Sommerarbeiter sind auch ohne Ferien zufrieden

Gewisse Jobs erlauben keine Sommerferien. Kein Problem für die fleissigen Sommerarbeiter an der Goldküste: Sie haben ein spezielles Verhältnis zur Arbeit.

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Während die einen noch Cuba libre an Sandstränden schlürfen, schneebedeckte Gipfel erklimmen oder im heimischen Gärtchen an der Goldküste die Beine strecken, haben für andere die Sommerferien gar nie begonnen. In einigen Berufen fällt gerade im Sommer besonders viel Arbeit an: Bauern müssen Obst lesen, Bademeister über die Schwimmenden wachen und das Servicepersonal in Gartenbeizen den Gästeansturm bewältigen.

Der Uetiker Landwirt Urs Tanner kann während des ganzen Jahres nicht über einen Mangel an Arbeit beklagen, doch seit einigen Wochen hat er alle Hände voll zu tun: Von Mitte Juni bis Mitte Juli hat er Kirschen geerntet. Nun muss er die Äpfel der frühen Sorten pflücken und Zwetschgen lesen. Während er mit Ertrag und Verkauf der Kirschen sehr zufrieden ist, fällt die Zwetschgenernte bis jetzt schlecht aus: «Das liegt an den schlechten Bedingungen, die wir im Frühling hatten.» Nebst der Obstlese kümmert sich Tanner im Sommer auch um die Getreide- und die Futterernte. Denn auf dem Hof leben 20 Kühe, 18 Kälber und 500 Legehennen.

Ferienbedürfnis ist nicht gross

Mit seiner Mutter und einem Angestellten führt Tanner den Hof, welchen er von seinen Eltern übernommen hat. Für Sommerferien hat er keine Zeit: «Im Sommer nehme ich mir höchstens mal ein, zwei Tage frei. Aber nur, wenn das Wetter zum Arbeiten ungünstig ist.»

Doch wie ist es, wenn man krampfen muss, während viele andere ihre Arbeit für einige Zeit niederlegen? Er sei nicht neidisch auf die Leute in den Ferien, sagt Tanner: «Ich mache meinen Job mit viel Leidenschaft. Darum ist mein Ferienbedürfnis nicht gross.» Auf dem Bauernhof habe er zudem viel Abwechslung. Trotzdem: Wenn er Zeit findet, nimmt sich Tanner im Winter Ferien. «Aber dann maximal eine Woche!»

Auch für die Zürcherin Verena Hoch, seit sieben Jahren Bademeisterin im Seebad Zollikon, sind Ferien im Sommer tabu. In der Saison, die von Mitte Mai bis Mitte September dauert, arbeitet sie praktisch durchgehend. Kein Wunder, denn die ersten Badewütigen sichern sich ihr Plätzchen bereits morgens um halb zehn.

Es sei bis jetzt ein guter Sommer, sagt Hoch. An schönen Tagen seien bis zu 700 Badegäste ins Seebad gekommen, darunter auffallend viele Touristen. Das Geschäft trübten höchstens die wenigen Parkplätze und die Nähe zu den Stadtzürcher Badeanstalten. Abwechselnd mit zwei Arbeitskollegen hält sie Aufsicht über die Badenden oder steht im Kiosk hinter der Theke. Das Arbeiten inmitten all der Ferienstimmung fällt ihr nicht schwer: «Ich habe einen wunderschönen Arbeitsplatz in Zollikon. Wenn der See am Morgen noch ganz ruhig ist, gefällt es mir am besten.» Zu ihrer Freizeit kommt Hoch im Winter: «Dann müssen es aber nicht unbedingt Badeferien sein.»

Arbeit im Leuegärtli fast wie Ferien

Marcel Bussmann, Wirt des Meilemer Löwen, trauert während des Sommers den Ferien ebenfalls nicht nach: «Bei der Arbeit im Leuegärtli direkt am Seeufer fühle ich mich fast wie in den Ferien.» Leicht zu verstehen ist das nicht, sind doch die 120 Sitzplätze an einem schönen Sommertag zwei- bis dreimal besetzt. Damit das Servicepersonal des Löwen trotzdem zu ein paar Freitagen kommt, helfen Studenten in den Sommerferien aus. Ganz ohne echte Ferien geht es aber auch bei Bussmann nicht. Im Januar und Februar, wenn im Wirtshaus nicht viel läuft, geht es an den Strand.

In etwas mehr als einer Woche sind die grossen Schulferien zu Ende. Und wenn die Ferienrückkehrer wieder bis zum Hals in der Arbeit stecken, gönnen sich vielleicht auch die Sommerarbeiter der Goldküste ihre wohlverdiente Pause. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.08.2008, 09:56 Uhr

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