Smartphone soll Hotelaufenthalt angenehmer machen

Vom Check-in an der Rezeption bis zum Drink am Pool alles per Smartphone erledigen: Hotels hoffen, dass Gäste dank mehr Komfort mehr Geld ausgeben. Noch gibt es aber Hürden.

Die Warteschlange umgehen: Mobile-Check-in-Schalter im Marriott-Hotel in New York. (14. Oktober 2014)

Die Warteschlange umgehen: Mobile-Check-in-Schalter im Marriott-Hotel in New York. (14. Oktober 2014) Bild: Keystone

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Lange Warteschlangen eincheckender Gäste an der Hotelrezeption sollen in den USA bald ein Ende haben. Oder besser gesagt: Die gesamte Anmeldung könnte demnächst mancherorts abgeschafft werden.

Funktionieren soll das mit neuen Smartphone-Programmen, die das Check-In deutlich beschleunigen. Gäste mehrerer Hotelketten können dann direkt zu ihren Räumen gehen und die Tür per Mobiltelefon öffnen – und nicht nur das.

Den Drink am Pool per App bestellen

Als Vorbild dienen den Hotels diejenigen, die die Gäste meist zu ihnen gebracht haben: Fluglinien. Passagiere können schon seit längerem vor dem Flug mit Hilfe ihrer Handys einchecken, Sitzplätze auswählen und die Geräte gar als Bordkarten nutzen. Mehreren Hotels schwebt eine ähnliche Vision für ihre Übernachtungsgäste vor. Diese könnten vielleicht bald alles bis hin zum Drink am Pool mit einer Smartphone-App ordern.

Die weltweit aktive Kette Starwood Hotels & Resorts war am Montag die erste, die Gäste die Türen zu ihren Zimmern mit ihren Telefonen öffnen liess. Den Service bietet Starwood bislang erst in zehn Häusern an, will ihn aber bis Mitte kommenden Jahres auf 140 weitere ausweiten.

Besonders für Geschäftsreisende interessant

«Die Gäste wollen das, weil es ihr Leben einfacher macht», sagt Mark Vondrasek, der bei Starwood für Kundenbindungsprogramme und digitale Initiativen zuständig ist. «Die Möglichkeit, direkt zu ihren Räumen zu gehen, gibt ihnen Zeit zurück.»

Besonders für Geschäftsreisende ist Zeitersparnis ein entscheidender Faktor. Das bestätigt auch Bruce Craven aus Kalifornien, der nach eigenen Angaben rund 100 Nächte pro Jahr in Hotels verbringt und die Starwood-App seit März testet:«Wenn Sie die ganze Zeit reisen, können kleine Dinge von symbolischer Wichtigkeit für Sie sein. Das ist dann eine Sache weniger, an die ich denken muss.»

Als einzige weitere Hotelkette hat Hilton ähnliche Pläne für mobile Zimmerschlüssel bekanntgegeben. Diese Neuerung werde aber erst Ende 2015 in einigen US-Hotels eingeführt, heisst es vom Konzern. Wie viele Häuser genau mit dem Dienst ausgestattet werden, darüber hüllt sich Hilton noch in Stillschweigen. Nur so viel ist bekannt:Per Smartphone ins Zimmer sollen Gäste der Konzernmarken Hilton, WaldorfAstoria, Conrad und Canopy gelangen.

Weitere Pläne mit Smartphones

Andere Unternehmen nutzen auch das Handy, fokussieren sich aber auf andere Wege, um lange Wartezeiten beim Einchecken zu verhindern. Bei Marriott International wird seit vergangenem Jahr in 330 nordamerikanischen Hotels ein SMS-Service genutzt, der bis Ende 2014 auf alle 4000 Hotels weltweit ausgeweitet werden soll. Die Gäste bekommen eine Textnachricht, sobald ein Raum frei wird. Programmierte Zimmerschlüssel können dann an der Rezeption an einem schnelleren Schalter abgeholt werden. Die Hotelgruppe InterContinental testet eine vergleichbare Expressanmeldung derzeit in 60 Häusern.

Auch das Hilton will am Ende des Jahres solch eine Anmeldung in seinen weltweit knapp 4000 Hotels anbieten. Dabei gibt es eine Besonderheit: Die Gäste können ein spezielles Zimmer auswählen, das sie als ihren favorisierten Übernachtungsort auf einer Karte in der App auserkoren haben.

Dienst soll freiwillig bleiben

Arbeitsplätze sollen die Neuerungen nicht kosten, versprechen die Hotelgruppen. Auch der klassische Check-In an der Rezeption werde für Gäste beibehalten, die persönlichen Kontakt schätzten, heisst es.

«Am Ende eines langen Tages legen Sie vielleicht keinen Wert mehr auf ein Schwätzchen», sagt Brett Cowell, Vizepräsident für IT bei Hyatt. «Aber wenn Sie an einem neuen Urlaubsort auftauchen, könnten Sie wissen wollen, wann der Pool offen ist.»

Diese Änderungen im Hotelgewerbe sollen aber nicht nur den Frust am Ende langer Rezeptionswarteschlangen eindämmen. Die Hotelketten hoffen auch, dass Reisende verstärkt durch ihre Mobilgeräte mit ihnen kommunizieren und – in manchen Fällen – gar ihr iPad zum Bitten um einen Weckruf gebrauchen.

Gäste sollen mehr Geld ausgeben

Letztendlich wollen die Hotels so erreichen, dass die Gäste komfortabler an Upgrades, Spa-Angebote oder Zimmerservice gelangen – und so mehr Geld dafür ausgeben. Buchungen per mobiler App brachten dem Marriott bereits im vergangenen Jahr knapp 1,25 Milliarden Dollarein, berichtet der Vizepräsident für IT des Konzerns, George Corbin. Tendenz steigend.

Der Wechsel zu Smartphone-Zimmerschlüsseln wird jedoch nicht einfach. Die App von Starwood etwa arbeitet mit einer Bluetooth-Verbindung, jedes Hotelzimmer muss deshalb mit einem neuen Schloss ausgestattet werden, das mit Telefonen kommunizieren kann. Bislang kann zudem lediglich ein Handy pro Zimmer als Schlüssel genutzt werden – wenn sich also zwei Personen ein Doppelzimmer teilen, braucht der zweite Reisende einen traditionellen Schlüssel.

Hinzu kommt der Sicherheitsaspekt. Wenn jemand beispielsweise in der Nacht an eine Tür klopft und man durch den Spion nachschaut, wer einen nachts besuchen kommt, möchte man wohl eher nicht, dass das Smartphone in der Hosentasche versehentlich die Tür öffnet. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.11.2014, 20:28 Uhr

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