Spital Männedorf feiert mit der Bevölkerung

Unter dem Motto «flanieren, geniessen, entdecken» feierte das Spital Männedorf zusammen mit der Bevölkerung sein Jubiläum. Trotz garstigem Wetter war das Fest ein voller Erfolg.

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Das Teddybär-Spital wird von Asistenzärzten des Spitals Männedorf betreut. «Der schlimmste Fall, den wir heute behandeln mussten, war ein Stoffhase mit offenem Rücken», berichtet ein angehender Arzt. Er habe Meister Lampe aber konservativ behandelt und nicht genäht, fährt er augenzwinkernd fort. Bereits ist ein weiterer Notfall im Anmarsch.

«Mein Teddybär hat Bauchweh», klagt die kleine Eliane. «Zuerst musst du diese Anmeldung ausfüllen, dann wird dein Liebling von uns untersucht», entgegnet der blutjunge Assistenzarzt mit ernster Miene. Gesagt, getan: Der Teddy wird auf Herz und Nieren untersucht und geröntgt. Es stellt sich heraus, dass das Bärchen einen entzündeten Blinddarm hat. Eliane darf bei der darauf folgenden Operation assistieren. Mit Pinzette und Tupfer ist sie hautnah dabei. Die Wunde wird zugenäht und verbunden. Das Mädchen strahlt übers ganze Gesicht und bekommt zur Belohnung einen Gutschein fürs Karussell geschenkt. Dieses dreht nebenan unablässig seine Runden. Begleitet von allseits bekannter, leicht schräger Spielorgelmusik.

Das Teddy-Spital und das Karussell sind nur zwei von vielen kleinen und grösseren Attraktionen, die das Spital Männedorf zu seinem 125-Jahr-Jubiläum vergangenen Samstag für Jung und Alt organisiert hat. Ein bunter Festmarkt mit Schleckereien, Verkaufs- und Infoständen hält den ganzen Tag tapfer dem wechselhaften Wetter stand. Er wird von Besuchern aus dem ganzen Bezirk bevölkert. Ein Steinmetz, ein Drechsler und ein Kunstschmied führen dem interessierten Publikum ihre jahrhundertealten Fertigkeiten vor. Berufe, die schon zu Zeiten der Spitalgründung ausgeübt wurden, heute aber zunehmend vom Aussterben bedroht sind.

Eindrückliche Zeitdokumente

Im Festzelt laufen alte Schwarzweissfilme, die den Spitalalltag vergangener Jahrzehnte dokumentieren. Es fällt heute schwer, sich vorzustellen, unter welch widrigen Umständen der pflegerische Alltag damals bewältigt wurde. Die Filme bezeugen dies auf eindrückliche Art.

Mit glänzenden Augen betrachtet die 79-jährige Diakonieschwester Lily Ehrat die alten Filme. «Früher herrschte einfach ein besseres Arbeitsklima», moniert sie. «Heutzutage wird einfach zu oft hinter dem Rücken gemauschelt.» Schwester Lily weiss, wovon sie spricht: Sie arbeitete während 40 Jahren als Pflegerin im Spital. Sie habe aber vernommen, dass es unter der neuen Führung wieder besser gehe.

Spitalseelsorger Andreas Egli und eine Heerschar Freiwilliger verkaufen eifrig Kaffee und Kuchen. «Viele Leute wissen gar nicht, dass das Spital auch eine Seelsorge anbietet», sagt Egli. Dieser Festmarkt sei eine einmalige Gelegenheit, um Werbung in eigener Sache zu machen. Egli sammelt Geld für die künstlerische Gestaltung eines Raums der Stille, der zurzeit im neuen Bettentrakt errichtet wird. Ein Raum, der von Patienten und Mitarbeitern - unabhängig ihrer Konfession - gemeinsam genutzt werden kann. «Solche Räume liegen im Trend», erklärt Egli. Sie böten eine willkommene Rückzugsmöglichkeit in stressigen Zeiten.

Der neue Spitaldirektor Ralph Baumgartner hält eine kurze Ansprache. Er betont die Verbundenheit des Spitals mit der Bevölkerung und bedankt sich bei allen Mitarbeitern, ohne deren Freiwilligenarbeit dieses Fest nie zustande gekommen wäre. Vergeblich wartet man auf die Rede eines prominenten Politikers. «Wir wollten ein Fest für die Bewohner und ihre Familien machen, der offizielle Festakt fand ja schon im Januar statt», erklärt die scheidende Kommunikationschefin des Spitals, Karin Hänni.

Viele Neugierige scharen sich um das speziell fürs Jubiläum errichtete Eishaus. Acht Tonnen Eis sind im März aus dem Klöntalersee herangekarrt worden, um - wie damals 1884 - in einem Blockhaus gelagert zu werden. Die Einschätzung von Projektleiter Markus Obergfell, das Eis werde bis in den Winter hinein der Wärme standhalten, hat sich nicht bewahrheitet.

Ein Eishaus ohne Eis

Die Tür des Holzhauses steht weit offen - vom Eis keine Spur. «Der gute Wille war vorhanden, schliesslich fehlte es nur am Sachverstand», gibt sich Obergfell selbstkritisch. Statt das Eis einfach wegzusperren, hätte man es besser pflegen sollen. Die Hütte soll nun an den Meistbietenden verkauft werden. Findet sich niemand, werde man sie einem Bergbauern vermachen. Der könne sie sicher gut gebrauchen, ergänzt Obergfell gut gelaunt.

Frauen, Männer und Kinder schlendern von Stand zu Stand, informieren sich, naschen Süssigkeiten oder Handfesteres, tauschen sich aus und begrüssen alte Bekannte. Sie halten den Kapriolen des Wetters stand und geniessen die Festivitäten «ihres» Spitals. Ein durch und durch gelungener Nachmittag. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.08.2008, 07:46 Uhr

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