Über das Sterben

Der Dokumentarfilmer Edwin Beeler zeigt offen und ehrlich, was sonst hinter geschlossenen Türen geschieht.

Sieht dieser Mann nicht genau so aus, wie man sich einen Geistervertreiber vorstellt?

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Sam geht mit seinem Weihrauchfässchen von Raum zu Raum, schwenkt es hierhin und dorthin. Plötzlich hält er inne und erklärt: «Auf dem Stuhl hier sitzt jetzt eine Frau.» Er öffnet das Fenster und weist dem Gespenst den Weg hinaus.

Schon in «Arme Seelen» warf Edwin Beeler einen Blick auf unseren Umgang mit dem Tod und liess Menschen von ihren Begegnungen mit Geistern erzählen. In «Die weisse Arche» zeigt er nun eben den Mystiker und Heiler Sam Hess, der mit den Toten in Kontakt steht und die Häuser, in denen sie spuken, von ihnen befreit. Oder dann schildert die Altenpflegerin Monika, wie sie einst von einer Lawine erfasst wurde. Während sie unter dem Schnee begraben war, besuchte sie ein Engel. Dieses Nahtoderlebnis nahm ihr die Angst vor dem Sterben und gibt ihr die Kraft, sich im Altersheim um die Dementen und Sterbenden zu kümmern.

Was üblicherweise hinter geschlossenen Türen passiert, zeigt Beeler in aller Deutlichkeit. Die uralte Frau zum Beispiel, die in ihrem Rollstuhl beharrlich schaukelt und bei jedem Auf und Ab «Hau!» ruft. Dies wird im ­Altersheim zur durchgehenden Tonspur. Mitunter ist das schwer zu ertragen – wie auch das Sterben von ­Bruder Fromund. Der greise Mönch kommt auf eine Pflege­station der Kapuziner. Am Ende liegt er in einem ein­fachen Holzsarg, sein Körper völlig eingefallen. ­Bee­ler ist hoch anzurechnen, dass sein Film zu keinem ­Zeitpunkt ins Voyeuristische abgleitet.

Manchmal wünschte man sich von ihm etwas mehr kritische Distanz, gerade bei Sam Hess, der die Geistervertreibung geschäftsmässig betreibt. Dennoch, als ethnologisches Dokument ist «Die weisse Arche» faszinierend und in seiner Darstellung vom Sterben so offen und ehrlich wie kaum ein anderer Film.

Erstellt: 10.02.2016, 12:45 Uhr

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