Arbeitsmarkt

Unternehmen in Europa vernachlässigen in Krisenzeiten den Nachwuchs

Junge Berufseinsteiger haben es in Europa derzeit nicht leicht.

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Die Unternehmen setzen in den Zeiten der Krise verstärkt auf erfahrenes Personal und vernachlässigen die Rekrutierung von Nachwuchs. Dadurch steigen die Lohnkosten und die Produktivität sinkt.

Je mehr erfahrene - sprich: ältere - Leute nämlich auf den Lohnlisten der grossen Unternehmen stehen, desto höher die gesamten Lohnkosten. Auf den einzelnen Mitarbeiter gerechnet stiegen die Kosten in Europa seit 2009 um 15 Prozent an und lagen 2011 bei rund 44'000 Euro. Dies geht aus einer Studie des Beratungsunternehmens PricewaterhouseCoopers (PWC) hervor, die am Dienstag publiziert wurde.

Genau dieser Anstieg des durchschnittlichen Pro-Kopf-Verdienstes habe nun zu einer Abnahme der Produktivität - der tiefsten in Europa seit fünf Jahren - geführt, schreibt PWC. Gemessen wird dies am sogenannten Human Capital Return on Investment (HC ROI), dem Verhältnis zwischen dem Mehrwert, den ein Mitarbeiter für die Firma bringt, und den Kosten, die die Firma für den Mitarbeiter aufwendet. Der entsprechende Indikator basiert auf Daten von 2400 Unternehmen in 50 Ländern, welche PWC ausgewertet hat.

Höchste Produktivität in Lateinamerika

Je höher also der Quotient, desto höher die Produktivität. Für Westeuropa beträgt er 1,11, für die USA 1,34. Die höchste Produktivität weisen jedoch die Länder im asiatisch-pazifischen Raum mit 1,70 und die lateinamerikanischen Länder mit einem Quotienten von 3,40 auf.

Entsprechend werden dort aber auch weniger Mittel für die Entschädigung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufgewendet. So geben Unternehmen in Lateinamerika nur 10 Prozent ihrer Einnahmen für die Lohnkosten aus, die Firmen in Asien 15 Prozent. In Westeuropa und in den USA mit 24 respektive 30 Prozent liegen die Ausgaben für die Mitarbeiterlöhne doppelt bis dreimal so hoch.

Firmen in Asien rekrutieren mehr junge Leute

Dies liegt zum einen daran, dass das allgemeine Lohnniveau in Lateinamerika oder Asien tiefer liegt. Zum anderen ist es aber auch so, dass rekrutieren die Unternehmen in Asien derzeit vermehrt junges Personal, was die Lohnkosten drückt. So stellten Firmen in Asien im vergangenen Jahr gemessen am Verhältnis zur Gesamtbelegschaft 22 Prozent neue Mitarbeiter an. In Europa und in den USA waren es nur rund 10 Prozent.

Was also können die Unternehmen in Europa tun, um ihre Produktivität wieder zu steigern und die Lohnkosten zu senken? Die Antwort ist gemäss den Schlussfolgerungen der PWC-Studie einfach: Mehr junge, talentierte Leute einstellen und damit in die Zukunft investieren.

Erstellt: 28.08.2012, 12:28 Uhr

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