Talent und Freude

Das Lokal in den Räumlichkeiten des ehemaligen Café Ernst hat Mitte Januar einen Neustart gewagt.

Mit Küchenchef Stefano Corrado hat das Aurora eine sehr gute Wahl getroffen.

Mit Küchenchef Stefano Corrado hat das Aurora eine sehr gute Wahl getroffen.

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Mit seinen 27 Jahren gehört Stefano Corrado zu den jüngsten Küchenchefs der Stadt. Und anscheinend zu den glücklichsten. Als wir die Treppe zum Restaurant im ersten Stock hochgehen, steht er mit einem breiten Lächeln in der von aussen gut einsehbaren Küche.

Die erste Vorspeise entführt uns an diesem noch gehörig frischen Frühlingsabend geschmacklich in den Süden: Es gibt eine Kombination aus Oktopus, Chorizo, süss-sauer eingemachten Zwiebeln, Kartoffelcreme und -chips (24 Fr.). Der Tintenfisch ist zart, die Zwiebeln geben dem Gericht die nötige Portion Säure und Süsse, die Chips das Knusperelement. Ein schöner Einstieg und ein Hinweis darauf, dass Corrado einst Sous-Chef im Clouds bei David Martínez Salvany war, in dessen katalanischer Heimat man Meergetier gerne mit Wurst kombiniert. An Japan orientiert, aber nicht minder gelungen ist das Thunfisch-Tataki mit einem ausgezeichneten Salätchen aus Wakame-Algen und kraftvoller Sesam-Emulsion (28 Fr.).

Bei den Hauptgängen haben wir den Verdacht, das Konzept des an Zürichs teuerster Meile gelegenen Aurora habe die Kreativität des begabten Chefs ein wenig ausgebremst. Es dominieren edle Stücke vom Land und aus dem Wasser, Gewagteres sucht man vergeblich. Wir entscheiden uns für das Schweizer Kalbskotelett mit Thymian-Jus (350 g/59 Fr.) und das Tagesgericht, irisches Rindsfilet mit Morchel-Spargel-Ragout (53 Fr.).

Das Kotelett am langen Knochen ist butterzart und nicht zu mager, der dazu servierte Parmesanrisotto (6 Fr.) ebenfalls von A bis Z gelungen. Handwerkliche Perfektion und ausgezeichnetes Fleisch bietet das Filet. Das Highlight dieses Gerichts ist aber das Ragout aus den zarten Morcheln und dem knackigen Badischen Spargel samt ein paar Favabohnen.

Zum Dessert teilen wir uns ein Brownie mit pochierter Birne und Guinnessbier-Glace (15 Fr.). Für sich allein ist das mit zahlreichen Nüssen gespickte Brownie ein wenig gar süss, doch die Kombination mit der geschmeidigen, würzigen Glace, die eine elegante Bitternote besitzt, ist ein Vergnügen. Schön, dass bitter – die spannendste Geschmacksrichtung – auch einmal zum Zug kommt! Wenn wir uns für den nächsten Besuch im schicken Lokal mit bestem Blick auf die Bahnhofstrasse etwas wünschen dürften, wäre es leisere Musik. Und zurückhaltendere Weinpreise. (Zueritipp)

Erstellt: 23.03.2016, 15:33 Uhr

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