Wegen drohender Versteigerung den Betreibungsbeamten bedroht

Ein psychisch angeschlagener Mann hat den Betreibungsbeamten seiner Wohngemeinde bedroht. Er wurde zu einer Geldstrafe verurteilt und bleibt bis auf weiteres in einer Klinik.

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Es war keine angenehme Aufgabe, die der Betreibungsbeamte Willi Meier* zu erfüllen hatte: Weil der 43-jährige Angeklagte den Hypothekarzins für seine Eigentumswohnung im Bezirk Bülach nicht mehr bezahlt hatte, musste er im Auftrag der Bank die Liegenschaft zwangsversteigern. Mit dieser Tatsache konnte oder wollte sich der Angeklagte offenbar nicht abfinden. «Sie Idiot, Sie machen mir mein Leben kaputt und deshalb ist Ihr Leben auch nichts mehr wert. Das werden Sie mir büssen», soll er laut Anklageschrift zu Willi Meier gesagt haben, als er ihn Ende Oktober letzten Jahres zufällig auf der Postfiliale seiner Wohngemeinde antraf. Er werde sich am Betreibungsbeamten rächen, da dieser kein Recht habe, seine Wohnung zu verkaufen. Und schon zwei Wochen vor dem Zusammentreffen auf der Post soll der 43-jährige Bosnier gegenüber einer Mitarbeiterin von Willi Meier eine Todesdrohung gegen den Betreibungsbeamten ausgesprochen haben: Er könne zur Besichtigung schon in seine Wohnung kommen, aber danach werde er nicht mehr herausgehen.

Schmetterlingsmesser dabei gehabt

Eingeschüchtert von diesen Drohungen, erstattete der Betreibungsbeamte Anzeige. Schon im Februar, als die zu versteigernde Wohnung geschätzt werden sollte, musste Willi Meier die Polizei aufbieten, denn der Besitzer wollte ihn und den Schätzer nicht hineinlassen.

Als der Angeklagte verhaftet wurde, trug er ein verbotenes Schmetterlingsmesser mit einer Klingenlänge von 10 cm auf sich. Seit diesem Mai befindet sich der 43-Jährige im vorzeitigen Massnahmeantritt im Psychiatriezentrum Rheinau. Er leidet an einer schizo-affektiven Störung. Seit 2001 bezieht er wegen seiner psychischen Erkrankung eine Invalidenrente.

Wegen mehrfacher Drohung, versuchter Gewalt und Drohung gegen Beamte sowie Vergehens gegen das Waffengesetz musste sich der Mann gestern vor dem Bezirksgericht Bülach verantworten. Es sei nicht wahr, was ihm vorgehalten werde, sagte er. Dass es verboten ist, ein Schmetterlingsmesser mit sich zu führen, habe er nicht gewusst, erklärte der seit 26 Jahren in der Schweiz wohnhafte Mann.

Der Staatsanwalt forderte eine unbedingte Freiheitsstrafe von sieben Monaten, die zugunsten einer stationären Massnahme aufzuschieben sei. Ausserdem verlangte er eine Busse von 1000 Franken wegen des Vergehens gegen das Waffengesetz. Der Mann sei als gefährlich einzustufen. Eine medikamentöse Therapie über Jahre sei nötig, und diese müsse zumindest anfangs in einer Klinik erfolgen. Schon drei Mal sei der Angeklagte in Strafverfahren wegen Drohung verwickelt gewesen. Wegen seiner psychischen Krankheit müsse ihm jedoch eine mittlere bis stark verminderte Schuldfähigkeit attestiert werden. Der Geschädigte, Willi Meier, forderte eine Umtriebsentschädigung von 500 Franken.

Klinikaufenthalt angeordnet

Der Verteidiger verlangte einen Freispruch für seinen Mandanten. Keine Zeugen hätten die Drohung auf der Post gehört, auch nicht die Postangestellte. Es sei auch nicht bewiesen, dass der Angeklagte gegenüber einer Mitarbeiterin von Willi Meier eine Drohung ausgestossen habe. Des weiteren sei im Falle einer Verurteilung von einer stationären Massnahme abzusehen. Eine ambulante Behandlung reiche aus.

Das Bezirksgericht sprach den Angeklagten wegen mehrfacher Drohung und Vergehens gegen das Waffengesetz schuldig und verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 12'000 Franken und einer Busse von 1000 Franken. Es zeigte sich zudem überzeugt, dass sich der Angeklagte längerfristig in einer Klinik behandeln lassen muss und ordnete eine stationäre Massnahme an.

Vom Vorwurf der versuchten Gewalt und Drohung gegen Beamte sprach es ihn jedoch frei. Es sei nicht erwiesen, dass dieser Satz so gesagt worden sei. Jedoch gehe man davon aus, dass der langjährige Betreibungsbeamte, der immer wieder mit schwierigen Kunden zu tun habe, die Anzeige wegen Drohung nicht ohne Grund gemacht habe.

* Name geändert (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.09.2008, 20:02 Uhr

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