Unterländer Schulklassen können aufatmen

Die Suche nach Lehrer war dieses Jahr im Zürcher Unterland besonders harzig und dauerte bis zur letzten Minute. Nun haben fast alle Schulklassen eine Lehrperson.

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Die Sommerferien neigen sich dem Ende zu, am Montag beginnt das neue Schuljahr. Für viele Schulleiter und Schulpflegen bedeuteten die Ferien jedoch vor allem fieberhaftes Suchen nach neuen Lehrpersonen. Unterdessen konnten im Unterland zumindest fast alle Klassenlehrstellen besetzt werden. Ausgeschrieben sind noch zwölf Stellen, vor allem für die integrierte Förderung sowie Teilpensen. Einzig im Klotener Schulhaus Spitz ist noch eine Stelle mit Klassenverantwortung für eine Sek-B-Klasse zu besetzen. Gespräche seien noch in Gange, sagte Co-Schulleiter Thomas Graf gestern.

Um Lehrpersonen zu finden, mussten sich die Verantwortlichen kreativ zeigen: Sie fragten Pensionierte an, ob sie noch etwas weitermachen könnten, motivierten Teilzeiter zum Aufstocken des Pensums und aus dem Beruf Ausgeschiedene zum Wiedereinsteigen. Gesucht wurde auch im nahen Ausland. Studierende im letzten Semester wurden angeworben, um zu zweit eine Klasse zu übernehmen.

Keine Schweizer Bewerbung

Sehr schwierig präsentierte sich die Situation vor den Ferien etwa im Niederweninger Schulhaus Schmittenwis. Schulleiter Hanspeter Ogi sprach damals von dramatischen Zuständen. Die Sekundarschule suchte drei Klassenlehrpersonen. Auf ihre Inserate in der Schweiz ging keine einzige Bewerbung ein. Schliesslich inserierte die Schule Wehntal im süddeutschen Raum und konnte darauf zwei Personen einstellen. Weil mehr Sechstklässler die Gymiprüfung schafften, muss eine Klasse weniger gebildet werden. «Die deutschen Lehrer machen einen guten Eindruck, aber sie kommen aus einer anderen Schulkultur», sagt Ogi.

Im Bülacher Sekundarschulhaus Mettmenriet etwa werden die Eltern einer dritten Sek-C-Klasse erst dieser Tage darüber informiert, wer nächste Woche vor der Wandtafel stehen wird. Noch am Freitag fand ein letztes Bewerbungsgespräch statt.

30 neue Stellen in Opfikon

In Opfikon – mit 220 Lehrkräften eine der grössten Schulgemeinden der Region – waren auf das neue Schuljahr 30 Stellen neu zu besetzen. «Das ist etwa im normalen Rahmen, obwohl im neuen Schuljahr drei neue Klassen hinzukommen», sagt Schulverwaltungsleiter Roger Würsch. Unterdessen habe man für alle Stellen jemanden gefunden. Unter den 30 Personen sei eine pensionierte Lehrperson, die für die integrierte Förderung eingesetzt wird, und ein Studentenpaar. Auffallend sei, dass vermehrt Lehrpersonen aus Deutschland in Opfikon unterrichten werden, sagt Würsch. Diese werden mittels Kursen ins Zürcher Schulsystem eingeführt – ebenso wie Personen aus anderen Kantonen.

Opfikons Schulpräsident Hans Zolliker ist froh, dass alle Kinder unterrichtet werden können: «Wir sassen bis vor kurzem wie auf Nadeln.» Von einem funktionierenden Arbeitsmarkt, auf dem man auswählen kann, könne keine Rede sein, sagt Zolliker. Trotzdem habe man nicht jeden Bewerber eingestellt, sondern vereinzelt auch Absagen erteilt, wenn jemand gar nicht überzeugte.

«Wir sind erleichtert, dass das Schuljahr beginnen kann», schreibt Peter Gerber, Präsident des kantonalen Schulleiterverbands in einer Medienmitteilung. Das Problem Lehrermangel bleibe jedoch bestehen. Die Studenten, die zu zweit eine Klasse unterrichten, müssten vom Lehrerteam betreut werden, sagt Gerber, der Schulleiter im Schulhaus Mettmenriet ist. Das sei eine zusätzliche Belastung. Viele der nun eingestellten Lehrer seien nicht adäquat ausgebildet – etwa Primarlehrer, die auf Sekundarstufe unterrichten, gibt Gerber zu bedenken: «Es sieht besser aus, als es ist.»

Mehr Nachrichten und Hintergründe vom Unterland gibt es täglich im Regionalbund des Tages-Anzeigers. Schreiben Sie direkt an unterland@tages-anzeiger.ch

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.08.2010, 21:38 Uhr

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