Vortrefflich falsch

Eine singende Baronesse ahnt nicht, warum das Publikum ihre Auftritte liebt.

Alle treffen den richtigen Ton – ausser ihr (Catherine Frot).

Alle treffen den richtigen Ton – ausser ihr (Catherine Frot).

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Wenn Marguerite Dumont (Catherine Frot) zu ihren Arien anhebt, stellen sich einem die Nackenhaare auf. Dann muss man lachen. Denn die Baro­nesse, die sich für die zweite Maria Callas hält, trifft keinen einzigen Ton. Als Zuschauer im Kino darf man dem ­Reflex nachgeben, den Zuschauern Marguerites, An­gehörigen der Hautevolee der 20er-Jahre, ist das Lachen streng verboten. Marguerite darf auf keinen Fall er­fahren, warum jeder verrückt danach ist, sie zu hören. Die Geschichte über diese Frau ohne Talent, aber mit viel Geld und Leidenschaft, ist inspiriert von der tragikomischen Biografie der heulenden und jaulenden US-Sopranistin Florence Foster Jenkins, die in den 1930er-Jahren unwissentlich die New Yorker Musikszene aufs Beste amüsierte. Wie Foster Jenkins hat auch ­Marguerite einen Hang zu pompösen Kostümen. Aber anders als jene leidet unsere Sängerin nicht an den sinnverwirrenden Folgen der Syphilis. Ihr Drang, auf der Bühne zu stehen, komme daher, so erklärt sie einmal, dass sie die Bewunderung ihres Mannes suche. Dass dieser sich für sie schämt, weiss sie nicht. Ebenso wenig, wie scheinheilig der Applaus ihrer Musikfreunde ist. Oder dass Madelbos, ihr selbstloser Butler und Fotograf, ebenso wenig uneigennützig handelt wie die beiden Journalisten, die eines Tages bei einem Konzert auftauchen. Schade, dass der wundervoll schwelgerisch-pompös ausgestattete Film einige Längen hat. Das liegt daran, dass Xavier Giannoli sich mit Nebenfiguren aufhält, die zur Geschichte wenig beitragen. Vor allem die junge Sopranistin (Christa Theret) ist nichts als Dekoration. Aber jede Szene mit Catherine Frot ist den Eintritt wert. Zu sehen, mit welcher Leidenschaft sie diese talentlose Besessene spielt, ist köstlich. (Zueritipp)

Erstellt: 28.10.2015, 15:21 Uhr

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