Videokameras sollen Vandalen abschrecken

Immer mehr Schulen lassen ihre Areale mit Videokameras überwachen. Dass solche Aufnahmen als Beweismittel taugen, bezweifelt der kantonale Datenschutzbeauftragte.

Beim Primarschulhaus Jungwingert in Oberglatt weist ein Schild auf Videokameras hin. Noch sind es Attrappen.

Beim Primarschulhaus Jungwingert in Oberglatt weist ein Schild auf Videokameras hin. Noch sind es Attrappen. Bild: David Baer

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Rümlang ist die nächste Gemeinde, die nun vorwärts machen will. An der Gemeindeversammlung vom Montagabend wurde die neue Polizeiverordnung abgesegnet, die die Videoüberwachung auf öffentlichem Raum gesetzlich legitimieren wird. «Ab Januar 2009 wird die Schulanlage Worbiger videoüberwacht», sagt Stefan Schlatter, Liegenschaftenverwalter der Primarschulpflege Rümlang.

Die Schulanlage wird regelmässig von Vandalen heimgesucht; rund 40'000 Franken betrug allein der Schaden im Mai 2007. Gerade letztes Wochenende wurden der Kindergarten und das Schulhaus besprayt. Nachdem auch die verstärkten Sicherheitskontrollen zu wenig Wirkung zeigten, sollen nun Kameras für mehr Ordnung sorgen. Schlatter rechnet mit rund 30'000 Franken Kosten für die Überwachung der Schulanlage während 24 Stunden.

Keine Aufnahmen im Schüler-WC

In Oberglatt sind beim Primarschulhaus Jungwingert zwar seit längerem Kameras installiert, allerdings handelt es sich lediglich um Attrappen. «Wir wollen die Videoüberwachung aber zumindest probeweise einführen und sind gespannt, ob das etwas bringt», sagt Schulleiterin Prisca Durrer. Demnächst wird sie der Schulpflege einen entsprechenden Kredit beantragen. Überwacht werden sollen das Pausenareal und die Korridore mit den Zugängen zu den WCs. Auch im Jungwingert-Schulhaus finden nämlich trotz Nachtwächter- und Securitas-Patrouillen happige Sachbeschädigungen statt. «Garderobenhaken werden herunter und Abfalleimer aus den Halterungen gerissen, Fassaden besprayt und Lampen beschädigt», zählt Durrer auf. Besonders schlimm sei es aber in den Schüler-WCs. Trotz regelmässiger Kontrollen würden diese wiederholt überschwemmt, oder die Schüler urinierten absichtlich neben die Kloschüssel. «Bereits vor den Sommerferien haben wir die WCs abgeschlossen und nun nach erneuten Vorkommnissen seit zwei Wochen wieder – die Schüler müssen bei der Lehrperson den WC-Schlüssel verlangen», sagt Prisca Durrer.

Etwa gleich weit ist man in Glattfelden, wo der Schulpflege letztes Jahr die Videoüberwachung aus dem Budget gestrichen wurde. Nun will Liegenschaftenverwalter Hans Hösli eine abgespeckte Version beantragen: Für rund 15'000 Franken soll lediglich der Kindergarten überwacht werden, und zwar während 24 Stunden. «Wir mussten feststellen, dass die Polizeikontrollen offenbar zu lückenhaft sind und auch die aufsuchende Jugendarbeit versagt hat, deshalb greifen wir nun zu diesem Mittel», sagt Hösli. Die Aufnahmen sollen jeweils nach 24 Stunden gelöscht oder im Deliktfall direkt der Polizei übergeben werden. Rund 12'000 Franken beträgt der jährliche Sachschaden durch Vandalenakte in der Schulgemeinde Glattfelden.

Der kantonale Datenschützer Bruno Baeriswyl bestätigt eine steigende Tendenz zur Videoüberwachung an Schulen. «Oft fragt man sich aber zu wenig, ob der gewünschte Zweck so erfüllt werden kann – die Videoüberwachung ist kein Allerweltsheilmittel», so Baeriswyl. Oberstes Gebot ist die Transparenz: Die Videoüberwachung ist mit Hinweistafeln zu deklarieren, die Kameras müssen gut sichtbar platziert sein.

Entscheidend sei zudem die Frage der Verhältnismässigkeit, denn die Videoüberwachung sei immer auch ein Eingriff in das Persönlichkeitsrecht. Deshalb sei es sehr heikel, eine grosse Anzahl Personen zeitlich unbeschränkt zu filmen. An einer Schule mache eine Überwachung während der Rand- und Nachtstunden Sinn, wenn die Gefahr von Sachbeschädigungen am grössten ist. Generell müssten die Bilder nach 24 Stunden gelöscht oder überschrieben werden, mit Ausnahme der Wochenenden. Würden die Aufnahmen länger aufbewahrt, bestünde die Gefahr des Missbrauchs. «Man darf nicht einfach kontrollieren, wer sich mit wem beim Veloständer aufhält», illustriert Baeriswyl. Zudem müsse klar festgelegt sein, wer die Bilder überhaupt sichten dürfe. Datenschützerisch am saubersten sind zudem Aufnahmen mit sogenannten Privacy Filters, die Gesichter verschlüsselt, bis eine Aufnahme zur Identifizierung gesichtet wird.

Und nicht zuletzt: «Wenn die Videoüberwachung wirksam war, muss sie auch wieder abgeschafft werden», erklärt Baeriswyl. Dass WC-Eingänge gefilmt werden wie in Oberglatt geplant, taxiert er als heikel. «Da weiss man anschliessend zwar, wer das WC betreten hat – aber noch lange nicht, wer es beschädigt hat. Das ist genau einer der heiklen Fälle, bei denen die Aufnahmen als Beweismittel untauglich sind.»

Scheinwerfer zur Abschreckung

Bereits seit drei Jahren existiert die Videoüberwachung beim Primarschulhaus Sandbuck in Neerach. Anfang Jahr wurden auch im Dorfschulhaus zwei Videokameras installiert, nachdem der Pausenplatz mit Hundekot verschmiert worden war. Kostenpunkt: Je 10 000 Franken pro Schulhaus. «Sicher sind damit nicht alle Probleme gelöst», sagt Jeannine Haller, Liegenschaftenverwalterin der Schulpflege, «zwar halten sich weniger Jugendliche beim Eingangsbereich auf, aber die Sachbeschädigungen haben sich an Punkte verlagert, die von den Kameras nicht gefilmt werden können.» In Neerach wird rund um die Uhr überwacht, und die Aufnahmen werden bisher jeweils erst nach mehreren Wochen überschrieben. Die Schulpflege überlegt sich derzeit, bei den Schulhäusern Scheinwerfer mit Bewegungsmeldern als zusätzliche Abschreckungsmassnahme anzuschaffen.

An der Oberstufe Niederweningen sind seit den Sommerferien beim Veloständer und dem Pausenplatz Kameras installiert. Mit Ausnahme der Ferien und Wochenenden werden die Daten nach 24 Stunden gelöscht. «Im Moment sieht es so aus, als ob die beabsichtigte abschreckende Wirkung erzielt wird – es gab bisher keine neue Vandalenakte», sagt Schulleiter Hanspeter Ogi. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.09.2008, 20:03 Uhr

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