Verwahrter Sextäter im Gefängnis mit Kinderpornos erwischt

Einem verwahrten Pädophilen ist es im Gefängnis Pöschwies gelungen, in seiner Gefängniszelle Kinderpornografie aus dem Internet herunterzuladen.

Bleibt weiterhin in der Strafanstalt Pöschwies: Verwahrter 69-jähriger Pädophiler. Bild: Emanuel Ammon/AURA

Bleibt weiterhin in der Strafanstalt Pöschwies: Verwahrter 69-jähriger Pädophiler. Bild: Emanuel Ammon/AURA

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Bei einer Razzia in der Zelle eines heute 69-jährigen verwahrten Schweizers in der Strafanstalt Pöschwies stiessen die Aufseher neben seinem offiziell gemieteten PC auch auf eine private Tastatur, einen Internetstick und eine SIM-Karte. Computerforensiker untersuchten das sichergestellte Material und stiessen offenbar auf Kinderpornografie.

Die Razzia war bereits am 17. Juli 2012 durchgeführt worden. Der Vorfall ist aufgrund eines Urteils des Bundesgerichts vom 20. Januar 2016 durch einen Bericht der heutigen «SonntagsZeitung» öffentlich geworden. Die Vollzugsanstalt reichte im Januar 2014 Strafanzeige wegen Verdachts auf Pornografie gegen den Verwahrten ein. Eine Anklage wegen Pornografie steht jetzt unmittelbar bevor. Das Strafgesetz sieht dafür Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren vor.

Mann seit über zwanzig Jahren im Gefängnis

Beim betreffenden Gefängnisinsassen handelt es sich um einen 69-jährigen Schweizer, der seit 1993 in Haft ist. Er war wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit Kindern und mehrfacher sexueller Nötigung zu einer Strafe von vier Jahren und vier Monaten verurteilt und anschliessend verwahrt worden. Er hatte seine zwischen sieben und dreizehn Jahre alten Stiefsöhne massiv sexuell missbraucht. Weitere von ihm zugegebene Missbrauchsfälle waren verjährt.

Der Häftling verweigerte im Strafverfahren konsequent die Aussage. Er liess über seinen Anwalt aber mitteilen, dass die Anhörung ohne Hinweise auf das Aussageverweigerungsrecht erfolgt sei. Er hatte unmittelbar nach der Razzia im Rahmen des gefängnisinternen Disziplinarverfahrens Stellung genommen. Diese Aussagen müssten deshalb aus den Akten des Strafverfahrens entfernt werden.

Das Obergericht lehnte diese Forderung Anfang Dezember 2015 ab, beim Bundesgericht blitzte der Verwahrte knapp zwei Monate später ab. Ob der Mann heute wieder PC-Zugriff hat, wollte das Zürcher Amt für Justizvollzug aus Persönlichkeitsschutzgründen gegenüber der «SonntagsZeitung» nicht sagen.

1250 Seiten umfassende Biografie geschrieben

Der Beschuldigte hatte nie einen Hehl aus seiner Pädophilie gemacht. Er kämpfte die letzten Jahre vor allem darum, aus der Verwahrung entlassen zu werden und seinen Lebensabend in einem Männerheim verbringen zu dürfen. Doch sein Kampf war bisher erfolglos. Er bezeichnete sich als pädophil veranlagt, sei aber nicht mehr pädosexuell.

Er hatte in den 80er-Jahren «Kinderliebe ohne Sex» propagiert und eine Beratungsstelle für sexuelle Randgruppen gegründet. Dort bot er eine zweifelhafte «Übersättigungstherapien» an. Dabei hätte Pädosexualität durch Kinderpornokonsum bis zum angeblichen Überdruss bekämpft werden sollen.

Im Gefängnis hat er eine 1250 Seiten umfassende Biografie geschrieben. Er sei von einem Onkel gequält, in Heime abgeschoben und als Verdingbub selber missbraucht worden, schreibt er darin. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.02.2016, 15:15 Uhr

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