Wenn die Bauern nicht gehorchen wollen

An der Waldbegehung am Bachtel wurde deutlich: Die Oberländer Bauern folgen nicht. Warum das gar nicht schlecht ist, erzählte Förster Walter Hess.

Förster Walter Hess (r.) gibt Waldbesitzern nützliche Ratschläge. Ob sie umgesetzt werden, ist eine andere Frage.

Förster Walter Hess (r.) gibt Waldbesitzern nützliche Ratschläge. Ob sie umgesetzt werden, ist eine andere Frage. Bild: STEFANIE PFÄNDLER

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30 Leute standen am Sonntagmorgen im Unterbach am Bachtel. Den meisten von ihnen gehört ein Stückchen Wald, alle zwei Jahre lassen sie sich vom Privatwaldverband über ein aktuelles Thema informieren. Dieses Jahr: die Waldverjüngung. Der Wald um den Bachtel herum ist alt, und bald werde er faulen, warnte Walter Hess, der als Förster für den Privatwald von Dürnten, Rüti und Wald zuständig ist.

Am Bachtel wird viel der Natur überlassen, doch dies reiche nun nicht mehr. «Letztlich werden die Besitzer nicht darum herumkommen, künstlich etwas zu pflanzen», glaubt Hess. Dass das nicht jedem gefällt, ist klar: pflanzen kostet. Dennoch muss gehandelt werden. «Mit fast zwanzig Landbesitzern wird es sicher auch zwanzig Ansätze geben», lachte Hess. Er weiss, wovon er spricht: «Die Bauern hier folgen nicht besonders gut. Sie lassen sich von keiner Obrigkeit etwas sagen.» So werde auf einen Ratschlag des Försters hin häufig das Gegenteil getan.

Spuren von früheren Methoden

Der Förster findet diesen Ungehorsam in erster Linie interessant: «Dadurch haben wir hier sehr viele verschiedene Waldtypen auf kleinem Fleck», freute er sich. Beim Wald sehe man immer erst fünfzig oder hundert Jahre später, wie sich eine Methode auswirke - und ob sie sich bewähre. So gibt es am Bachtel Waldabschnitte, wo noch Spuren von Bewirtschaftungsformen aus dem vorletzten Jahrhundert sichtbar sind. Gleich neben solchen, die den neusten Methoden folgen. Dass es am Bachtel so viele verschiedene Besitzer gibt, liegt an der traditionell privaten Bewirtschaftung: «Fünfzig Prozent des Waldes ist hier in Bauernhand», weiss Hess. Das schweizweite Mittel liegt bei zehn Prozent.

Doch der Förster gab nicht nur ökologische Tipps. Auch für Bauern werde Öffentlichkeitsarbeit immer wichtiger, betonte er. «Bauern tun viel Gutes für die Allgemeinheit, leider zeigen sie das viel zu wenig», so Hess. Ein Waldner Bauer hatte kürzlich Schilder am Wegrand aufgestellt, auf denen den Spaziergängern erklärt wurde, woran er an jener Stelle gerade arbeitete. «Das hilft den Leuten zu schätzen, was ihr für sie tut», erklärte Hess. «Ihr seid auf den Goodwill der Bevölkerung in vielen Bereichen angewiesen. Darum müsst ihr diesen auch fördern.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.09.2008, 22:22 Uhr

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