Staubplage um Illnauer «Graströchni» ärgert Nachbarn

Schon bald werden die beiden Grastrocknungsanlagen der Landi-Zola wieder auf Hochtouren laufen. Das sorgt für hohe Energiekosten und Staubbelastungen für die Nachbarn.

Die Grastrocknungsanlage (rechts) sorgt im nahen Wohnquartier (im Hintergrund erkennbar) für Unmut. Bild: Nathalie Guinand

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Wenn in etwa einem Monat die ersten Felder mit Futtermais geerntet werden, bedeutet das nicht nur für die Landwirte viel Arbeit. Auch bei den Grastrocknungsanlagen der Landi-Zola in Illnau und Ottikon bei Gossau wird dann intensiv gearbeitet. Getrocknet wird darin aber weit mehr als nur Gras – dieses macht gerade noch fünf Prozent des Geschäfts aus. Angeliefert werde vor allem Mais, sagt Dominic Möckli, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Landi-Zola. Das Getreide wird ab September während sechs bis acht Wochen verarbeitet. Bis zu fünf Wochen lang laufen die Trocknungsanlagen sogar im 24-Stunden-Betrieb.

Staubwolke beim Anlassen

Für manche Bewohner der neuen Quartiere, die in Illnau in den letzten Jahren westlich der Bahnlinie entstanden sind, bedeutet der Betrieb der «Graströchni» vor allem eine lästige Staubbelastung. Diese sei – so paradox dies klingen möge – aber kleiner, je intensiver die Anlage genutzt werde, betont Möckli. «Der als Staub wahrgenommene Niederschlag besteht aus Pflanzenteilen, die sich während des Betriebs an den Wänden der Abluftleitungen festsetzen. Wenn die Anlage abgeschaltet wird, trocknen diese Wände und damit auch die teilweise verbrannten Pflanzenteile. Wird die Grastrocknung dann wieder hochgefahren, werden die Beläge vom Luftstrom mitgerissen und aufgewirbelt.» Die Schwebeteilchen würden sich dann in der Nachbarschaft absetzen. Er lege aber grossen Wert auf die Feststellung, dass die getrockneten Pflanzen keinerlei Feinstaub freisetzen würden. Diese Vermutung wurde in einem Postulat geäussert, das die Fraktion der grünen Partei im Illnau-Effretiker Parlament Ende April einreichte.

Anwohner sind genervt

Ob nun wie von den Grünen vermutet, Feinstaub freigesetzt werde, könne sie nicht sagen, meint Christiane Löwe von der IG Landi, in der sich zahlreiche Anwohner organisiert haben. Man wisse eben nicht so recht, ob die Schwebeteilchen gesundheitsschädlich seien oder nicht. «Es ist uns aber auch nicht bekannt, ob die Abluft überhaupt dahingehend untersucht wird», sagt sie. Als lästig würden vor allem die feinen Niederschläge aus Pflanzenresten empfunden. Dabei handle es sich um mehr als nur ein ästhetisches Problem: «Wir wissen, dass die Teilchen auch den Filtern der Lüftungen in Minergiehäusern zusetzen. Da werden zusätzliche Wartungen nötig.» Löwe betont, dass man nichts gegen die Landi habe, im Gegenteil. «Wir finden es aber unbefriedigend, dass wir mit den Niederschlägen leben müssen, obwohl man schon seit Jahren von Filteranlagen spricht. Es ist uns schon klar, dass das aufwendig ist, aber wir finden, dass wir eine Verbesserung verlangen können», ist sie überzeugt. Schliesslich sei es ja so, dass es der Landi wirtschaftlich recht gut gehe, da könne man durchaus etwas in eine solche Filteranlage investieren.

Nese Cetinkaya, Gemeinderätin der Grünen, doppelt nach: «Wir wollen wissen, was passiert. Die Landi hat eine Baubewilligung für eine Filteranlage erhalten, nun geschieht aber nichts. Irgendwann verfällt diese Bewilligung ungenutzt.» Als ungenügend bezeichnet Cetinkaya die Kommunikation der Landi. Die Anwohner würden nicht informiert und hätten keine Ahnung, was und wann im benachbarten Betrieb geschehe. Darüber hinaus fordert Cetinkaya auch Aufschluss über die Zusammensetzung der Abluft: «Die Landi soll zeigen, dass das, was sie rausbläst, auch wirklich unschädlich ist.»

Landi kennt das Problem

Dominic Möckli räumt ein, dass die Staubbelastung an manchen Tagen tatsächlich lästig sein könne, gesundheitsgefährdend sei der Staub aber sicher nicht. «Das Awel misst unsere Abluft periodisch. Die Anforderungen der Luftreinhalteverordnung haben wir demnach immer eingehalten», sagt er. Die sowohl von den Anwohnern geforderte und auch im Postulat angesprochene Abluft-Reinigungsanlage sei tatsächlich seit Jahren ein Thema. «Das Problem ist, dass es auf dem Markt keine solchen Anlagen gibt. Eine Pilotanlage im Thurgau, die wir besichtigt haben, reinigt nicht gründlich genug. Anlagen, welche die Abluft in Wasserbädern waschen, verbrauchen nicht nur extrem viel Wasser, sondern führen auch noch dazu, dass die Schwebeteilchen in der Luft feucht sind und in der Umgebung schmierige Beläge bilden, was noch unangenehmer ist», sagt Möckli und versichert, dass man weiterhin an einer Lösung arbeite. Gleichzeitig erinnert er aber daran, dass die Grastrocknung auch noch wirtschaftlich arbeiten müsse, diesschränke bei der Wahl der Möglichkeiten ein. Mit dem Standort im direkt an Kern- und Wohnzonen grenzenden Industriegebiet sei man eben schon etwas handycapiert. Bei allem Verständnis für die Besitzer der benachbarten Eigenheime dürfe man auch die Situation der Landi-Zola nicht vergessen. «Als wir hier anfingen, standen wir quasi auf der grünen Wiese. Unseren Standort kann man uns deshalb nicht vorwerfen. Die jetzige Situation ist wohl weder für uns, noch für die Nachbarn angenehm», meint Möckli.

Keine Probleme sind bezüglich des Standortes bei der zweiten Grastrocknungsanlage der Landi-Zola in Ottikon bei Gossau vorhanden, wie der Gossauer Gemeindeschreiber Thomas-Peter Binder sagt. Ihm seien noch nie Beschwerden gemeldet worden. Die Anlage in vergleichbarer Grösse wie in Illnau steht in grösserer Entfernung zum Siedlungsgebiet.

«Wir werden eine Lösung finden»

Käme für den Illnauer Betrieb ein Standortwechsel in Frage? Möckli winkt ab: «Ich glaube aus wirtschaftlichen Gründen kaum, dass man heute eine Anlage in dieser Grösse noch neu bauen könnte.» Ob das bedeutet, dass als Alternative zum Fortbestand nur die Betriebsschliessung in Frage käme, könne er nicht sagen. «Wir halten uns alle Optionen offen. Wir suchen aktiv nach einer Lösung und werden auch eine finden.» Immerhin müsse man sich vor Augen halten, dass der Betrieb in Illnau ja auch über 30 Arbeitsplätze biete.

Neben dem politischen Widerstand gegen die Anlage macht auch der aktuelle Ölpreis der Landi-Zola das Leben schwer. Dank des breiten Spektrums an Angeboten und Dienstleistungen seien die steigenden Kosten noch tragbar – im Unterschied zu kleineren Betrieben anderswo in der Schweiz, die in ihrer Existenz gefährdet werden. «Der Ölpreis ist noch kein Problem – aber ein unangenehmer Faktor», sagt Möckli. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.08.2008, 09:51 Uhr

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