Weisse Flaggen

Wie soll man den Überblick über 200 Filme haben? Wir greifen zwei davon heraus.

Sonst weht auf der Brooklyn Bridge die amerikanische Flagge.

Sonst weht auf der Brooklyn Bridge die amerikanische Flagge.

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«Es gibt keine lebendige Demokratie ohne einen starken Kulturbereich», sagt New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio in einer Rede. Doch das Lob der Kunstfreiheit ist schnell vergessen, als Unbekannte nachts auf die Brooklyn Bridge klettern und die beiden US-Flaggen entfernen. Stattdessen wehen am nächsten Tag weisse Flaggen über dem East River. Der Kurzfilm «Symbolic Threats» reiht in raschem Tempo die hysterischen Re­aktionen aneinander: aufgeregte Nachrichtenleute, Politiker, die sich vor Atomanschlägen fürchten, und Wutbürger, die auf Youtube schimpfen. «Wir werden mit aller Härte vorgehen», verspricht de Blasio. Am Ende hat sich das Berliner Künstlerduo Wermke?&?Leinkauf zur Tat bekannt und gemeinsam mit Lutz Henke dieses bestürzende Psychogramm der USA nach 9/11 montiert. «Symbolic Threats» läuft im Internationalen Wettbewerb.

John Canciani, der künstlerische Leiter der Kurzfilmtage, versteht das Festival als eine Möglichkeit, die herrschende Sicht auf die Dinge zu hinterfragen. Darum wird die arabische Welt im grossen Fokus «Arab Encounters» einmal aus einer anderen Perspektive präsentiert. «Wir wollen eine Alternative dazu aufzeigen, wie Medien und gewisse Politiker mit dem Thema umgehen», erklärt Canciani. Die arabische Kultur beschränke sich nicht auf Religion oder Frauenunterdrückung. Manchmal geht es da auch um Rockmusik, wie in «Heavy Metal Drummer»: Da liebt ein marokkanischer Junge schlagzeuglastigen Metal, wird aber dazu gezwungen, auf einem Hochzeitsfest seichte Volksmusik zu spielen. Sein Frust entlädt sich schliesslich in einem ohrenbetäubenden Ausbruch. Künstler werden aktiv, wo die Freiheit im Argen liegt – ob in Marrakesch oder New York.

Komplettes Programm: www.kurzfilmtage.ch (Zueritipp)

Erstellt: 28.10.2015, 13:47 Uhr

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