Wenn Trudi lacht, dann lacht das Leben

Die Schweizer Märchenkönigin Trudi Gerster ist nun 89 Jahre alt. Bei ihrem Auftritt in Mönchaltorf begeisterte sie mit ihren Erzählungen und dem Klang ihrer Stimme.

Sie plauderte aus dem Nähkistchen und rief Erinnerungen aus der Kindheit wach. Trudi Gerster.

Sie plauderte aus dem Nähkistchen und rief Erinnerungen aus der Kindheit wach. Trudi Gerster. Bild: Keystone

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Als Trudi Gerster am Mittwoch ihr Publikum im Mönchhof begrüsste, strahlte sie jenes Strahlen, das Generationen von Schweizerinnen und Schweizern in ihrer Stimme hören, wenn sie vom dunklen Tannenwald, von Rapunzel oder vom Schneewittchen erzählt.

«Bi dä Chinder säg i sali mitänand», eröffnete sie, und sogleich füllte sich der grosse Saal mit dem Zauber ihrer Stimme. Von der Neugier hätte sie laut Ankündigung erzählen sollen, vom Gefühl, nie genug zu bekommen von Geschichten. Das hat Trudi Gerster dann aber nicht gemacht. Aus dem Nähkistchen geplaudert hat sie und dabei Kindheitserinnerungen in so manchem ihrer Zuhörer, mehrheitlich waren es Zuhörerinnen, wachgerufen. Für die Kleinen war der Anlass nicht gedacht, hat er doch erst um acht begonnen.

Die Märchenkönigin

Ihr Besuch gehörte zum Programm der Erwachsenenbildung der Mönchaltorfer Kirchgemeinden. Auf Trudi Gerster ist Pfarrer Görlich-Koch gestossen, weil sie eine ihrer preisgekrönten CD biblischen Geschichten gewidmet hat. «Dä lieb Gott chani guet», sagte sie, «mit em Jesus hani me Müä.» Aus diesem Grund habe sie sich für Texte aus dem Alten Testament entschieden. Trudi Gerster beantwortete Fragen, nahm freudig die Erinnerungen aus dem Publikum entgegen und erinnerte sich selber: Sie berichtete von ihrem Weg zum Märchen, vom Puppentheater in St. Gallen, das sie schon als kleines Mädchen fasziniert habe. Und von der Handarbeitslehrerin, die für sie gehäkelt habe, während das junge Trudi erzählte.

Eine kurze Pause, die der Erholung der Künstlerin hätte dienen sollen, hatte sie alle Hände voll zu tun: Sie signierte CDs und Bücher, manchmal sogar mit einem Herzlein hinter dem Namen, nahm Komplimente entgegen und beantwortete Fragen. Dann der Höhepunkt: Trudi Gerster erzählte eine Geschichte. Ruhig und konzentriert, heiter wie gewohnt, mit einem Funkeln in den Augen. In der Linken der Text, in der Rechten ein Taschentuch, dann und wann nur schlich sich ein Anflug von Müdigkeit zwischen die Zeilen und ein leises Zittern in ihre Hände.

Eine elegante Erscheinung ist sie noch immer, die Märchenkönigin. Passend zur Geschichte «Vom wunderfitzigä Elefäntli» trug sie eine Bluse mit Elefantenmuster. Ihre Stimme imitiert noch immer das Zischen der Schlange, das Schnauben des Walrosses und das Wimmern des neugierigen kleinen Elefäntchens. Dass diese Qualitäten sich nicht verändert hätten, liege an der soliden Ausbildung bei den besten Schauspielern, die während der Nazizeit aus Deutschland in die Schweiz geflüchtet waren, berichtet sie. «S wichtigscht aber ischd Fantasii», sagt sie und lacht. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.10.2008, 22:05 Uhr

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