt fühlen sie, ihr Mann und ihre Tochter sich dort einfach nur wohl. Ihre Tochter spiele zwar auch Klavier und Cello – aber nur zu ihrer eigenen Freude wie Seung-Yeun Huh betont.

In ihrer Heimat Korea spiele fast jedes Kind Klavier. «Das gehört zum guten Ton». Auch dass man eher die klassische europäische Musikliteratur kenne als die eigene koreanische. Sie selber stammt aus einer Künstlerfamilie. Von ihren fünf Geschwistern sind drei Schwestern ebenfalls Musikerinnen. Mit zweien wird sie demnächst in Korea auf Tournee gehen. Die Konzertatmosphäre in Korea sei komplett anders, sagt die Pianistin. Dort spiele man in Hallen mit bis zu 4000 Plätzen, dort erkenne man kein Publikum, weil der Saal selber stockdunkel und nur der Künstler ausgeleuchtet werde. In Asien heisst es vor allem, während des Spiels sich selber zu sein. Hier in Europa hingegen sei alles intimer, spannungsreicher.

Flügel locken Künstler an

In Bülach zum Beispiel komme in dem kleinen Flügelsaal ein regelrechtes Knistern auf, wenn die Chemie zwischen Publikum und Künstler stimme, beobachtete Seung-Yeun Huh. Diese Art von Spannung hervorzukitzeln, sei bei ihrem Eröffnungskonzert am 28. September das Ziel.

Neben dieser künstlerischen Herausforderung locken vor allem die besonderen Musikinstrumente – also die Flügel – die Künstler nach Bülach, sagt Daniel Rimensberger. Diese Saison werden der Pianist Luca Monti, das Gershwin Piano Quartett und das Trio della Pietra auftreten. Das Publikum habe letztes Jahr die getroffene Auswahl an Musikern sehr goutiert, sagt Rimensberger. Eigentlich hatte man bei klassik@bülach mit durchschnittlich 80 Zuhörern pro Konzert gerechnet, geworden sind es rund 100 Zuhörer. «Wirklich ein grosser Erfolg», sagt Thomas Zaugg und verweist darauf, dass das Darlehen der Bülacher Lesegesellschaft für klassik@bülach nach Ende dieser Saison zurückbezahlt werden kann. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.09.2008, 20:57 Uhr

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