Sparen steht bei ihr nicht zuvorderst

Als Teenager hat Cornelia Wolf für sich Gott entdeckt. Sie findet, christliche Werte sollten in der Politikstärker gewichtet sein, und kandidiert daher für die EDU.

Sie ist gerne in der Natur: Cornelia Wolf in der Winterlandschaft beim Lützelsee.

Sie ist gerne in der Natur: Cornelia Wolf in der Winterlandschaft beim Lützelsee. Bild: Dominique Meienberg

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Es brauchte Überzeugungsarbeit, auch vonseiten ihres Mannes, damit Cornelia Wolf sich bereit erklärte, sich porträtieren zu lassen. Sie kandidiert für die EDU, die Eidgenössisch-Demokratische Union. Als Cornelia Wolf uns die Tür öffnet, fühlen wir uns jedoch sehr willkommen. Sie wohnt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern - ein 9-jähriger Bub und ein 7-jähriges Mädchen - in einem Doppeleinfamilienhaus in Hombrechtikon.

Das Quartier ist kleinteilig, mittelständisch, «wie ein Dörfli im Dorf», sagt sie. Mit unserer Erwartung, eine schüchterne, vielleicht sogar frömmlerische Frau anzutreffen, liegen wir völlig falsch. Cornelia Wolf, Jahrgang 1971, ist offen und eloquent. Sie hat zwar gewünscht, dass ihr Mann beim Gespräch anwesend ist, weil es ihr dann wohler sei. Er sitzt mit am Kaffeetisch, mischt sich aber nicht ein.

«Zu Gott gefunden»

Cornelia Wolf ist in Männedorf aufgewachsen. Ihr Vater war dort selbstständiger Gärtner. Sie hat die Handelsmittelschule abgeschlossen, einen Sprachaufenthalt in England gemacht. Sie findet: «Es ist gut, wenn man eine Weile im Ausland lebt.» Mit 26 wollte sie noch einmal etwas ganz anderes tun: Sie machte eine Gärtnerlehre.

Bereits als Teenager habe sie den Weg zu Gott gefunden, erzählt sie. «Es war ein befreiendes Gefühl, als ich erkannte, dass ich Gott nicht gleichgültig bin und er mich so liebt, wie ich bin.» Sie engagierte sich in der Jungen Kirche, später in verschiedenen Freikirchen. Heute sind sie und ihr Mann Mitglieder der lokalen Methodistenkirche.

Über ihren Mann, der Parteipräsident der EDU des Bezirks Meilen ist, kam sie dann auch zu dieser Partei. Sie sei mit ihm aber nicht immer einer Meinung, sagt sie. So gehört die EDU im Kantonsrat zu jenen Parteien, die strikte sparen und die Steuern senken wollen. «Das steht bei mir nicht zuvorderst.» Sie interessiere vor allem die Familienpolitik.

Ein Plädoyer für Mütter

Wenn sie von Familienmodellen spricht, bezieht sich das auf die traditionelle Vorstellung. Dass homosexuelle Menschen Kinder adoptieren können, gehört nicht dazu. «Ich finde einfach, dass es für das Kind wichtig ist, dass es eine Mutter und einen Vater hat.» Aber dann fährt sie fort: «Gott liebt alle Menschen, und jeder sollte so leben können, wie es für ihn stimmt. Ich muss damit nicht einverstanden sein.» Sie finde es nur schade, dass die EDU oft auf dieses Thema r

eduziert wird. «Es ist ja nicht so, dass wir keine anderen Themen hätten.»

Sie ärgert sich über die Aussagen, dass viel Wissen brachliege, wenn eine Frau sich dafür entscheidet, einfach Mutter zu sein, solange ihre Kinder klein sind. «In welchem Beruf kann man mehr Allgemeinwissen so umfassend gebrauchen als im Umgang mit den Kindern?» Und wie stellt sie sich zum Thema Frauenförderung in der Politik? «Politik ist wichtig, Frauen sollen daran teilnehmen können, wenn sie das wollen.»

«In welchem Beruf kann man mehr Allgemeinwissen so umfassend gebrauchen als im Umgang mit den Kindern?»Cornelia Wolf, Kandidatin der EDU

Die Wolfs leben seit Anfang 2009 in Hombrechtikon, ein Dorf mit einem kleinen bisschen Seeanstoss und auf dem Rücken des Pfannenstiels verstreuten Quartieren und Weilern. Das Zentrum ist für Aussenstehende schwer auszumachen. Beim Volg? Bei der Post? Das emotionale Zentrum, das wird schnell klar, ist der Lützelsee. Dort sei sie oft anzutreffen, sagt Cornelia Wolf. Sie sei gerne in der Natur, auch in ihrem Garten. Und sie liest gerne. Vor allem Krimis.

Einsatz für Naurschutz- und Schulthemen

Im Kantonsrat wären ihr Naturschutz- und Schulthemen wichtig. Grundsätzlich befürwortet sie das integrative Schulmodell. «Ich befürchte allerdings, dass manche Kinder so nicht die für sie optimale Förderung erhalten. Für diese sollten geeignetere Plätze geschaffen werden, ohne dass sie gleich in eine Privatschule müssen.»

Weshalb scheute sie sich davor, sich porträtieren zu lassen? «Ich stehe nicht so gerne im Mittelpunkt und habe keine Erfahrung mit den Medien.» Sie ist über ihren Schatten gesprungen und sicher gelandet.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.02.2019, 08:26 Uhr

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