Verkehrsverein will Erlenbach umkrempeln

Der Verkehrsverein Erlenbach serbelt dahin. Mitglieder hat er keine mehr. Mit zwei visionären Projekten will der Vorstand seinem Verein nun aber neues Leben einhauchen.

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Der Verkehrs- und Verschönerungsverein Erlenbach ist einer der ältesten Vereine im Dorf. Doch der Verein hat kein einziges Mitglied mehr, nur noch vier Vorstandsmitglieder. Diese unternehmen jetzt den Versuch, dem Verein endlich neues Leben einzuhauchen. Den Anfang wollen sie mit einer verheissungsvollen Informationsveranstaltung am kommenden Samstag im Erlenbacher Ortsmuseum beim Kirchgemeindehaus machen.

«Der VVE hat lange Anlässe organisiert wie die Tobelputzete, oder er liess hier und dort eine Sitzbank aufstellen. Doch das ist heute nicht mehr gefragt. Deshalb ist der Verein auseinandergefallen», sagt Vorstandsmitglied Christiane Brasseur. Sie und ihr Vorstandskollege Claude Reinhardt – beide sind selbstständige Architekten – sitzen an einem Tisch in den Räumen des Ortsmuseums.

Neue Mitglieder gesucht

Der Verein soll neu ausgerichtet werden und auf diese Weise auch neue Mitglieder gewinnen. «Wir müssen uns wieder auf die Kernaufgaben eines Verkehrs- und Verschönerungsvereins konzentrieren», sagt Brasseur, «das Dorf zu verschönern und die verkehrstechnische Situation zu verbessern.»

Brasseur und Reinhardt haben auch schon konkrete Vorstellungen, wo als erstes Hand angelegt werden müsste: «Unser Hauptanliegen ist die Neuentwicklung der Achse Oberdorfplatz-Schifflände», erklärt Reinhardt und meint damit die Strecke vom Dreieck, wo Dorfstrasse, Lerchenberg- und Schulhausstrasse zusammenlaufen, durch die Fussgängerunterführung an der Seestrasse bis hinunter zur Schifflände, wo die Schönau steht. Die für das Ortsbild bedeutsame Achse verläuft parallel zum Dorf- oder eben zum Erlenbach, der heute jedoch zu einem grossen Teil unterirdisch fliesst und kaum mehr sichtbar ist.

«Für diesen wichtigen Teil des Ortes gibt es keine übergeordnete Gestaltungsidee», bemängelt Brasseur. Das Gebiet sei während der Jahre in mehreren Schritten mit baulichen Massnahmen verschandelt worden. Dabei habe man vor allem auf die Verkehrsführung, aber nie auf die Gestaltung achtgegeben. Brasseurs und Reinhardts grosser Wunsch ist es, diese Meile ansprechender zu machen, den Dorfbach wieder freizulegen und den Dorfplatz aufzuwerten.

Doch die visionären Erlenbacher gehen noch weiter: «Der VVE soll das Patronat übernehmen für sämtliche Ideen zur Dorfentwicklung. Wir wollen zusammenarbeiten mit der Gemeinde, mit den anderen Vereinen und initiativen Einwohnern», sagt Reinhardt. In letzter Zeit arbeiteten mehrere Gruppen im Alleingang – sei es im Fall Schönau oder beim Schärer-Areal. Reinhardt ist überzeugt, dass der VVE das Potenzial hätte, diese zusammenzuführen. «Unser Verein betreibt auch das Ortsmuseum, dort lagern Unmengen von Akten, Informationen und Bildern, die für die Dorfgestaltung von grosser Bedeutung sind», sagt der Architekt.

Multimediale Geschichtszentrale

Genau an diesem Punkt setzt das zweite ehrgeizige Projekt des VVE an. Er will das Ortsmuseum von Grund auf erneuern. «Wir wollen kein altmodisches Museum mit Ausgrabungsgegenständen und alten Weinpressen», sagt Brasseur. Es solle eher ein modernes Archiv werden. Brasseur schweben Computerstationen vor, wo sämtliche historischen Informationen zum Dorf abgelegt wären. «Dieses Archiv könnte eine Anlaufstelle und Inspirationsquelle werden für alle, die an der Dorfgeschichte interessiert sind», sagt Brasseur. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.08.2008, 08:50 Uhr

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