Überlingen liegt plötzlich am Zürichsee

Dreharbeiten beim Restaurant Buech in Herrliberg: Gestern standen 110 Statisten für den Fernsehfilm «Das Unglück in Überlingen» vor der Kamera.

Ähnliche Kulisse wie in Überlingen am Bodensee: In Herrliberg wurde gestern für einen Film die Trauerfeier zur Flugzeugkatstrophe nachgespielt.

Ähnliche Kulisse wie in Überlingen am Bodensee: In Herrliberg wurde gestern für einen Film die Trauerfeier zur Flugzeugkatstrophe nachgespielt. Bild: Esther Michel

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Die Kühe auf der benachbarten Wiese nehmen kaum Notiz vom emsigen Treiben. Während sie kauen und wiederkauen, wird auf dem Plateau in der Nähe des Restaurants Buech in Herrliberg aufgestellt und eingerichtet, was es für den Dreh einer Filmszene so braucht: Licht, Mikrofone, Kameras (plus ein kleiner Kran), Bildschirme und Filmrequisiten wie Blumenkränze oder Kinderzeichnungen. Nebst der Filmcrew um den deutschen Regisseur Till Endemann sind 110 Statisten gekommen. Alle wurden sie um 7:35 Uhr beim Bahnhof Herrliberg mit einem Car abgeholt und hoch zum Drehort gefahren.

An der Forchstrasse befindet sich einer der Drehorte für den Fernsehfilm «Das Unglück in Überlingen», der 2009 auf ARD ausgestrahlt wird. Die Szenen 91 und 92 spielen in Herrliberg; heute folgen weitere Drehs in Meilen. Sie zeigen die Gedenkfeier zum Flugzeugunfall. Diese fand ein Jahr nach dem Unfall vom Juli 2002 statt, bei dem zwei Flugzeuge in der Nähe von Überlingen zusammenprallten – 71 Menschen kamen ums Leben, 45 davon Kinder. Man habe aus Pietätsgründen nicht in Überlingen gedreht, heisst es. Zudem sei die Topografie mit Wiesen, Hügeln und See ähnlich wie im Bodensee-Gebiet.

Für die gespielte Trauerfeier trug der Grossteil der Statisten gestern dunkle Kleidung. Alle waren angewiesen worden, sich trotz herbstlicher Temperaturen eher sommerlich zu kleiden, da die Szene im Juli spielen sollte. Auch sollten keine grossen Logos oder erkennbare Markenzeichen auf den Kleidern stehen. Ferner hiess es in einem Schreiben an die Statisten: «Bringen Sie doch bitte einen zweiten oder dritten Vorschlag in einer Tasche mit, damit die Kostümbildnerin eine gewisse Auswahl hat.»

Bauer wird für Dreh entschädigt

Wie die Kühe auf der Weide bekam auch Peter Ledergerber wenig vom Dreh mit – obwohl dieser auf seiner Wiese stattfand. Der Landwirt war vor rund vier Wochen von der Produktionsfirma C-Films («Mein Name ist Eugen», «Grounding – Die letzten Tage der Swissair») angefragt worden, ob auf seinem Land gedreht werden könne. Ledergerber sagte zu, und wird nun entsprechend entschädigt – je nach Belastung der Wiese mehr oder weniger hoch.

Der Fernsehfilm ist eine Koproduktion des Schweizer Fernsehens mit dem Südwestrundfunk (SWR). Im Film gehe es weniger um die Katastrophe als vielmehr um das Aufeinanderprallen verschiedener Kulturen, wie in einem Infotext steht, den die «Zürichsee-Zeitung» kürzlich zitierte. Im Zentrum der Handlung steht wohl der Russe Vitali Kalojew, der anderthalb Jahre nach dem Unfall, bei dem er seine Frau und seine beiden Kinder verloren hatte, den damals diensthabenden Fluglotsen tötete. Produzent Peter Christian Fueter sagte bereits im Frühjahr dem «SonntagsBlick», dass man für die Produktion des Films sowohl die Einwilligung Kalojews als auchdie der Witwe des Fluglotsen habe.

«Das Unglück in Überlingen» ist der zweite Film über den Unfall am Bodensee. Anfang Monat ist die Berliner Produktion «10 Sekunden» von Nicolai Rohde in die Kinos gekommen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.10.2008, 21:59 Uhr

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