Spannender Einblick in die Vergangenheit

Zeitmaschinen sind leider noch nicht erfunden. Trotzdem reist das Dorfmuseum Hombi mit der Ausstellung «Hombrechtikon in den 60er-Jahren» in unsere Vergangenheit.

Pro-Hombrechtikon-Mitglied Barbara Krause erinnert mit ihrer Ausstellung an die Sechzigerjahre.

Pro-Hombrechtikon-Mitglied Barbara Krause erinnert mit ihrer Ausstellung an die Sechzigerjahre. Bild: Gesa Lüchinger

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Betritt man das Dorfmuseum in Hombrechtikon, zieht man mit Vorteil den Kopf ein. Das Stricklerhaus steht bereits seit 300 Jahren, was sich unter anderem durch die niederen Decken bemerkbar macht. Obwohl draussen die Sonne angenehm wärmt, ist es im Innern des Hauses kalt. Und mit jedem Schritt knarrt der Holzboden. Ein bisschen ist es, als sei die Zeit darin stehen geblieben.

Das passt. Schliesslich geht es auch in der aktuellen Ausstellung im Dorfmuseum um Vergangenes: «Hombrechtikon in den Sechzigerjahren» heisst die Ausstellung, welche von Barbara Krause ins Leben gerufen wurde. Krause, Vorstandsmitglied von Pro Hombrechtikon, erklärt: «Wir Vereins-mitglieder organisieren ein bis zwei Ausstellungen pro Jahr im Stricklerhaus.» Da der Verband zum Schutze des Lützelsees heuer sein 40-Jahr-Jubiläum feiert, blieb ihnen die Themensuche für diese Ausstellung erspart. Dank des Jubiläums lag es auf der Hand, die Zeit von damals darzustellen. Zusammen mit drei weiteren Vereinsmitgliedern packte Krause der Ehrgeiz, und man beschloss, sich nicht nur auf Fotos zu beschränken, sondern so viel Aspekte der damaligen Zeit wie möglich auszustellen. «Ziel war es, die Sechziger auferstehen zu lassen.»

Eintauchen in alte Zeiten

Barbara Krause führt durch das Haus. Gleich beim Eingang befindet sich das gemütliche Wohnzimmer, in dessen Mitte ein grosser Holztisch steht. Links daneben thront der grüne Kachelofen, der in den Wintermonaten beheizt wird. Dahinter liegt die Küche. Durchquert man diese, gelangt man in einen nun als Schulzimmer hergerichteten Raum. Eine alte Wandtafel, ein historisches Pult mit Schreibfeder, sogar ein Rechenschieber – alles ist vorhanden. An der Wand hängt eine Schweizer Karte. Stundenlang könnte man sich in Schulhefte von anno dazumal vertiefen, die netterweise von Gemeindebewohnern zur Verfügung gestellt wurden. Auch historisch Interessierte kommen auf ihre Kosten: An den Wänden wurden Statistiken zu den Klassengrössen angebracht, daneben hängen Plakate mit Chroniken und ausführlich beschrifteten Fotos.

Ein Holztreppe führt hinauf in den ersten Stock: Zwei grosse Plakate erinnern an die weltpolitisch wichtigen Ereignisse der Sechziger, wie zum Beispiel der Vietnamkrieg oder der Prager Frühling. Ein kleines Zimmerchen gleich daneben frönt dem Musikverein Harmonie – mit Musiknoten und einem sogar noch funktionierendem Radio von damals. Auch der Sängerverein Hombrechtikon samt Fahne, Fotos und etlichen Pokalen wird hier gebührend geehrt. In einem weiteren Raum steht eine lebensgrosse Puppe, die Blusen und Schürzen an die Wäscheleine hängt. Ausserdem sind Baupläne und Erhebungen der Bevölkerungsentwicklung samt dem enormen Zuwachs Anfang der Sechzigerjahre zu begutachten. Der Dachstock bietet den heutigen Vereinen wie den Kunstradfahrern oder dem Turnverein eine Plattform.

Von Mythen umrankt

Das Dorfmuseum feierte 1990 im Stricklerhaus seine Eröffnung. Wie so oft in alten Häusern, geht es auch hier nicht ganz ohne sagenumwobene Vergangenheit: Bis 1980 bewohnte eine alte alleinstehende Frau das Gebäude. Irgendwann zog dann ein jüngerer Untermieter bei ihr ein – ganz zur Freude der klatsch-fidelen Gemeinde. Anscheinend hatte die alte Dame die Gerüchteküche irgendwann satt und heiratete ihren Untermieter kurzerhand. Von Liebe zwischen den beiden könne allerdings nie die Rede gewesen sein, sagt die Initiantin.

Krause betont, wie sehr es ihr Spass machte, die Ausstellung herzurichten. «Schade, kamen zur Vernissage nur 40 – mehrheitlich ältere – Leute. Der Sonntag lockte dafür 100 Interessierte an. Alle hatten positive Worte übrig», erzählt sie. Und fügt an, dass sich der Stress auf jeden Fall gelohnt habe. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.09.2008, 22:10 Uhr

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